"Das politische Engagement hat mein ganzes Leben geprägt"

Volker Münch

Von Volker Münch

Sa, 21. Januar 2017

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Mit 70 Jahren verabschiedet sich die Sozialdemokratin Monika Eitel aus dem Kreistag / Als frühere Stadträtin und Ortsvorsteherin macht sie allen Mut, sich zu engagieren.

MÜLLHEIM. Vor knapp 40 Jahren galt sie in der Kommunalpolitik noch als Amazone. Jetzt ging Monika Eitel (SPD) mit der Aufgabe ihres Kreistagsmandats endgültig in den kommunalpolitischen Ruhestand. Ihre ersten Gehversuche unternahm Eitel, als sie im Januar 1977 als Nachrückerin Platz am Ratstisch des Müllheimer Gemeinderat nahm.

Erste politische Erfahrungen machte die heute 70-Jährige mit 16 Jahren, als sie gemeinsam mit anderen Schülern in ihrer Heimatgemeinde Teningen eine zusätzliche Schulbusverbindung nach Emmendingen durchsetzte, woran sich Eitel mit einem Lächeln erinnert. Man könne schon sagen, sie habe damals erstmals "Blut geleckt". Endgültig geweckt wurde ihr Engagement in der Politik nach ihrer Ausbildung zur Gemeindediakonin. Ihr Beruf führte sie 1972 nach Müllheim. "Damals war ich für die Jugendarbeit im evangelischen Kirchenbezirk Müllheim und für die dortige Kirchengemeinde zuständig. Da erlebt man hautnah die Auswirkungen politischer Entscheidungen."

Als überzeugte Sozialdemokratin kandidierte sie für den Gemeinderat, verpasste den direkten Einzug und rückte 1977 für Stadtrat Rudolf Koenen nach. Zu dieser Zeit hatte sie sich wegen der Erziehung ihrer Kinder aus dem Beruf zurückgezogen. "Die ersten Jahre waren nicht einfach für mich, bis ich zum einen Einblicke in die Themen und Entscheidungsprozesse hatte, zum anderen auch meine Familie organisiert bekam." Schnell gewann sie bei ihrer Ratsarbeit die Erkenntnis: Wer sich kommunalpolitisch interessiert und engagiert, braucht oft einen langen Atem. Mit Blick auf ihre fast vier Jahrzehnte lange Tätigkeit meint sie heute: "Dieses politische Engagement hat mein ganzes Leben geprägt. Ich habe viel gelernt und dadurch auch profitiert."

1980 wurde Monika Eitel in den Hügelheimer Ortschaftsrat gewählt, 13 Jahre lang war sie später Ortsvorsteherin. Sie nahm ihre Aufgabe ernst, wurde bei manchen Mitarbeitern der Stadtverwaltung als unbequem empfunden, konnte aber viel für ihr Heimatdorf erreichen. Sie verstand es, die Dorfgemeinschaft zu fördern und die Einwohner für Aktionen zu gewinnen. "Müllheim war für mich immer ein faszinierendes Städtchen, das den Dörfern ihr Eigenleben ließ", erklärt sie.

Großen Verdienst daran hatte Altbürgermeister Hanspeter Sänger, der ihre Ratsarbeit geprägt habe. Aber: "Nicht immer ohne meinen Widerspruch." Weil sie mehr als 20 Jahre lang im Bauausschuss der Stadt saß, habe sie hautnah an der baulichen Entwicklung der Stadt teilhaben können und viel über Architektur gelernt. "Leider ist nicht alles so geworden, wie ich mir das gewünscht habe", sagt sie. "An Manchem muss halt weitergearbeitet werden." Nicht nur als ehemalige Stadträtin, sondern besonders als – jetzt ausgeschiedene – Kreisrätin könne sie nicht verstehen, wie es zur Entscheidung bei den beruflichen Schulen habe kommen können. Eitel wehrt sich gegen die Profilierungswut, die ihrer Überzeugung nach oftmals falsche Marschrichtungen vorgibt. "Mich ärgert, dass nicht zuvor die Frage gestellt wurde, was die betroffene Region wirklich braucht und dann entsprechend das Angebot optimiert", kritisiert sie das Votum der Kreistagsmehrheit.

Ehrenamtlich weiterhin in Hügelheim aktiv

Mit Blick aufs Müllheimer Umland wünscht sie sich, dass politische Kräfte besser gebündelt und positioniert werden. Das Schulthema sei eines der wenigen "schwarzen Kapitel" ihres Wirkens. Zu den positiven Erlebnissen zählt sie auf städtischer Ebene die Gründung der Stadtwerke als Beitrag zur Ökologie.

"Die politische Arbeit auf Kreisebene unterscheidet sich sehr von der Arbeit im Gemeinderat oder im Ortschaftsrat", sagt Monika Eitel. So werde in den Ortsgremien jedes Mitglied umfassend informiert, im Kreistag gelte das nur für den jeweiligen Ausschuss, in dem man mitwirke. Über andere Themen erfahre man nur etwas über die Fraktionskollegen. "Es geht dort gar nicht, sämtliche Themen bis ins letzte Detail zu verfolgen", sagt Eitel.

Und die Rolle der Frauen in der Kommunalpolitik? "Es ist gut, dass Frauen in den Gremien heute eine Selbstverständlichkeit sind", sagt Eitel. Als sie politisch aktiv wurde, seien Frauen nur sehr selten in Ratsgremien zu finden gewesen. Allerdings: "Es wird immer schwieriger, Frauen für eine Kandidatur zu gewinnen", weiß Eitel. "Ich finde es wichtig, dass sich Menschen für ihre Kommunen verantwortlich fühlen und sich engagieren."

Wenn in Familien beide Elternteile berufstätig sind und Kinder ihre Aufmerksamkeit brauchen, sei es schwierig, politische Herausforderungen anzunehmen. "Ich möchte allen Mut machen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Man gibt nicht nur, sondern man erlebt dabei auch viel Positives und Wertvolles für das eigene Leben." Ganz in den Ruhestand begibt sie sich übrigens nicht: Zwar wird Monika Eitel keine Gremienarbeit mehr leisten, sie will aber den ehrenamtlichen Arbeitskreisen in Hügelheim treu bleiben.