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25. Januar 2016

Unterm Strich

Geheimdienst unterm Regenbogen

Der britische MI5 beschäftigt besonders viele Homosexuelle / Von Peter Nonnenmacher.

Ach, wie sich doch die Zeiten ändern – auch im Geheimdienstgeschäft. Die Organisation Stonewall, die sich für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt, hat den britischen Inlandsgeheimdienst MI 5 zum Arbeitgeber des Jahres ernannt. Ausgerechnet die Institution, die früher Landsleute "verdächtiger" sexueller Orientierung zu Tausenden beschattete, kann sich nun ihrer sozialen Vorreiterrolle rühmen.

Heute macht der Inlandsgeheimdienst kein Geheimnis mehr daraus, dass er Dutzende homosexuelle Mitarbeiter beschäftigt. Und dass er "Diversität" grundsätzlich für "unverzichtbar" hält – aus Fairness wie aus professionellen Gründen. Platz zwei der Stonewall-Rangliste belegt die Lloyds Bank in London. Platz drei das Parlament von Wales in Cardiff.

Bis vor 25 Jahren war Schwulen und Lesben eine Secret-Service-Karriere noch verwehrt. Bis Anfang der 90er Jahre hielten britische Regierungen Homosexuelle für besonders anfällig für Erpressung durch "den Feind". Umgekehrt erfreuten sich die Geheimdienste einer gewissen Beliebtheit bei britischen Homosexuellen – eben weil diese zu Zeiten, in denen Homosexualität als Verbrechen galt, an Geheimhaltung schon gewöhnt waren. Die Liste prominenter schwuler Geheimdienstler reicht vom Codebrecher und Weltkriegshelden Alan Turing (der nach Bekanntwerden seiner Homosexualität zu chemischer Kastration verurteilt wurde) bis zu den "Cambridge-Spionen" Guy Burgess und Anthony Blunt, die sich als Sowjet-Agenten entpuppten und nach Moskau flohen. Meist gehörten schwule Briten freilich eher zu den Beschatteten als zu den Beschattern.

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Bald schon, spekuliert man in London, werde auch bei MI 5s Schwester-Institution, beim Auslandsgeheimdienst MI 6, die Regenbogen-Fahne aufgezogen. Einem wie James Bond dürfte das einiges Umdenken abverlangen – auch wenn Daniel Craig und Javier Bardem in dem Film "Skyfall" mit einem Augenzwinkern neue Möglichkeiten eröffneten.

Autor: no