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06. Juli 2013

Eine himmlische Formation

Am Flugplatz in Bremgarten startet ein Fliegertrio mit extrem leichten Maschinen und lässt Zuschauer staunen.

  1. Perfekt aufeinander abgestimmt ziehen die Ultraleichtflugzeuge vom Typ Ikarus C-42 den Rauch hinter sich her. Foto: Jürgen Schelling

  2. Die Grasshoppers (von links): Erik van den Dolder, Heinz Korella und Dennis Piroschinski Foto: Jürgen Schelling

ESCHBACH. Die drei identischen Maschinen auf dem Flugplatz Bremgarten in Eschbach bei Bad Krozingen scheinen auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches an sich zu haben. Es sind Ultraleichtflugzeuge vom Typ Ikarus C-42, jedes mit etwa 280 Kilogramm Leergewicht. Wenn Heinz Korella, Dennis Piroschinski und Erik van den Dolder mit ihren drei Flugzeugen aber Figuren an den Himmel malen, verzaubern sie damit die Zuschauer am Boden.

Heinz Korella ist schon von Berufs wegen eng mit der Fliegerei verbunden: Als Fluglehrer und Pilot, dazu noch als Ingenieur mit eigenem Wartungsbetrieb für Ultraleichtflugzeuge am Flugplatz Bremgarten, lebt er von und für die Luftfahrt. Rund 7000 Stunden hat der 52-Jährige bereits als Pilot in der Luft verbracht, und dieses fundierte Wissen gibt er sowohl als Fluglehrer als auch bei Safety Trainings an andere Piloten weiter.

Kein Wunder also, dass seine beiden Formationsflugkollegen ehemalige Schüler von ihm sind. Beide haben bei Heinz Korella die Ultraleichtfluglizenz erworben, Erik van den Dolder fliegt seit 2008 und hat seither etwa 300 Flugstunden gesammelt, Dennis Piroschinski absolvierte seine Flugausbildung 2004 und kommt auf 350 Flugstunden.

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Irgendwann kamen sie bei einem Gespräch auf die Idee, dass man doch einmal Formationsflug ausprobieren könnte. "Wir haben eine Herausforderung gesucht, schließlich kann man nicht immer nur geradeaus fliegen", betonen die drei. Formationsflug beinhaltet allerdings keinen Kunstflug, denn der ist mit den maximal 472 Kilogramm schweren Ultraleichtflugzeugen verboten. Aber schöne Figuren an den Himmel zaubern, das ist das Ziel. Im Oktober 2011 gründete das Trio dann die "GrassHoppers".

Da alle drei den gleichen Flugzeugtyp fliegen, wirkt die Formation optisch sehr homogen. Trainiert wird im Sommer bis zu zweimal in der Woche am Flugplatz Bremgarten. Ist es windstill, wird möglichst nah beieinander geflogen, bei böigem Wetter halten die drei windempfindlichen Leichtflugzeuge mehr Abstand zueinander. Der 48-jährige Erik van den Dolder ist der Leader, also derjenige, der zuvorderst fliegt. Das hat aber nicht unbedingt mit der fliegerischen Erfahrung zu tun, sondern seine Maschine ist mit 80 PS am schwächsten motorisiert. Heinz Korella und Dennis Piroschinski, die "Wingmen", können dank ihrer 20 PS Mehrleistung nach einer Formationsänderung rascher zum Leader aufschließen.

Zur Flugvorführung gehören Figuren und Übergänge wie Dreieck-Formation, Linienbreak, Split Break oder Leiter. Zudem wird auch in Formation gelandet, wenn die Landebahn breit genug ist. Und sogar für das Abstellen haben die drei Piloten eine publikumswirksame Kür einstudiert. Geflogen wird normalerweise in 500 Fuß über Grund, das sind etwa 150 Meter über dem Erdboden. So können die Zuschauer die relativ kleinen Flugzeuge gut erkennen, und die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe wird eingehalten. Während ihrer Vorführung stehen die Piloten per Funk in Kontakt.

Damit die Formation dramatischer erscheint, haben alle drei eine sogenannte Smoke-Anlage in ihre C-42 eingebaut: Diese erzeugt umweltverträglichen Rauch, so dass die Figuren vom Boden aus besser zu sehen sind. Das Mittel zur Raucherzeugung ist deutlich teurer als der Treibstoff. Alle drei Maschinen sind umweltfreundlich unterwegs. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei zwölf Liter Autotreibstoff in der Stunde. Da die C-42 damit etwa 160 Kilometer weit kommt, entspricht der Spritkonsum dem eines Kleinwagens. Für eine gut zehnminütige Vorführung werden gerade mal etwa acht Liter Benzin verfeuert, betont Korella. Und zwar nicht pro Flugzeug, sondern für alle drei zusammen. Zudem sind die C-42 flüsterleise, was an lärmsensiblen Plätzen ein Vorteil ist.

Die Piloten wollen das Potenzial zeigen, das in ihren Flugzeugen steckt. Formationsflug mit Militärjets oder schweren Propellermaschinen gibt es oft, als Ultraleichtflug-Formation besitzen die Grasshoppers aber Exotenstatus.

Am Flugplatz Ettenheim und auf Fluggeländen in Baden, aber auch bei einer Airshow in Bitburg sind sie bereits geflogen. Eine weitere Vorführung ist beim Flugtag Hütten-Hotzenwald im September geplant. Überzeugen können sich aber auch Spaziergänger rings um den Flugplatz in Bremgarten, die den Fliegern beim Training in den Abendstunden zuschauen.

Infos zu den Auftritten der Flieger: http://mehr.bz/grasshoppers

Autor: Jürgen Schelling