BZ-Ausbildungsserie

Ausbildungsberuf Versorgungsassistentin: Sabrina Link ist im Auftrag des Hausarztes unterwegs

David Eickhoff

Von David Eickhoff

Do, 03. April 2014

Beruf & Karriere

BZ-AUSBILDUNGSSERIE: Medizinische Fachangestellte können sich weiterbilden und bei Hausbesuchen mehr Verantwortung tragen.

BAD KROZINGEN. Sabrina Links Beruf ist so besonders, dass sie in ganz Deutschland nur acht Kollegen hat. Dafür hat sie – und das setzt die Zahl wieder ins Verhältnis – mehr als 4500 Kolleginnen. Besonders ist der Beruf der 28-Jährigen trotzdem, denn es gibt ihn erst seit fünf Jahren. Link arbeitet als Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis von Harro Böckmann in Bad Krozingen.

Angefangen hat ihre berufliche Laufbahn 2001 mit der Ausbildung zur Arzthelferin. Dann trat 2006 eine neue Verordnung zur Berufsausbildung in Kraft und brachte ein neues Kürzel für ihren Beruf: MFA, medizinische Fachangestellte. Im Jahr 2012 beschloss Link, sich zur Versorgungsassistentin fortzubilden. Ergebnis: das nächste Kürzel. "VERAH" darf sie sich heute nennen. Das ist die bundesweit benutzte Abkürzung für Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis.

Nach 200 Fortbildungsstunden übernimmt Link nun Aufgaben in der Praxis, die sonst Inhaber Böckmann als approbierter Arzt erledigen müsste. "Was wir in der Fortbildung gelernt haben, war zum Teil eine Auffrischung von Wissen aus der Ausbildung", sagt Link, "ging aber weit darüber hinaus." Die Unterrichtsblöcke trugen klingende Namen wie "Case Management" (der umfassende Blick für die medizinischen Bedürfnisse von Patienten), Präventionsmanagement (ein geschulter Blick für notwendige Medikamentenversorgung und Impfungen) oder Wundmanagement (die fachgerechte Versorgung von Wunden). Am Ende der Fortbildung stand eine mündliche Prüfung über eine Hausarbeit, in der Link einen Krankheitsfall dokumentierte und den Behandlungsplan erläuterte.

Was Link als Arzthelferin machte, das macht sie auch als VERAH noch. "Die meiste Zeit bin ich in der Praxis, sitze in der Sprechstunde am Tresen, führe Vorgespräche mit den Patienten." Neu sind nach der Fortbildung vor allem die Hausbesuche. Link nimmt ihrem Arbeitgeber Patientenbesuche ab, bei denen nicht akut ein Arzt benötigt wird. Sie nimmt Blut ab, misst den Blutdruck, versorgt Wunden und prüft Medikamente. Außerdem spricht sie ausführlich mit den Patienten über deren Lage. Nach jedem Besuch berichtet Link Böckmann, wie sich der Zustand der Patienten entwickelt hat.

200 Fortbildungsstunden sind notwendig

Die Versorgungsassistentin sei "eine Lotsin, die zwischen der Praxis, den Patienten und den Pflegediensten vermittelt", sagt Katarzyna Polap vom Institut für hausärztliche Fortbildung in Köln. Sie entlaste durch ihre Arbeit den Hausarzt. Auf die Frage, ob seine Assistentin im Umkehrschluss mehr belastet werde, antwortet Praxisinhaber Böckmann: "Das ist ja der Sinn der Sache." Doch die 200 Fortbildungsstunden bereiteten genau darauf gut vor.

Laut dem Institut für hausärztliche Fortbildung bilden sich immer mehr medizinische Fachangestellte zur Versorgungsassistentin fort. Im März 2013 gab es bundesweit 4000 VERAHs, demnächst werde die Grenze von 5000 überschritten. Frank Kölble, Pressesprecher der AOK-Bezirksdirektion Südlicher Oberrhein, sagt: "VERAHs werden für die Hausarztpraxen immer wichtiger." Die Anzahl der Hausärzte auf dem Land sinke, die Anzahl älterer Menschen nehme zu, sodass "nicht-ärztliches Personal für vom Hausarzt delegierbare Aufgaben" immer wichtiger werde. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gibt es laut AOK aktuell sechs VERAHs, im ganzen Ländle circa 1500.

Ärzte, die eine VERAH beschäftigen, bekommen in der Regel eine höhere Vergütung von der Krankenkasse. Darum finanzieren viele die Fortbildung zumindest in Teilen mit. Auch vergüten sie die höher qualifizierte Arbeit in der Regel besser. Medizinische Fachangestellte, die nicht tariflich bezahlt werden, müssen die Höhe dieses Aufschlags selbst aushandeln – zehn Prozent sind realistisch. Ob der Beruf der VERAH auch in dieser Hinsicht ein besonderer ist, das hängt also auch vom Geschick der Anwärter ab.

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