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02. August 2011

Homo-Ehe: Vorurteile bleiben

Die Homo-Ehe wird zwar in der Gesellschaft weithin akzeptiert, doch Klischees sitzen tief.

Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Seit zehn Jahren können gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Mühsam erkämpften sich seitdem Homosexuelle weitere Rechte. Doch schwul oder lesbisch zu sein, bedeutet in Deutschland leider immer noch, im Alltag Diskriminierungen und Vorurteilen ausgesetzt zu sein.

Seit August 2001 gibt es in Deutschland die eingetragene Lebenspartnerschaft – kurz Homo-Ehe genannt. Sie galt damals als ein wichtiges Reformvorhaben der rot-grünen Bundesregierung. Inzwischen gibt es in Deutschland 23 000 solcher schwuler oder lesbischer Paare. Das ist keine große Zahl. Doch die Möglichkeit für Homosexuelle, sich eheähnlich zu binden, führte dazu, dass in Deutschland andere Formen des Zusammenlebens mehr Aufmerksamkeit bekamen – und auch mehr Akzeptanz.

Doch verständlicherweise ärgerten sich damals viele Homosexuelle zunächst über dieses sogenannte Lebenspartnerschaftsgesetz: Denn es legte den gleichgeschlechtlichen Partnern vor zehn Jahren vor allem die gleichen Pflichten wie in einer Ehe auf. Die gleichen Rechte und Vorteile brachte es aber nicht mit sich. Es brauchte mutige Kläger, die die Gleichberechtigung vorantrieben. Im Laufe der Jahre baute das Bundesverfassungsgericht mit mehreren Urteilen die Unterschiede der Lebenspartnerschaft zur Ehe immer mehr ab. Heute liegen sie vor allem noch im Bereich des Steuer- und des Adoptionsrechts.

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Andere Länder wie Spanien, die Niederlande oder Südafrika sind im Verständnis um ein verändertes Familien- und Partnerschaftsbild bereits weiter. Dort erlaubt der Gesetzgeber die traditionelle Ehe auch für die homosexuellen Paare. Dass die Gleichberechtigung in Deutschland noch seine Zeit brauchen wird, zeigen die jüngsten reflexartigen Reaktionen auf den Vorschlag von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Sie sprach sich für eine komplette Gleichstellung aus und musste sich deshalb viel Kritik aus der Union anhören.

Es ist schon eigenartig: Einerseits ist Homosexualität in Deutschland längst kein Tabuthema mehr. Wir haben einen schwulen Außenminister und einen schwulen Berliner Bürgermeister. Künstler und Schauspieler präsentieren ihre gleichgeschlechtlichen Partner, und die Öffentlichkeit akzeptiert es. Keine Vorabendserie ohne Schwulen- oder Lesbenrolle. Doch jenseits der VIPs, der Fernsehshows und der Christopher-Street-Days gibt es den ganz normalen Homo-Alltag – und der ist voller wiederkehrender homo-feindlicher Vorurteile. "Schwul" ist auf Schulhöfen immer noch ein Schimpfwort. In Kantinen wird immer noch über homosexuelle Kollegen getuschelt. Das Coming Out fällt vielen Schwulen und Lesben weiterhin schwer, weil sie Mobbing oder einen Karriereknick fürchten. Das zu ändern, schafft kein Gesetz. Das schafft nur jeder selbst.

Autor: Michael Neubauer