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30. Juni 2009

"Ein Landwirtschaftsbetrieb muss heute ständig wachsen"

BZ-INTERVIEW mit Michael Fröhlin, dem Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (AG) Junger Bauern, über die Zukunft der Landwirtschaft.

BUGGINGEN/FREIBURG. Den Aussiedlerhof bauten sein Großvater und sein Vater im Jahr 1969. Michael Fröhlin, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (AG) Junger Bauern, ist froh darüber. "Hier draußen konnte sich unser Betrieb gut entwickeln", sagt er im Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Silvia Faller. Zusammen mit seinen Eltern betreibt der 29-jährige Landwirtschaftsmeister Schweinezucht, Ackerbau und Weinbau, und das mit Freude und Zuversicht. Bei der Mitgliederversammlung der AG jüngst im Freiburger Haus der Bauern wurde er in seinem Amt bestätigt.

BZ: Herr Fröhlin, die Landwirte sind mal wieder ins Gerede gekommen. Wie geht es Ihnen in der Debatte um die EU-Beihilfen?

Fröhlin: Es ist in Ordnung, dass über das Fördersystem und seine Ausgestaltung diskutiert wird. Mich ärgert jedoch, dass einzelne sehr hohe Beträge herausgegriffen werden, um gegen die Landwirte Stimmung zu machen. Abgesehen davon vermisse ich eine Darstellung der Wertschöpfung, die mit unseren Erzeugnissen auf dem Weg zum Verbraucher erwirtschaftet wird. Die Lebensmittelindustrie, das Nahrungsmittelhandwerk und der Einzelhandel sind bedeutende Branchen. Nun gelten wir halt mal wieder als Subventionsempfänger.

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BZ: Als was sehen Sie sich selbst?

Fröhlin: Als Erzeuger von Nahrungsmitteln. Das ist eine sehr anstrengende, aber auch erfüllende Aufgabe.

BZ: Sehen Sie noch Perspektiven darin?

Fröhlin: Ja klar, die Leute müssen immer essen. Heute geht es allerdings nicht mehr darum, dass die Menschen satt werden, sondern darum, dass sie im Spektrum der vielen Angebote aus aller Welt hochwertige und gesunde Nahrungsmittel finden. Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Nachfrage nach solchen Erzeugnissen noch wachsen wird. Es gibt viele Beispiele, dass Betriebe oder Erzeugergemeinschaften mit solchen Produkten und einem zeitgemäßen, auf die regionale Herkunft bezogenen Marketing erfolgreich wirtschaften.

BZ: Warum nimmt die Zahl der Betriebe auch in unserer Region dennoch laufend ab?

Fröhlin: Die Preise für Agrarprodukte sind stets unter Druck, weil die Discounter den Verbrauchermarkt dominieren. Die Ausgaben für Betriebsmittel und die Lebenshaltung sind jedoch der allgemeinen Teuerung unterworfen. Zusätzlich treiben Vorschriften zum Schutz der Umwelt, der Tiere und für die Lebensmittelsicherheit die Herstellungskosten in die Höhe. Ich stelle diese Gesetze nicht in Frage, sie bewirken jedoch erhebliche Wettbewerbsnachteile. Wer als Landwirt sein Auskommen erwirtschaften will, muss ständig wachsen. Wenn das nicht geht, muss ein Betrieb die Wertschöpfung erhöhen, etwa durch den Anbau von Sonderkulturen wie Spargel oder Obst oder durch Direktvermarktung. Und wer auch das nicht kann oder will, geht in den Nebenerwerb. Dieser Strukturwandel hat die unterschiedlichsten Betriebsformen und -größen hervorgebracht. Jeder muss unter unternehmerischen Gesichtspunkten abwägen, was zu ihm passt und seinen Weg gehen. Es ist ein wichtiges Ziel der Arbeitsgemeinschaft, das Bewusstsein dafür zu stärken.

BZ: Können Sie das konkretisieren?

Fröhlin: Wir richten Fachvorträge, Seminare und Diskussionsforen aus und veranstalten Lehrfahrten. Wir setzen uns auch dafür ein, dass die Weiterbildungsangebote im landwirtschaftlichen Bildungszentrum Hochburg ausgeweitet werden.

BZ: Meinen Sie, dass sich die südbadischen Betriebe behaupten können?

Fröhlin: Sie müssen. Wir Ackerbaubetriebe hier im Rheintal verlieren ja jetzt schon jährlich Beihilfeanteile, weil die Mittel, die zur Verfügung stehen, Schritt für Schritt dorthin umgelenkt werden, wo es um Umwelt- oder Landschaftsschutzziele geht, etwa um die Offenhaltung der Wiesen im Hochschwarzwald.

BZ: Was ist Ihr Weg in die Zukunft?

Fröhlin: Ich kooperiere heute schon mit Kollegen, um die Maschinenkosten zu senken. Was die Schweinehaltung, unseren Hauptbetriebszweig angeht, sind wir bestrebt, die Fleischqualität weiter zu verbessern. Die Verbraucher und damit auch die Metzgereibetriebe sind schon bereit, einen angemessenen Preis zu bezahlen, die Qualität muss jedoch stimmen. Bei Schweinen ist das eine Frage der artgerechten Haltung und schonenden Behandlung, und zwar von der Geburt bis zu dem Tag, an dem ich sie als Schlachttiere zum Fleischer bringe. Und natürlich muss das Futter von hoher Qualität sein.

AG junger Bauern

AG junger Bauern

Die Arbeitsgemeinschaft Junger Bauern ist eine Fachgruppe unter dem Dach der Badischen Landjugend. Sie ist im Bereich zwischen Bodensee, Hochschwarzwald und Rheintal aktiv und ist zusammen mit dem Weinbau- und agrarpolitischen Arbeitskreis Träger eines Weiterbildungsprogramms. Neben Michael Fröhlin zählt der Vorstand drei weitere Mitglieder: Hans Schmeh aus Überlingen, Michael Paulus aus Rheinau-Freistett und neu Katrin Homberg aus Gutach im Kinzigtal. Informationen gibt es bei der Geschäftstelle der Landjugend im Freiburger Haus der Bauern, Telefon 0761/2713333, http://www.landjugend.de/suedbaden  

Autor: sf

Autor: sf