"Antrittsgelder" für S-Bahn-Bau

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Mo, 24. Dezember 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Zweckverband Regio Nahverkehr billigt Mehrausgaben.

KREIS EMMENDINGEN. Koste es, was es wolle: Der Zweckverband Regio Freiburg hält am Projekt Breisgau-S-Bahn 2020 fest, auch wenn die Kosten dafür teilweise aus dem Ruder laufen. "Es stand die Frage im Raum, ob wir aussteigen", erklärte der Vorsitzende, Emmendingens Landrat Hanno Hurth, in der jüngsten Verbandsversammlung, "aber es ist nicht zu erwarten, dass die Baupreise sinken".

Darum hätte auch ein Aufschieben der Baumaßnahmen nichts gebracht. Und der Nutzen und Sinn sei nicht infrage gestellt, den die Elektrifizierung der bisher noch mit Dieseltriebwägen befahrenen Bahnlinien am Kaiserstuhl, im Elztal und von Neustadt nach Donaueschingen verspreche. Also genehmigte die Verbandsversammlung bei einer Gegenstimme die schon im November angefallenen Mehrausgaben von 6,7 Millionen Euro, die von der Deutschen Bahn für den teurer gewordenen Ausbau auf der Höllentalbahn West zwischen Freiburg und Titisee angefordert wurden. Das Geld kommt von den drei Verbandsmitgliedern, den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen sowie der Stadt Freiburg, die dafür wiederum höhere Zuschüsse vom Land bekommen.

Thomas Wisser, einer der beiden ZRF-Geschäftsführer und zugleich Finanzchef im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, zeigte auch bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans für 2019 auf, wohin die Reise in Sachen Bahnausbau auch weiterhin gehen wird. Es gebe überall Kostensteigerungen von 15 Prozent und beim Gleisbau lägen sie noch höher. Für alles "was nicht von der Stange kommt", müsse man auch "Antrittsgelder zahlen, dass jemand die Arbeiten bei uns macht", so Wisser.

Dass die Kosten für die Infrastruktur nicht nur an der Strecke, sondern auch an den Haltestellen steigen, liege auch an neuen Anforderungen, die in den letzten Jahren hinzugekommen seien, auch aus den Bereichen Sicherheit und Barrierefreiheit. Habe die Modernisierung der Bahnsteige in Wasenweiler und Ihringen im Jahr 1997 noch jeweils 350 000 D-Mark gekostet, so müsse man dafür heute jeweils rund 680 000 Euro veranschlagen. "Es wird teuer für uns, auch wenn Bund und Land 80 Prozent der Kosten tragen", schloss Wisser für die weitere finanzielle Beanspruchung der drei Kreise.

Vorarbeiten für Breisacher Bahn haben schon begonnen

Hanno Hurth zeigte sich überzeugt, dass auch die Elztalbahn wie geplant erneuert werde, auch wenn man in dem sich hinziehenden Planfeststellungsverfahren noch auf die Entscheidung des Eisenbahnbundesamtes warten müsse. Den auf rund acht Monate veranschlagten Ausbau erwarte man daher erst 2020.

Für die Breisacher Bahn mit ihrer Kostenexplosion von zunächst berechneten 48 auf nun über 100 Millionen Euro haben die Vorarbeiten für den Ausbau schon begonnen. Zum zehnmonatigen Ersatzverkehr mit Bussen wurde angefragt, ob man Direktbusse zwischen Breisach und Freiburg einsetzen können. Wisse erklärte dazu, dass die Busse in jedem Fall ja durch Ihringen und Wasenweiler fahren müssten. In Stoßzeiten, in denen man direkt mehrere Busse zusammen fahren lase, könne es sein, dass man auf Zwischenhalte verzichte. Aber ein regulärer Direktbus wäre ein neues Fahrangebot, das Land aber bezahle nur für den Ersatzverkehr für die ausfallenden Züge.

ZRF-Mitgeschäftsführer Uwe Schade erklärte, dass man auch die Zweifel daran teile, ob die künftigen Züge, die die Deutsche Bahn auf den Strecken einsetzen möchte, genügend Türen haben, um einen zügigen Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Ändern könne man daran aber nichts mehr, da das Land die Züge ausgeschrieben habe und die ersten ja bereits gebaut seien. Rechnerisch sollen es nicht weniger Türen als bei der Höllentalbahn sein.

Die neue Züge des Typs "Coradia" bestehen aus drei- und viergliedrigen Fahrzeugen, die je Glied eine Tür haben. Bei der geplanten Maximalbespannung mit einem drei- und zwei viergliedrigen Zügen wären dies elf Türen, damit eine mehr als bei fünf gekoppelten Dieseltriebwagen, wie sie heute auf der Breisacher Bahn fahren.

Allerdings sind die neuen Züge mit 210 Metern deutlich länger, was längere Laufwege bedeutet, zudem sollen sie ja mehr Fahrgäste aufnehmen können. Damit könnte die Türenanzahl gerade bei Hauptverkehrszeiten zu einem Engpass und einem Auslöser von Zeitverzögerungen werden. Auf der Höllentalbahn fahren derzeit Doppelstockzüge, die dadurch zwar nicht so viele Türen, aber eine kompaktere Gesamtlänge am Bahnsteig aufweisen.