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08. September 2009

Die ganze Vielfalt der Zwetschgen

Beim Zwetschgenfest im Lehr- und Versuchsgarten des Landkreises nutzten zahlreiche Besucher die Informationsmöglichkeiten

  1. Stefanie Lapcik, Obstbauberaterin des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, beim Zwetschgenfest im Lehr-und Versuchsgarten in Freiburg-Opfingen Foto: Silvia Faller

FREIBURG/LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Reiz. Der Herbst ist die Zeit des Zwetschgenkuchens, meint man. In Wahrheit gibt es Zwetschgen schon im Frühsommer. Beim Erzeugergroßmarkt Südbaden (Egro) mit Sitz in Vogtsburg-Oberrotweil waren bereits am 20. Juni die ersten Zwetschgen der frühen Sorte "Ruth Gerstetter" angeliefert worden. In diesen Tagen reifen jedoch Zwetschgen der Sorten "Elena" und "Presenta", auch im Lehr- und Versuchsgarten für Obstbau des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald in Opfingen.

Die Gelegenheit, Exemplare der über 80 verschiedenen Zwetschgensorten dort zu besichtigen, nutzten beim Zwetschgenfest des Lehr- und Versuchsgartens am Sonntag viele hundert Besucher. Gekommen waren Erzeuger aus den drei Kreisen Ortenau, Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach, um sich bei Führungen durch Egro-Berater Hubert Schneider über die neuesten Trends und die Eigenschaften verschiedener Sorten zu informieren. Wer Zwetschgen für die Vermarktung anbaut, muss Sorten wählen, deren Früchte einen Durchmesser von bemerkenswerten 35 Millimetern erreichen. Das schaffen beispielsweise die Sorten "Hanita", "Hanka" und "President" ohne weiteres. Zwetschgen der Sorte "Top Gigant Plus" liegen noch darüber, sie eignen sich jedoch nur für Betriebe, die ihren Obstertrag selbst vermarkten, denn sie reifen sehr ungleichmäßig.

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Entscheidend ist auch, dass die Sorten unempfindlich gegen ein Virus sind, das den Zwetschgenerzeugern in ganz Europa zu schaffen macht und dafür gesorgt hat, dass auch in Südbaden herkömmliche Sorten wie die "Hauszwetsche" nahezu verschwunden sind. Dieses Virus – die Erzeuger sprechen vom Scharkavirus – kam vor 40 Jahren nach Deutschland und wird durch Blattläuse übertragen. Die Blätter befallener Bäume zeigen helle Ringe und Flecken, die Früchte linien- oder pockenförmige Einsenkungen. Das Fruchtfleisch ist rötlich verfärbt und entwickelt kein Aroma. Angesichts eines Schadens von zehn Milliarden Euro weltweit in den vergangenen zehn Jahren zählt es zu vorrangigen Zielen der Züchter, resistente oder zumindest unempfindliche Sorten zu entwickeln, wobei es auch darum geht, das Reifespektrum auszuweiten und geschmacklich bessere Zwetschgen zu erzielen. Denn so manche Neuzüchtung ist hierbei den alten Sorten unterlegen.

Favoriten sind Sorten, die gegen Krankheiten widerstandsfähig sind
Nach der sehr schlechten Ernte im vergangenen Jahr, als es zur Blütezeit kalt und regnerisch war, können die südbadischen Erzeuger 2009 eine gute Ernte erwarten. Hubert Schneider rechnet mit einer Anlieferungsmenge in Vogtsburg von 4500 Tonnen, was den langjährigen Durchschnitt etwas übersteigt. Weil in anderen Anbaugebieten, in Mittelbaden und in Rheinland-Pfalz beispielsweise, Rekordernten an den Bäumen heranwachsen, sind die Erlöse jedoch relativ niedrig.

Zwetschgensorten, die widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge sind, sind auch für Hobbygärtner interessant. Denn wer will schon das Obst, das er selbst pflegt, erntet und verzehrt, mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandeln? So gab es in Opfingen viele verschiedene Sorten zu probieren, als frisch gepflücktes Obst oder auch in Form von Saft. Damit könnte sich ein wirtschaftlich interessanter Absatzweg für Zwetschgen von Streuobstwiesen eröffnen, erklärt Stefanie Lapcik, die seit Januar den Lehr- und Versuchsgarten leitet. Eingebunden ist die Einrichtung dafür in das Interreg-Programm "Erhaltung traditioneller Obstsorten", wobei beiderseits des Rheins speziell Zwetschgensorten gesichtet und beschrieben werden und Möglichkeiten gesucht werden, die Früchte wirtschaftlich zu nutzen, wie das auch schon bei Äpfeln und Birnen gelungen ist.

Öffnungszeiten: Interessierte können während der Obst-Verkaufszeiten Fragen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen: montags und mittwochs 13 bis 16 Uhr und freitags 10 bis 13 Uhr.

Weitere Infos unterwww.versuchsgarten-opfingen.de

Autor: Silvia Faller