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13. Januar 2017

Keine Gefahr für Menschen, aber für Tiere

Landwirtschaftsverband tagt in Titisee-Neustadt unter anderem zur Zuwanderung von Luchs und Wolf.

  1. Wolf im Löffinger Tierpark Foto: Christa Maier

TITISEE-NEUSTADT. Eines der Hauptthemen in der jüngsten Kreisversammlung des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) in Titisee-Neustadt war die erwartete Rückkehr von Lüchsen und Wölfen in die Region.

Mucksmäuschenstill war es während des Vortrags von Micha Herdtfelder von der Forstwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA), der die Zuwanderung von Luchs und Wolf nach Süddeutschland aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtete. "Auf Großraubtiere haben Landwirte und Jagdleute nicht unbedingt gewartet", sagte er. Konflikte seien zu erwarten. Tierfreunde dagegen freuten sich über 46 Rudel, 15 Paare und vier Einzeltiere, die vor allem in Sachsen, Brandenburg und an der Lausitz herumstreifen. Auch im Süden wurden zwei tote Wölfe (Lahr und Merklingen) und ein lebendes Tier bei Geisingen gesichtet. Fast alle seien genetisch erfasst, ausgesetzte "Kofferraum-Wölfe" oder Hybriden seien nicht darunter.

Der Wolf könne hier leben, er brauche keine Wildnis. "Die Frage ist, ob wir ihn akzeptieren", sagte Herdtfelder. Ein Rudel bestehe in der Regel aus acht Tieren – Eltern, Jährlingen und Welpen – und benötige einen Lebensraum von 200 bis 250 Quadratkilometern. Mit einem Rudel sei besser umzugehen als mit durchziehenden Einzelwölfen. "Wenn sich ein Rudel etabliert hat, muss mit Herdenschutz gearbeitet werden", ist sich der Wildtierökologe sicher. Ein Rudel an der Lausitz fresse mehr als 500 Wildtiere pro Jahr, genauer gesagt 372 Rehe, 54 Rotwild und 84 Schwarzwild. Übertragen auf einen Hektar entnehme ein Rudel zwei Tiere pro Jahr. Dies sei jedoch keine allgemeingültige Aussage für andere Gebiete, da dies vom jeweiligen Nahrungsangebot abhänge. Der Wolf trage möglicherweise zu einem gesünderen Tierbestand bei.

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Von wildlebenden Wölfen in Europa sieht Herdtfelder keine Gefahr ausgehen, nur streicheln sollte man sie nicht: "Sie sind immerhin Wildtiere." Ein gezielter Kehlbiss lasse auf eine Wolf-Attacke schließen, ein Hund beiße mehrfach zu, erklärt er unterschiedliche Rissbilder. Werde ein Nutztier von Luchs oder Wolf getötet, leisteten die Verbände und Trägerschaften finanzielle Entschädigung.

Während der Wolf von sich aus einwandere, sei der Luchs durch aktive Ansiedlung wieder da. Baden-Württemberg sei wohl noch frei von Luchsen, doch durchwandernde Tiere seien schon gesichtet worden. Alle sechs bis sieben Tage erlege die Katze ein Reh oder eine Gams mit einem Kehlbiss. Sie fresse damit ungefähr die Hälfte von dem, was ein Wolf braucht. Schäden an Nutztieren seien durch den Luchs eher die Ausnahme, mit Blinklichtern, die vom FVA gestellt würden, und Herdenschutz könne man ihn abhalten.

Dagegen könnten Wölfe erhebliche Schäden bei Nutztieren, vor allem bei Ziegen und Schafen, verursachen. Oft töte er mehr Tiere, als er fressen könne. Daher seien Einzäunungen mit Strom und gutem Bodenabschluss wichtig. Dass eine flächendeckende Umsetzung des Herdenschutzes vor allem in den Hanglagen des Schwarzwaldes unmöglich ist, sei ihm klar. Mit einem vom BLHV als Mitglied der Arbeitsgruppe "Luchs und Wolf" entwickelten Handlungsleitfaden und einer Resolution bereitet sich der BLHV jedoch auf die neuen Gäste vor.

Weitere Themen der Versammlung waren unter anderm die Nordschleife des Gipfeltrails für Mountainbiker, die nach Aussage des Kreisvorsitzenden Eugen Tritschler für Diskussionen und Einsprüche der Grundstücksbesitzer vor allem in Hinblick auf Unterhaltung und Pflege der Wege gesorgt habe. Michael Nödl, Justitiar und Hauptgeschäftsführer des BLHV, habe einen entsprechenden Vertrag ausgearbeitet. Die Freizeitlobby wachse, "doch die Haftpflichtansprüche bereiten große Probleme", sagte Tritschler.

Ein Mitspracherecht vor der Kartierung der Naturschutzflächen in Verbindung mit "Natura 2000" forderten die Landwirte und auch mehr Flexibilität bei Sperrzeiten für die Gülleausbringung. Die Neuerungen beim Wildschadensersatz nach dem neuen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz brachte Justitiar Nödl ebenfalls zur Sprache. Neu sei unter anderem auch, dass öffentlich bestellte Wildschadenschätzer künftig einen mehrtägigen Grundlehrgang und regelmäßige Fortbildungen absolvieren müssen. Ziel sei, dass Geschädigter und Jagdpächter sich gütlich einigen.

Autor: Christa Maier