Zwischen Naturschutz und Badespaß

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Sa, 09. Juni 2018

Kleines Wiesental

Am Nonnenmattweiher findet sich eine einzigartige Landschaft / Naturschutz und touristische Nutzung bleiben ein Balanceakt.

KLEINES WIESENTAL-NEUENWEG. Es ist ein einzigartiges Kleinod, das sich hier am Osthang des Köhlgartenmassives in Heubronn, einem Ortsteil von Neuenweg, erstreckt. Seltene Pflanzen und Tiere prägen die Karstlandschaft auf 915 Metern Höhe, die den Besucher mit atemberaubenden Natureinblicken und entspannter Ruhe empfängt. Auf einer Tour rund um den See mit dem Naturschutzwart Hartmut Heise wird deutlich, dass der Schutz des einzigartigen Refugiums und seine touristische Nutzung ein stetiger Balanceakt bleibt.

"Der Nonnenmattweiher ist über all die Jahre zum Geheimtipp geworden", sagt Heise, der seit 34 Jahren als ehrenamtlicher Naturschutzwart arbeitet. Ganz so geheim ist das Gebiet aber inzwischen nicht mehr. Über 200 Autos hat er bereits als Spitzenwert an einem Tag auf dem Parkplatz unterhalb des Sees gezählt. Es ist nicht nur die besondere Landschaft, die Menschen in das seit 1987 ausgewiesene 70 Hektar große Naturschutzgebiet lockt. Der See selbst ist ideal zum Baden. Die Wasserqualität wird monatlich beprobt und kontrolliert. In den vergangenen Jahren sind die Ergebnisse immer gut gewesen.

Wie vertragen sich Naturschutz und touristische Nutzung? "Wir wollen niemandem die Natur vorenthalten. Das ist nicht im Sinne des Naturschutzes", betont Hartmut Heise. Ganz im Gegenteil freut er sich sogar über die Badegäste, "solange die Naturschutzbestimmungen eingehalten werden."

Es gibt einige wenige klare Regeln, die eingehalten werden müssen: Für Hunde gilt ein absolutes Badeverbot im Weiher. Zum Sonnen und Baden dürfen die Gäste ausschließlich die abgetrennte Badebucht im Norden und die zugehörige Liegewiese am Nordufer benutzen. Zelten und längere Gelage in den Abendstunden sind ebenfalls nicht erlaubt. Absolut Tabu ist die schwimmende Torfinsel im Süden des Weihers. Auf diesem Refugium wachsen seltene Pflanzen wie das Wollgras, der Fieberklee und sogar der insektenfressende Sonnentau. Erdkröten laichen hier kurz nach der Schneeschmelze.

"Man stößt auf viel Verständnis bei den Leuten, wenn man sie freundlich anspricht", sagt der Naturschutzwart. Verbote und Belehrungen mit dem erhobenen Zeigefinger sind nicht seine Sache. Naturschutz ist für Heise in erster Linie Aufklärung und Dialog. Es gebe auch mal aufklärungsresistente Leute und die eine oder andere unangenehme Begegnung am Ufer. Das sei aber, laut Heise, eher selten .

Ein anderes Problem bleibt allerdings seit Jahren ungelöst. Eigentlich gibt es in der Fischerhütte – etwa zehn Minuten Fußweg von der Badebucht entfernt – eine öffentliche Toilette. Weil es in der Toilette immer wieder zu Vandalismus gekommen war, bleibt sie während der Ruhetage der Fischerhütte geschlossen. Gerade an besucherreichen Tagen wird der Waldrand deshalb allzu oft zur Bedürfnisanstalt. Es war auch einmal eine Lösung mit einem Dixi-Klo direkt an der Liegewiese angedacht. Diese Idee ist jedoch bisher nicht umgesetzt worden, weil die Gemeinde kein Personal für die Instandhaltung und Leerung der Anlage abstellen kann.

Auch beim Thema Holzschlag hatte es immer wieder Konflikte gegeben. Am Ostufer türmt sich der Muränenhügel auf. Er besteht aus dem Aushubmaterial, das der Gletscher vor 10 000 Jahren aus der Seewanne geschabt hat. Der Hügel war teilweise gerodet worden, um die besondere geologische Formation wieder sichtbar zu machen. Das hatte zu Kritik und Unmut geführt. In Zukunft soll nur noch punktuell der Fichtenbestand auf dem Hügel ausgedünnt werden. Der Köhlgarten ist nach der Einrichtung des Biosphärengebietes zum Bannwald geworden und darf nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Die Misstöne, die es in der Vergangenheit zwischen dem Naturschutzwart, der Forstverwaltung und dem Betreiber der Fischerhütte gegeben hatte – auch hier ging es vor allem um das Thema Holzschlag und die touristische Nutzung – , seien jedoch ausgeräumt. "Es geht nicht, wenn man auf so engem Raum gegeneinander schafft. Wir ziehen jetzt alle gemeinsam an einem Strang", versichert Hartmut Heise.