Eine "Gränze" mit vielen Steinen

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Fr, 08. Dezember 2017

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Ausstellung im Landratsamt zeigt, wie die Rheingrenze vor 200 Jahren vermessen wurde.

FREIBURG. Die deutsch-französische Grenze zwischen Baden und dem Elsass bildet der Rhein. Diese einfache Tatsache hat eine komplizierte Geschichte. Denn als diese Grenze einst festgelegt wurde, floss der Rhein noch so, wie er wollte, und das war nach jedem größeren Hochwasser anders als zuvor. Die für die Schifffahrt genutzte Hauptrinne, der Talweg, war nicht unveränderlich und taugte deshalb nicht als Grenzlinie, als die er 1815 politisch eigentlich festgelegt worden war. Diesem Wildwuchs rückten, noch vor Tullas Rheinbegradigung, Vermessungsingenieure zuleibe – vor genau 200 Jahren. Wie einst versucht wurde, die "Rheingränze" festzulegen, das zeigt nun eine Ausstellung im Landratsamt.

Vor über einem Jahr war es, da stieß Manfred Laubel auf Unterlagen zu einer badisch-französischen Kommission, die am 2. Juni des Jahres 1817 in Basel – also auf neutralem Schweizer Boden – ihre erste Sitzung abhielt, um über eine Rheingrenzvermessung zu beraten. Der Vermessungsbeamte im Rastatter Landratsamt suchte Kontakt zu Kollegen und so kam schnell die Idee auf, für das nahende 200-jährige Jubiläum eine Ausstellung zu organisieren. Seit dem mit einem Festakt in Offenburg begangenen Jahrestag tourt sie durch die fünf heutigen Landkreise entlang dieser Grenze. Freiburg ist nun, bis 15. Dezember, ihre letzte Station.

Auf Stellwänden mit historischen Karten ist vergrößert der damalige schlingenreiche Rheinverlauf im heutigen Kreisgebiet zu sehen. Dazu gibt es Bilder alter Vermessungssteine und sogar einen originalen Theodolith, wie er zu Vermessungen verwendet wurde. Ein Film erläutert die Geschichte der Grenzvermessung und zeigt auch, wie sich das Vermessungswesen bis heute, mit Satelliten- und Lasertechnik, weiterentwickelt hat.

Als sich vor 200 Jahren in Basel die Runde namens "Rheingrenzberichtigungskommission" erstmals traf, konnte sie auch auf ältere Vermessungsunterlagen zurückgreifen. Denn bis 1789, dem Jahr der Revolution, hatte Frankreich schon einmal eine Grenzfestlegung vorgenommen, mit sage und schreibe 1280 Grenzpunkten. Dies nach ihrem Chefplaner benannte "Ligne Noblat" sollte nun vereinfacht werden, zu einer letztlich nur noch 120 Grenzpunkte von Weil am Rhein im Süden bis Au am Rhein im Norden zählenden Banngrenze. Zwischen zwei dieser Grenzpunkte verlief sie jeweils als schnurgerade Linie. Das bedeutete aber zweierlei: Einmal mussten diese neuen Grenzmarken ausgemessen, kartiert und vor Ort mit Steinen markiert werden. Zum Anderen – und das erwies sich als der schwierigere Part – war zu regeln, wie mit den an der Ligne Noblat Gemarkungen der Gemeinden links und rechts des Rheins umzugehen sei, die ja nun, durch diese Begradigung, häufig beschnitten wurden.

Die ganze Arbeit zog sich bis zum Jahre 1840 hin. Dann standen überall die Grenzsteine und auch sogenannte Rückmarken. Diese Steine, auf vor jedem Hochwasser sicheren Land, zeigen die Entfernung zu den Grenzsteinen und zugleich zu den auf der gleichen Vermessungslinie liegenden festen Landmarken an, bevorzugt Kirchtürmen. Mit diesem Netz an Punkten war jederzeit ein Grenzpunkt wieder exakt im Gelände auszumachen, selbst wenn ein Grenzstein von einem Hochwasser oder Diebeshand geraubt worden wäre.

In den Vermessungslisten finden sich auch akribische Zeichnungen dieser Landmarken. Diese Bilder sind auch eine Fundgrube für den Denkmalschutz, sagte Hubert Merkel vom Fachbereich Vermessung des Landratsamtes bei der Eröffnung der Ausstellung durch Landrätin Dorothea Störr-Ritter.

Als ab 1840 die Rheinbegradigung begann, änderte sich die Lage: Danach wurde die Mitte des nun festen Stromes zur Grenze. Wieder wurden Gemeindebanne durchschnitten. Einzelne Stücke elsässischer Gemeinden, die rechts der nun "echten" Rheingrenze zu liegen kamen, blieben diesen erhalten. Badisches Gemeindeland links des Rheins ging dagegen nach dem Ersten Weltkrieg verloren.

Info: Ausstellung "200 Jahre Rheingrenzvermessung" im Landratsamt, Stadtstraße 3 in Freiburg, bis zum 15. Dezember