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21. Oktober 2010
Freie Sicht vom Galgenbühl
Blick auf das gut 40 Meter hohe Ravennaviadukt im Höllental / Neuer Holzpavillon.
BREITNAU. Das Höllental ist um ein attraktives Ziel reicher. Vom abgeholzten Galgenbühl aus bietet sich ein Blick über das gesamte Höllental und die nahe gelegene Ravennabrücke. Mit der Fertigstellung eines kleinen Pavillons ist die markante, 30 Meter hohe Erhebung am Eingang zur Ravennaschlucht ein Anziehungspunkt für Wanderer auf dem Heimatpfad Hochschwarzwald.
Noch im vorletzten Jahrhundert bot sich Gästen des Hotels "Sternen" ein schaurig-schöner Anblick. Von ihren Zimmern aus konnten sie den damals unbewaldeten Galgenhügel sehen. Nach Angaben von Historikern wurden dort einst Todesurteile am Galgen vollstreckt. Das letzte Hochgericht des Sickingergeschlechts soll Mitte des 18. Jahrhundert getagt haben. Opfer war wohl eine Magd aus Breitnau. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts weideten Rinder, Schafe und Ziegen an den steilen Hängen. Ganz oben stand ein kleiner Pavillon. Dies belegen alte Postkarten.Anfang der 50er Jahre wurde der Bergkegel mit Douglasien und Fichten aufgeforstet. In den vergangenen Jahrzehnten erreichten die Bäume eine stattliche Dimension und veränderten das Landschaftsbild. Der Blick auf das gut 40 Meter hohe Ravennaviadukt war deutlich eingeengt. Dies hat sich jetzt wieder geändert.
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Dies galt auch für die Bahnreisenden im "Höllentäler". Einer der alten Brückköpfe des ursprünglichen Ravennaviadukts wurde ebenfalls vom Gehölz befreit. Damit ist auch ein Stück Eisenbahngeschichte wieder sichtbar, was insbesondere Jens Reichelt, Vorsitzender der IG Dreiseenbahn, freut. Seine Vision: Foto-Shootings mit historischen Dampfzügen auf der Ravennabrücke.
Auch die Gemeinde Breitnau und der Verein Heimatpfad Hochschwarzwald begrüßten die Planung. Vom Galgenbühl aus bietet sich ein herrlicher Blick in die Tiefe auf das Freilichtmuseum mit der St. Oswald-Kapelle, 1146 vom Bischof von Konstanz geweiht und Ursprung der Gemeinden Breitnau und Hinterzarten, das daneben gelegene ehemalige Zollhaus und das Hofgut "Sternen" mit Glasbläserei. Im Westen ist der steile Pikettfelsen zu sehen, im Osten das ausgehende Löffeltal, wo sich eine historische Seilerei sowie Sägenmühlen befinden.
Die Aktion nahm einige Monate in Anspruch. Als Karl-Ludwig Gerecke im Sommer 2009 das Vorhaben mit Helmut Schlosser, Leiter des Forstreviers Höllental, besprach, war dieser sofort dafür: "Das machen wir," sagte der 64-jährige. Ziel war, die Aktion noch vor seinem Rentenbeginn 2011 abzuschließen. Im Frühjahr 2010 begann das Forstunternehmen Tritschler aus Hinterzarten mit dem Abholzen der Steilhänge. Rund 400 Festmeter wurden eingeschlagen. Nachdem die Bauanträge genehmigt waren, begann im Juli 2010 die Arbeit am Pavillon.
Für Forstwirtschaftsmeister Armin Köpfer, seinen Kollegen Arnold Rees und die fünf Auszubildenden des Forstbezirks Kirchzarten Patrik Binder, Peter König, Manuel Göhri, Kai Heim und Jonas Kleiser war dies eine willkommene Abwechslung in ihrer dreijährigen Ausbildung. Mit einem schweren Traktor transportierten sie die notwendigen Gerätschaften und das Holz über den mehrere hundert Meter langen, steilen Weg auf die Spitze des Galgenbühls. Für das massive Fundament verwendeten die Forstmänner schwere Granitblöcke der ehemaligen Ravennabrücke. Bei dem Holz für das in Blockbauweise errichtete Sechseck mit einer Seitenlänge von jeweils 1,80 Metern handelt es sich um Fichten aus dem Höllental. Eine Besonderheit ist die Dachdeckung mit Thuja-Schindeln. Schlosser: "Im Höllental gibt es ein kleines Areal mit Thujabäumen." Die Lebensbäume besitzen ein leichtes, rotbraunes Kernholz. Es gilt als besonders dauerhaft und deshalb wertvoll. Das Sechseck ist in der Mitte rund drei Meter hoch und soll noch ein Türmchen erhalten.
Autor: Dieter Maurer
