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25. Januar 2012 20:41 Uhr

Plastische Chirurgie

Klinik setzte mindestens 102 gefährliche Brustimplantate ein

Auch in Freiburg haben Frauen gefährliche Brustimplantate bekommen. 102 dieser Silikonkissen wurden in einer Klinik in der Stadt eingesetzt – soviel das Regierungspräsidium weiß.

  1. Schöner Schein: Brustimplantate als Dekoration bei einem Kongress von Plastischen Chirurgen in Freiburg Foto: Archivbild: Ingo Schneider

Mindestens 52 Frauen sind in Südbaden betroffen: 51 wurden in einer Freiburger Klinik operiert, eine andere in Konstanz. Wie viele Fälle es tatsächlich gibt, ist unklar. Zunächst schien der Skandal die Region nicht zu berühren, inzwischen weiß das Regierungspräsidium mehr. Weil es kein Register für Brustimplantate gibt, sind die Behörden auf Meldungen angewiesen. Zwar gibt es Kundenlisten, aber es meldeten sich auch Kunden, die nicht draufstehen. Nach dem Rückruf in Frankreich hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte an Dreikönig empfohlen, Implantate der Hersteller PIP und Rofil entfernen zu lassen.

Silikon trat durch winzige Löcher aus

Das hat eine 28-Jährige schon hinter sich. "Im Juli 2010 mussten sie raus", sagt sie. Dreieinhalb Jahre zuvor hatte sie in Freiburg eine Brustvergrößerung machen lassen, drei Jahre war alles gut. Dann bekam sie Fieberschübe, geschwollene Lymphknoten, schlimme Entzündungen. Die Ärzte suchten den Grund, mit Ultraschall und Kernspin, untersuchten auf Grippe, Krebs und HIV, "das war das Härteste". Schließlich wurde sie in der Uniklinik operiert, die sagt, dass sie diese Implantate selbst nie verwendet hat. Es stellte sich heraus, dass die Rofil-Kissen der Patientin winzige Löcher hatten.

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Heute ist alles wieder gut, nur bei Belastung hat die 28-jährige Altenpflegerin manchmal Schmerzen. Sie hat sich neue Implantate einsetzen lassen. "Ich würd’s auch wieder machen." Zuerst sah sie den Fehler beim Arzt. Jetzt sagt sie: "Da hat ein Arzt keine Schuld. Woher soll er das wissen, wenn der TÜV das OK gibt." Den Skandal um die Kissen mit billigem Industriesilikon, der weltweit bis zu einer halben Million Frauen betreffen soll, verfolgt sie nicht besonders. "Was mich interessieren würde: ob’s Krebs auslöst." Das ist nicht nachgewiesen.

Verunsicherte Patientinnen suchen Rat

Zuerst war nur von PIP die Rede. Die Ärzte an der Uniklinik wurden durch die 28-Jährige darauf aufmerksam, dass Rofil baugleich ist, sagt Björn Stark, Chef der Plastischen Chirurgie und der privaten Erich-Lexer-Klinik. Sein Kollege Florian Lampert schrieb darüber einen Artikel, den ein Fachmagazin ablehnte. Im Herbst stellte er den Fall auf einer Tagung vor, um Kollegen zu sensibilisieren. Auch die Lexer-Klinik hat die Implantate nie verwendet, sagt Stark. Jetzt haben sie trotzdem damit zu tun: "Wir haben relativ viele Anfragen." Es melden sich verunsicherte Patientinnen, aber auch Betroffene, die jetzt Rat in der Uniklinik suchen. Wobei Stark sagt: "Die Kollegen, die das implantiert haben, können nichts dafür." Es handele sich um eine Fälschung. "Das ist kriminell." Das Produkt war zertifiziert und zugelassen, sagt Matthias Voigt, der eine Praxis an der Bismarckallee hat. "Wenn ich mich darauf nicht verlassen kann..." Auch Voigt sagt, dass er die Implantate nie verwendet hat. Sie waren ihm zu billig.

Eine Freiburger Praxis, welche die Bild-Zeitung auf einer Karte von Beziehern der gefährlichen Implantate genannt hat, äußert sich trotz mehrfacher Anfrage nicht zu der Angelegenheit. Der Arzt verweist lediglich auf eine Stellungnahme des Ärzteverbands "Ipras". Der verurteilt den Skandal, erklärt, wie es dazu kam, und solidarisiert sich mit den Opfern.

Am Montag hat die erste Frau in Deutschland Klage eingereicht. Am Freiburger Landgericht ging noch nichts ein.



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Autor: Simone Höhl