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10. Januar 2014 14:25 Uhr

Kolumne "Unterm Strich"

Sauschwänzlebahn: Dampflok versus Mopsfledermaus

Die Sauschwänzlebahn hat ein Problem: die Mopsfledermaus. Wegen ihr darf der Museumszug im Wutachtal – fast – nicht fahren. Das hat ein Gericht nun bestätigt – aber damit auch Fragen aufgeworfen.

  1. Die Mopsfledermaus in ihrer ganzen Pracht. Foto: dpa

Es besteht kein Zweifel: Loriot schaut hoch oben von einer Wolke herab und lacht sich ins Fäustchen. Tiere spielen in den Sketchen des 2011 verstorbenen Großmeisters des hintersinnigen Humors bekanntlich eine prominente Rolle. Aber kein Tier wurde von ihm so in den Mittelpunkt gerückt wie der Mops. "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos", philosophierte Loriot in seinem Buch mit dem für sich sprechenden Titel "Möpse und Menschen". Und schob verschmitzt nach: Der Mops vereine die Vorzüge von Kindern, Katzen, Fröschen und Mäusen.

Nun, was für den vierbeinigen Namensträger gilt, muss zweifelsohne auch für seinen fliegenden Verwandten gelten: die Mopsfledermaus. Die Vorzüge welcher Tierarten die in sich vereint, darüber hat sich Loriot nicht ausgelassen. Tatsache ist aber, dass sie selten ist. Und das führte in diesem Winter zu Verwerfungen bei einer bedeutenden regionalen Institution: der Sauschwänzlebahn.

Die 1977 reaktivierte Museumsbahn durch das Wutachtal durchquert auf ihrer Fahrt einige Tunnel. In einem von ihnen hat sich besagte Mopsfledermaus eingenistet und wohl vor, die Wintermonate dort zu verbringen. Die Untere Naturschutzbehörde des Schwarzwald-Baar-Kreises reagierte noch im Dezember und ließ die Bahnstrecke bis zum 1. April sperren, um den kleinen Flugsäugern die Winterruhe nicht zu vermiesen. Dagegen klagten die Bahnbetriebe Blumberg.

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Am Mittwoch einigte man sich vor dem Freiburger Verwaltungsgericht auf einen Vergleich: Die Bahn darf in Ausnahmefällen auch im Winter durch den Tunnel fahren, allerdings nicht mit der Dampflok – und nur ohne Passagiere. Warum ein leerer Zug den Fledermäusen weniger ausmacht als einer, der voll besetzt ist, bleibt ein Geheimnis. Vielleicht liegt es daran, dass die Fahrgäste beim Anblick der Tiere schlicht neidisch wären. Denn zumindest über den vierbeinigen Mops urteilt Loriot messerscharf: "Sie besitzen ein Antlitz, von dem auch schöne Menschen kaum zu träumen wagen."

Autor: Michael Saurer