Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. Dezember 2014

Unterm Strich

Nudelmesse fürs Spaghettimonster

In Templin dürfen Pastafaris nicht mehr für Gottesdienste werben / Von Martin Herceg.

Sie verehren einen Haufen fliegende Hartweizennudeln, versprechen Biervulkane und Stripper-Fabriken im Himmel und erklären sich die globale Erderwärmung mit der abnehmenden Zahl von Piraten auf den Weltmeeren – die Satire-Religion des fliegenden Spaghettimonsters macht mit bizarren Botschaften auf sich aufmerksam, soviel steht fest. Zur Verbreitung ihrer Lehren und zur Glaubensfestigung veranstaltet die satirisch-kritische Religionsgemeinschaft außerdem an ihrem deutschen Stammsitz in Templin immer freitags einen eigenen Gottesdienst, die sogenannte Nudelmesse.

Um für diese skurrile Veranstaltung zu werben, hat die "Kirche" Ende November am Ortseingang von Templin Hinweisschilder angebracht – direkt unter den Gottesdiensthinweisen der katholischen und der evangelischen Kirche.

Mit den vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg genehmigten Tafeln machte die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters auf Gleichbehandlung von Weltanschauungen aufmerksam – und provozierte. Binnen kürzester Zeit braute sich ein monströser Religionsskandal über der sonst so beschaulichen Uckermark zusammen. Sowohl evangelische als auch katholische Würdenträger reagierten entsetzt auf die Schilder. "Das sind doch keine Gottesdienste, was die machen, das ist Zirkus", ließ Templins evangelischer Pfarrer Ralf-Günther Schein die Öffentlichkeit wissen. "Die sind missionarischer unterwegs als die katholische Kirche", unterstellte ein Sprecher des Erzbistums Berlin.

Werbung


Am Montag wurde es dann auch Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke) zu bunt. Auf seinen Befehl hin entfernte ein Trupp der Templiner Straßenmeisterei die Nudelmesse-Schilder. Die erfolgte Genehmigung für die "pietätlosen" Schilder erklärt sich Tabbert mit immenser amtlicher Schlafmützigkeit. Vielleicht hatte der zuständige Beamte aber auch einfach nur Lust auf Pasta – die Wege des fliegenden Spaghettimonsters sind schließlich unergründlich.

Autor: mhg