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17. Juni 2013

Knallige Farben, kurvige Frauen

Uwe Müller-Fabian, der es versteht Missstände ästhetisch darzustellen, zeigt seine Werke im Gundelfinger Rathaus.

  1. Uwe Müller-Fabian zeigt „Strandgut und andere Bilder“ in Gundelfingen Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Nackte Schönheiten, die sich lasziv winden, gesichtslose Läuferinnen und Joggende am Strand: Kunst, wie man sie sich wünscht, ist derzeit im Gundelfinger Rathausfoyer zu sehen. Der Künstler Uwe Müller-Fabian aus Vehlefanz in der Nähe von Berlin zeigt auf Einladung des Kunstvereins Gundelfingen bis am 10. Juli einige seiner Werke unter dem Titel "Strandgut und andere Bilder". Eröffnet hat die Ausstellung Bürgermeister Reinhard Bentler.

Am deutlichsten wird das Thema bei dem überdimensionalen Bild, gleich am Anfang der Ausstellung. Dort wurden verschiedene Gegenstände in das Ölbild eingearbeitet, die scheinbar in einer Mulde, in einem Abgrund, liegen. Darüber laufen gut genährte, gesichtslose Frauen, dahinter sind das Meer und der Himmel zu sehen, wodurch das Bild seine räumliche Tiefe erhält. Das Bild ist sozusagen zweigeteilt und zeigt erholungssuchende Menschen sowie deren Hinterlassenschaften.

"Obwohl Uwe Müller-Fabian oft in seinen Bildern auch auf Missstände aufmerksam macht, bleibt die Gesamtkomposition ästhetisch ansprechend", erklärte Ulrike Bach, Vorsitzende des Gundelfinger Kunstvereins. Den zahlreich zur Vernissage erschienenen Gästen erläuterte sie einige Bilder.

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Wohl kaum hinweisen musste sie die Besucher auf die knallig-dominierenden Farben. Die Bilder scheinen aus sich heraus zu leuchten. Der Künstler spart auch nicht an nackten Frauenschönheiten. Die Strichführung ist atmosphärisch luftig, die Farben besitzen Darstellungs- und Eigenwert. Menschen und Gesichter bringt der Künstler mit schwungvollen, breiten Pinselstrichen auf die Leinwand, danach folgt die Kontur, die aufgelöst sein kann, damit Bewegungsabläufe zu erkennen sind und Spannung erzeugt wird.

Landschaften malt er in unglaublichen Farbnuancen in hellen Gelbtönen, mit grünen, roten, lilafarbenen und blauen Elementen. Der Maler gibt den Landschaften, auch den Schwarzwaldbildern, dadurch geradezu ein fast mediterranes Kolorit. "Es ist egal, was ich male", sagte Uwe Müller-Fabian am Rande der Ausstellungseröffnung, "die Farben sind mir wichtig, sie sind in mir". Für mache Bilder braucht er Jahrzehnte, bis sie fertig sind. "Sie müssen in mir entstehen." Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Ulrich Leszke am Flügel.

Uwe Müller-Fabian wurde 1947 im Schwarzwald geboren. Er studierte an der Hochschule der Künste in Berlin Werbe- und Architekturdesign, danach drei Semester Archäologie. Von 1973 bereiste er vier Jahre lang die Welt. Er war in Asien, Australien, Ozeanien, in Nord- und Südamerika, das er als blinder Passagier in Güterzügen durchquerte. Müller-Fabian verdiente sein Geld als Tellerwäscher, Seemann, Bauarbeiter, Textildesigner, Werftarbeiter und Detektiv. 1978 ließ der Künstler sich in Berlin nieder und arbeitete fortan vorwiegend in der Filmbrache als Kulissenmaler. Von 1981 an studierte er freie Malerei. Er erhielt diverse Preise, Stipendien und Werkverträge. Sein Atelier befindet sich in einem alten Bauernhof in Vehlefanz.

Hinweis: Die Werke von Uwe Müller-Fabian sind bis am 10. Juli montags bis freitags jeweils von 8 bis 16 Uhr im Rathausfoyer zu sehen oder im Internet auf der Seite: http://www.mueller-fabian.de

Autor: Andrea Steinhart