Kochstellen für Afrika

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Sa, 23. September 2017

Waldkirch

Kachelofenmeister Niklas Cybulla fliegt am Sonntag nach Burundi zu einem Kinderheim.

WALDKIRCH. Mit knapp 50 Kilo Gepäck macht sich am Wahlsonntag der Waldkircher Kachelofenbaumeister Niklas Cybulla auf den Weg nach Burundi. Eine Urlaubsreise wird das nicht, sondern eher ein Arbeitseinsatz – und vielleicht eine Abenteuerreise, das kann man vorher nicht genau wissen. Ziel ist ein Kinderheim, für das ein Küchenhaus fertiggestellt werden soll, Niklas Cybulla will dort drei Kochstellen bauen.

Eigentlich ist jetzt, im angehenden Herbst in Deutschland, gerade Hochsaison im Ofenbau und der 29-jährige Kachelofenbaumeister und Geschäftsführer in seinem Betrieb eigentlich unabkömmlich. "Aber ich hab’s schon vor zwei Jahren versprochen", erzählt er: Eine Gruppe von Handwerkern aus Baiersbronn im Nordschwarzwald unterstützt das Projekt der Hilfsorganisation "Helfende Hände". Dieser Verein, mit Sitz in Calw, betreut im christlich geprägten Burundi das staatliche Distriktskrankenhaus in Kirundu, in dem acht Ärzte mit bescheidenen Mitteln für die medizinische Versorgung von rund 800 000 Menschen sorgen, sowie ein Waisenhaus mit etwa 60 Kleinkindern auf einer 1700 Meter hoch gelegenen Hochebene nahe der Stadt Gitega. Gitega ist mit rund 23 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Burundi. Für dieses Waisenhaus war schon vor zwei Jahren ein Küchenhaus geplant worden, das konnte aber wegen politischer Unruhen im Land rund um die Präsidentschaftswahl damals nicht realisiert werden. Jetzt hätten sich die Zustände wieder stabilisiert, schätzt die Hilfsorganisation ein und gibt grünes Licht für den Einsatz vor Ort.

Niklas Cybulla als Südbadener ist dabei, weil einer der Beteiligten aus Baiersbronn, Christoph Streudinger, mit ihm auf die Berufsschule gegangen ist. Sie beide und weitere sieben Personen machen sich nun auf den Weg mit ihren Fachkenntnissen als Zimmerer, Schlosser, Elektriker und Ofenbauer und dem entsprechenden Werkzeug im Gepäck. Allerdings zum Teil anderem Werkzeug, als sie zu Hause verwenden. "Dort im Küchenhaus gibt es noch keinen Strom", erzählt Niklas Cybulla. "Ich werde die Öfen bauen müssen wie mein Großvater." Mit der Abwärme, die beim Kochen auf dem Herd entsteht, soll Wasser in einem 300-Liter-Stahltank angeheizt werden. So soll das Kochen insgesamt auch effizienter und umweltschonender werden – besser als auf rauchigen Kochstellen ohne Abzug mitten im Haus. Auch eine Zisterne ist geplant, ein Kletterturm für die Kinder und diverse Bau- und Reparaturarbeiten im Kinderheim.

Stromleitungen wurden in den vergangenen Jahren mit Hilfe von "Helfende Hände" aber immerhin schon zum Kinderheim gelegt, ebenso wie eine ein Kilometer lange Wasserleitung von einer Quelle zum Heim. Geldspenden für das Material wurden in mehreren Firmen, unter anderem in Waldkirch bei den Feierlichkeiten der Firma Cybulla zum 90-jährigen Bestehen, gesammelt. Auch die Zulieferfirmen hätten mitgemacht. Das Material wurde mit dem Schiffscontainer nach Burundi gebracht, das Küchengebäude als solches wurde durch einheimische Bauleute errichtet. Mehrere Ärzte fliegen ebenfalls mit, um in Kirundo Ärzte anzulernen und mitzupraktizieren.

Niklas Cybulla ist gespannt darauf, was ihn in Burundi erwartet. Er will sehen,wie die Menschen dort wirklich leben und freut sich, wenn er helfen kann. Ein paar Nahrungsmittel für den Eigenbedarf hat er ebenso im Gepäck wie etwas Werkzeug, aber auch Sachspenden wie Kickschuhe und einen Fußball fürs Kinderheim. Wenn er nach zwei Wochen wieder zurückkommt, wird er berichten, wie es war.