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27. Januar 2011

Unterm Strich

Die Regierung lässt grüßen

Warum man nicht alles glauben soll, was im Internet steht / Von Stefan Hupka.

Treffen sich zwei auf dem Schulhof. Sagt der eine "Grüß Gott", antwortet der andere "Salem aleikum". Was ist das? Ein interreligiöser Dialog. Wir sind auch nicht von allein darauf gekommen. Regina Ammicht Quinn hat es uns verraten. Für diejenigen, die sie nicht kennen: Sie ist "Staatsrätin für interkulturellen und interreligiösen Dialog sowie gesellschaftliche Werteentwicklung" und als solche Mitglied der Landesregierung. Übrigens schon seit fast einem Jahr. Frau Ammicht Quinn hat gestern per Pressemitteilung versichert, dass es in baden-württembergischen Schulen weiter erlaubt ist, "Grüß Gott" zu sagen. Das sei ja wohl keine Nachricht, wird mancher einwenden. Irrtum, es sind sogar zwei. Die erste lautet: Die Staatsrätin gibt es wirklich. Und die zweite: Ein erheblicher Teil der Bürger glaubt, dass man in Schulen des Landes nicht mehr "Grüß Gott" sagen darf. Und zwar nicht deshalb, weil man, Stichproben zufolge, dort sowieso nur noch "Hi" oder "Ciao", "Moin" oder "was geht, Alder?" hört. Sondern weil die Landesregierung zu Schuljahresbeginn "Grüß Gott" verboten habe – aus Rücksicht auf unsere Mitbürger muslimischen Glaubens.

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Jedenfalls wird diese Behauptung in einem im Netz kursierenden anonymen Brief einer "jungen Stuttgarter Lehrerin" erhoben, worauf allerlei patriotische Aufwallungen und Sarrazinaden folgen, und der Rat: "Ihr könnt Euch gerne in Stuttgart in den Volksschulen erkundigen."

Das ist deshalb schwierig, weil es Schulen solchen Namens in Deutschland seit 1968 nicht mehr gibt. Auch fällt auf, dass auf einer Schweizer Seite ein gleicher Text über Schweizer Schulen, verfasst von "einer jungen schweizerischen Lehrerin" steht. Das alles hielt Massen von Mailern nicht ab, der hiesigen Landesregierung christlich-abendländisch-wutbürgerlich den Marsch zu blasen. Was lehrt uns das? Vertrauen ist gut, im Internet sind Zweifel besser. Etwa, wenn demnächst einer sagt, dass ein anderer schöner deutscher Gruß verboten wird, um im Ramadan keinen zu kränken: Mahlzeit!

Autor: hup