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03. August 2011
Kleinwasserkraftwerke: eine "saubere Geschichte"
Regierungspräsident Würtenberger interessiert sich für die Energiepolitik in Münstertal / Plädoyer für "interkommunalen Konsens".
MÜNSTERTAL. Beim Besuch des Regierungspräsidenten Julian Würtenberger vor wenigen Tagen präsentierte sich das Münstertal überzeugend als "wasserreiche" Gemeinde, denn ohne Regenschirm ging an diesem Nachmittag im Außenbereich praktisch nichts. Dennoch kehrte Würtenberger nach gut drei Stunden mit "wertvollen Eindrücken und neuen Informationen" aus der Schwarzwaldgemeinde in sein Freiburger Amtszimmer zurück. Ähnlich positiv äußerten sich auf der Gegenseite Bürgermeister und Gemeinderäte von Münstertal über die zu Tage getretenen Positionen der übergeordneten politischen Institutionen zur Thematik innovativer und regenerativer Energien.
Dass Münstertal sich schon seit einigen Jahren auf gutem Weg befindet hin zur umweltfreundlichen Energie, das machte Bürgermeister Rüdiger Ahlers bei einer einführenden Gesprächsrunde im Bürgersaal des Rathauses deutlich. Dabei schließe die Gemeinde keine der möglichen Energiequellen aus, weder Wasser- noch Windkraft, weder Holz- noch Solarenergie. Ziel der Gemeinde sei es, letztlich mehr elektrische Energie zu erzeugen als die Gemeinde selbst verbrauche, so der Rathaus-Chef. Eine halbe Stunde später erlebte die Besuchergruppe im Wasserhochbehälter Neumühle ein energietechnisches Novum, das als Paradebeispiel gelten kann für ähnlich strukturierte Gemeinden wie Münstertal.
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Wie Hauptamtsleiter Christoph Blattmann und Wassermeister Andreas Schelb darlegten, sind in den beiden Hochbehältern Neumühle und Teufelsgrund von einer österreichischen Firma Kleinwasserkraftwerke (KWK) – so genannte Pelton-Turbinen – installiert worden, in denen aus der Energie des talwärts fließenden Trinkwassers mittels Turbine und Generator elektrische Energie gewonnen wird – und zwar jährlich rund 70 000 Kilowattstunden im Hochbehälter Neumühle und im KWK Teufelsgrund (bereits seit 2002 in Betrieb) nochmals rund 60 000 Kilowattstunden. Über die Einspeisevergütung fließt der Gemeinde so ein jährlicher Nettoertrag von rund 12 000 Euro zu. Quantität und Qualität des Trinkwassers werden bei diesem Vorgehen in keiner Weise negativ beeinträchtigt – eine "absolut saubere Geschichte", wie es Würtenberger formulierte.
Bei der nachfolgenden Gesprächsrunde im benachbarten Landgasthof "Langeck" zollte Würtenberger hohes Lob für die Idee, aus Trinkwasser vor dessen Zuleitung an die Verbraucher elektrische Energie zu gewinnen. Großes Interesse zeigte der Regierungspräsident erwartungsgemäß für die im Münstertal geplante Windkraftnutzung, wobei vor allem die bisherige Vorgehensweise bei der Erkundung des Bürgerwillens in der Gemeinde und nicht zuletzt das "überwältigend klare Ergebnis von 80 Prozent" den Regierungspräsidenten beeindruckt hatten.
Bürgermeister Ahlers ließ die letzten drei Jahre in Sachen Windkraft Revue passieren. Bei der angestrebten Windkraftnutzung plädierte Ahlers für eine interkommunale Koordination, für die sich Land, Regierungspräsidium und Landkreis mit konzeptionellen Vorgaben einbringen müssten. Dem stimmte Würtenberger ohne Einschränkung zu, wobei er die Kommunen ermunterte, bei klarer Offenlage der Fakten (wie in Münstertal) schon jetzt in die planerischen Vorarbeiten einzusteigen. Seine Behörde werde den kommunalen Wünschen nicht entgegen stehen, versicherte Würtenberger. Zwar müsse das Landesplanungsgesetz abgewartet werden, doch "wo Können und Investoren da sind, sollte man keine Zeit verlieren".
Pro Windkraftnutzung äußerte sich auch der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Bayer. Windkraftanlagen seien in kürzester Zeit wieder abgebaut und entsorgt – ganz im Gegensatz zu Atomkraftwerken. CDU-Gemeinderat Karl-Wilhelm Gutmann wiederum bezeichnete sich selbst zwar nicht als Gegner, aber als Kritiker von Windkraftanlagen, denn "wir haben in Münstertal sehr gute Alternativen für einen effektiven Energiemix – auch ohne Atom und Wind", meinte Gutmann. Als Sprecher der Lokalen Agenda plädierte dagegen Architekt Lothar Wolf für die Windkraftnutzung als Teil der regionalen Wertschöpfung, wofür innerhalb der Bevölkerung eine positive Erwartungshaltung vorhanden sei und sich bereits in einer Planungsgesellschaft etabliert habe.
Wenn die Energiewende gelingen soll, dann bedarf es eines hohen Maßes an Kompromissbereitschaft. In diesem Sinne gab es eine breite Zustimmung für das Streben nach einem "interkommunalen Konsens", denn "es muss ja nicht in jeder Gemeinde ein Windrad stehen", erklärte Würtenberger zum Abschluss seines Besuchs.
Autor: Manfred Lange
