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29. Oktober 2015

Ein Trick für den Takt

Vertreter von Bahn, Verkehrsministerium und Politik informieren sich in Sachen Rheintalbahn.

BUGGINGEN. Ob auf der Hauptstrecke Freiburg-Basel oder den Nebenlinien nach Frankreich oder ins Münstertal: In den Hauptverkehrszeiten sind die Züge in der Region voll. Um die Lage zu entspannen, bräuchte es mehr Züge, mehr Verbindungen. Doch das schien auf der überlasteten und verspätungsgeplagten Rheintalstrecke bisher kaum möglich. Bei einem Treffen von Bürgermeistern der Region mit Vertretern von Bahn, Verkehrsministerium und Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg wurden Lösungsmöglichkeiten für dieses und andere Probleme erörtert.

Mehr Züge sollen "mitschwimmen"
Der Vertreter der Nahverkehrsgesellschaft, Heiko Focken, war sich sicher, dass das bestehende Netz weiter ausgereizt werden kann. Im neuen Fahrplan, so kündigte er an, würden Nahverkehrszüge in bestehenden Lücken zwischen Güterzügen "mitschwimmen". Erläuterungen, wie das geschehen soll und warum das bisher nicht möglich war, gab er nicht. Dieser Trick sei eine Kompromisslösung, bis die neue Rheintalbahn in Betrieb gehe, sagte er auf dem Termin, zu dem Bundestagsmitglied Armin Schuster und Landtagsabgeordneter Patrick Rapp (beide CDU) eingeladen hatten. Eine Ankündigung, die Buggingens Bürgermeister Johannes Ackermann gerne hören wird. Er hatte sich dafür eingesetzt, dass Nahverkehrszüge künftig stündlich in kleineren Gemeinden entlang der Strecke halten. Das Verkehrsministerium in Stuttgart würde dem Wunsch Ackermanns gerne nachkommen. Insbesondere im Freiburger Becken würde das Land gerne deutlich mehr Angebote machen, sagte die stellvertretende Leiterin der Abteilung Verkehr, Beate Schuler.

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Leiser, aber langsamer
Andere Angebote dagegen sind schon jetzt ein Erfolgsmodell – wie die Münstertalbahn, die seit der Elektrifizierung ihre Fahrgastzahlen nahezu verdoppelt hat. Den Anwohnern der Strecke, die die Bahn als zu laut empfänden, werde man versuchen entgegenzukommen, sagte Focken. Im neuen Fahrplan würden Puffer eingebaut, so dass früh morgens und spät abends in bewohnten Gebieten langsamer gefahren werden kann.

Der Blauwal bleibt
Eine Bestandszusage für den sogenannten Blauwal, die Verbindung nach Mulhouse über den Rhein, bekam Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster. Eine Unterstützung bei der Bahnanbindung des Euroairports durch das Land Baden-Württemberg sei allerdings aktuell nicht geplant, sagte Beate Schuler. Positiv sei zu vermerken, dass sich im Moment eine schweizerisch-französische Initiative gebildet habe, die versuche, den Bahnanschluss mit Mitteln aus dem europäischen Interreg-Fond zu realisieren.

Gefahrengut in Efringen-Kirchen
Ohne konkrete Zusagen musste Efringen-Kirchens Bürgermeister Philipp Schmid nach Hause fahren. Er berichtete davon, dass es auf dem Bahnhof der Gemeinde, wie auf der Autobahn vor dem Schweizer Zoll, nachts immer wieder zu Staus komme. Gefahrguttransporter stünden mitten im Ort und störten mit lauten Geräuschen ihrer Aggregate die Anwohner. Zudem seien die Inhaltsstoffe in den Waggons der örtlichen Feuerwehr meist nicht bekannt; er befürchte Schlimmes, sollte es einmal zu einem Leck oder einem Brand kommen. Diese Situation habe die Schweiz zu verantworten, so Sven Hantel, Konzernbeauftragter der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg. Wenn die Schweizer Seite nicht rasch genug abfertige, sei der Warteraum für Güterzüge in Weil am Rhein rasch erschöpft. Dann werde auf die nächstgelegenen Bahnhöfe als Abstellmöglichkeit ausgewichen.

Anwohner weiter nördlich könnten sich über mehr Ruhe bei Tag und Nacht erfreuen: Seit Inbetriebnahme des Katzenbergtunnels sei die Zahl der Güterzüge auf der Altstrecke von 112 auf 17 Züge pro Tag gesunken.

Autor: Rainer Ruther