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18. März 2017

Europäische Geschichtsstunde – ganz multimedial

Der Landesverband der Europa-Union lädt zusammen mit dem Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald ins Kurhaus Bad Krozingen.

  1. Die Europa-Union wirbt für den Zusammenhalt. Foto: Susanne Müller

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Nächste Woche pilgert Evelyne Gebhardt nach Rom. In der Ewigen Stadt wird die Vizepräsidentin des EU-Parlaments den europäischen Geist beschwören, und dabei dessen Geburtsstunde vor 60 Jahren feiern – 1957: Die Römischen Verträge, die die Basis bildeten für etwas, das der Diplom-Politologe Ingo Espenschied als "eine der größten Errungenschaften der Menschheit" bezeichnet – die Europäische Union.

Vielleicht klingt in Evelyne Gebhardts Ohr dann noch der Sturmgalopp nach oder der Götterfunke, den das Bläsertrio ihr vergangene Woche im Kursaal in Bad Krozingen mit auf den Weg gab. Ganz sicher wird sie sich eine königsblaue Sicherheitsnadel ans Revers heften. Mit diesem Symbol wirbt die Europa Union derzeit für den Zusammenhalt der 27 Staaten, für Frieden, für Freiheit, Toleranz untereinander und für Wohlstand sowie gegen Fremdenfeindlichkeit. Doch mit einer blauen Sicherheitsnadel ist es noch nicht getan. Das wurde deutlich bei den Fragen aus den Reihen der knapp 100 Zuhörer, mehrheitlich glühende Europäer, die in ihrer Jugend noch mit Passkontrollen und Warendeklaration beim Grenzübertritt konfrontiert waren.

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Wie weit geht die Freizügigkeit? Und wie geht ein Abgeordneter im EU-Parlament eigentlich um mit Populisten vom Schlage eines Viktor Orban? Das wollte ein Diskussionsteilnehmer wissen, "die haben doch mit der EU nichts mehr zu tun, wollen doch nur die Subventionen." Über Kürzungen gelte es durchaus nachzudenken, antwortete Gebhardt und riet im gleichen Atemzug zum Dialog: "Stärken statt spalten, Chancen suchen statt Strafen", lautet ihr Credo. Das könne klappen, "wir können etwas verändern", versicherte sie, und führte exemplarisch das Wahlergebnis in den Niederlanden an oder das Votum für Donald Tusk. "Da verändert sich gerade was."

Soweit gut, meinte ein anderer Fragesteller, doch wie steht es mit der Transparenz den 500 Millionen EU-Bürgern gegenüber? Und kennt einer überhaupt die Arbeit der vielen unterschiedlichen Organisationen in der Region? Fehlt es da nicht am Marketing? Das ist das Stichwort für Ingo Espenschied. Als Kenner der europäischen Historie hat er ein Vortrags-Format, das Dokulive-Format, erfunden, spannend, informativ – eine Art multimediale Geschichtsstunde, mit der er nach eigenem Bekunden schon mehr als 100 000 Zuschauer europaweit begeistern konnte. Im Kursaal jedenfalls sprang der Funke aufs Publikum über. Bleibt offen, ob das bei der Schulklasse, die an diesem Abend doch nicht gekommen war, auch geklappt hätte. Oder ob Europa für die Jungen nicht ganz einfach eine Selbstverständlichkeit ist, wie Oliver Rein, Bürgermeister Breisachs, es formulierte. Rein war neben Evelyne Gebhardt und Landrätin Dorothea Störr-Ritter der Dritte im Bunde der Podiumsdiskussion und plädierte für mehr Selbstvertrauen. "Wir sollten stolz sein, auf das, was wir erreicht haben – Frieden, Sicherheit, Demokratie, gemeinsamer Handel." Allzu viel Dominanz sollte es jedoch auch nicht sein, zumindest nicht auf deutscher Seite. Diese Warnung kam von einem der wenigen jüngeren Besucher. Er, Franzose mit italienischen Wurzeln, Wohnsitz in Freiburg und Job in Frankreich, meinte: "Ich glaube manche Länder haben das Gefühl, dass es ein deutsches Europa ist, und die deutsche Version lautet: Sparen. Ich denke, darauf kann man nicht bauen."

Weitere Infos gibt es im Internet unter: http://www.europa-union.de und unter http://www.dokulive.eu

Autor: Susanne Müller