Im Profil

Steve Bannon: Donald Trumps Strippenzieher

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Mi, 01. Februar 2017

Kommentare

IM PROFIL:Steve Bannon war Chef eines ultrakonservativen Nachrichtenportals – jetzt berät er den US-Präsidenten im Weißen Haus.

"Finsternis ist gut", hat Steve Bannon im November erklärt. "Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht. Es kann uns nur helfen, wenn sie uns missverstehen. Wenn sie blind dafür sind, wer wir sind und was wir tun." Mit "sie" waren Liberale und Fortschrittliche gemeint. Der Chefstratege des neuen US-Präsidenten hat diese Sätze dem Hollywood Reporter gesagt, als er seinen neuen Posten schon innehatte. Nach den ersten Tagen der neuen Regierung halten ihn viele für den Drahtzieher im Weißen Haus.

Der 63-Jährige nimmt selten ein Blatt vor den Mund: "Wir müssen die republikanische Partei schlagen wie eine Zicke", erklärte er 2010. Später zitierte ihn ein Reporter der Website Daily Beast: "Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich will alles zum Einsturz bringen und das komplette heutige Establishment zerstören."

Bannon ist als Chef der ultrakonservativen Website Breitbart News bekannt geworden, der Kritiker Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus vorwerfen. 2016 legte er seinen Job auf Eis und wurde zu einem der einflussreichsten Wahlkampfhelfer von Donald Trump. Konservative Medien wie das Wall Street Journal beschwichtigten nach dessen Sieg, man dürfe Bannons Kür zum Topstrategen nicht überbewerten. "Breitbart veröffentlicht widerwärtige Dinge, aber wir bezweifeln, dass die Seite die Rede zur Lage der Nation beeinflussen wird."

Doch Trump hat schon anlässlich seiner Amtseinführung eine aggressive und polarisierende Ansprache gehalten; die Politik seiner Vorgänger bezeichnete er als "amerikanisches Massaker". Es folgte eine Reihe von Erlassen, die übereinstimmenden Berichten zufolge nicht von den zuständigen Experten erarbeitet wurden, sondern großenteils von Bannon. Wichtige Ministerien umging das Weiße Haus offenbar.

Am vergangenen Samstag hob Trump seinen Vertrauensmann ins Spitzengremium des Nationalen Sicherheitsrates, an dessen Sitzungen dafür der Geheimdienstdirektor und der Vorsitzende des militärischen Generalstabs nur noch nach Bedarf teilnehmen. "Das ist absolut irre", stöhnte die ehemalige Sicherheitsberaterin Susan Rice. Der republikanische Vorsitzende des Militärausschusses im Senat, John McCain, nannte Bannons Berufung eine "radikale Abkehr" von aller historischer Praxis.

Stephen Kevin "Steve" Bannon wurde am 27. November 1953 in Norfolk im Bundesstaat Virginia geboren. Er entstammt einer Arbeiterfamilie mit irisch-katholischen Wurzeln, seine Eltern waren Demokraten. Der Sohn erwarb an der Hochschule Virginia Tech einen Bachelor in Stadtplanung, dann an den Elite-Instituten Georgetown University und Harvard Master-Abschlüsse in National Security Studies und Betriebswirtschaft. Es folgten Jahre als Offizier bei der Navy und als Investmentbanker bei der Großbank Goldman Sachs.

1990 gründete Bannon zusammen mit Kollegen sein eigenes Finanzinstitut: Bannon & Co. war auf Investitionen im Medienbereich spezialisiert. Nach dem Verkauf und einem kurzen Abstecher zum Space- und Klimaforschungsprojekt Biosphere 2 wurde Bannon selbst Autor. Der Websiten-Betreiber Andrew Breitbart nannte ihn die Leni Riefenstahl der Tea-Party-Bewegung. Nach Breitbarts Tod übernahm Bannon den Vorsitz bei dessen Kampfmedium.

Kritiker fürchten, die jetzige Trennung von dem Portal könne ein Täuschungsmanöver sein. Man muss aber gar nicht spekulieren, um zu erfahren, wie Bannon die künftige Rolle der Presse versteht: "Die Medien sollten verlegen und gedemütigt sein und ihren Mund halten", erklärte er nach Donald Trumps Vereidigung.

2014 definierte er bei einem Auftritt im Vatikan seine ganz eigene Vorstellung von Konservatismus. Demnach war der Kapitalismus bis zum Ende des Kalten Krieges in der Lage, Kultur und Wirtschaftsinteressen der Arbeiterklasse zu vertreten, weil er auf jüdisch-christlichen Fundamenten basierte. Die fortschreitende Säkularisierung aber habe den Neoliberalismus ermöglicht, der außer seinen Eliten angeblich niemanden mehr versorgt. Die Rückkehr zu traditioneller abendländischer Religiosität soll den Kapitalismus zähmen und den radikalen Islam besiegen.