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15. September 2011 17:53 Uhr
Selbsthilfe
Patienten gründen Selbsthilfegruppe von Hautkrebs-Betroffenen
Die Zahl der Neuerkrankungen mit Hautkrebs nimmt so stark zu, wie bei keiner anderen Krebsart. Daher hat sich in Freiburg eine neue Selbsthilfegruppe gegründet. Hier wollen sich Hautkrebs-Patientinnen und -Patienten austauschen, informieren und stärken.
Es war vor einem Jahr: Volker Hodel aus Teningen bekam die Diagnose "schwarzer Hautkrebs". Er wurde am Oberschenkel operiert, auch Lymphen wurden entfernt. Ihm ging’s wie allen in einer solchen Situation: "Plötzlich hat man 1000 Fragen im Kopf". Antworten zu finden, ist schwer. Umso besser hilft ein Austausch untereinander, ist Volker Hodel überzeugt. Er war nun Initiator einer Selbsthilfegruppe für Hauttumor-Patientinnen und -Patienten, die sich am Mittwoch in Freiburg gegründet hat.
In einem sind sich die rund 20 Menschen einig, die auf Einladung von Volker Hodel und Frank Meiß, einem Arzt vom Hauttumorzentrum, an diesem Abend in die Hautklinik gekommen sind: Hautkrebs steht selten in der Öffentlichkeit. Und das, obwohl bei keiner anderen Krebsart die Neuerkrankungen so stark zunehmen. Während 1935 einer von 1500 Menschen schwarzen Hautkrebs bekam, waren es 1980 einer von 250 und im Jahr 2000 einer von 75, Tendenz steigend. Gleich geblieben ist in den vergangenen Jahrzehnten, dass zwei bis drei Prozent der in einem Jahr neu an schwarzem Hautkrebs Erkrankten sterben – wobei vor allem entscheidend ist, in welchem Stadium die Krankheit erkannt wird.Werbung
Warum wird wenig über Hautkrebs gesprochen? Vielleicht, weil sich Hautkrebspatienten, wie Frank Meiß beobachtet, im Vergleich zu anderen Krebspatienten schnell wieder "gesund" fühlen und ihr gewohntes Leben fortsetzen wollen, wenn sie die Erkrankung überstanden haben. Andererseits bleibt, genau wie bei allen Krebs-Patienten, immer die Angst: War’s das nun oder tritt irgendwann wieder ein Tumor auf? Dazu kommt die Verpflichtung, sich möglichst gut vor der Sonne zu schützen. "Wenn man dann doch mal kurz in der Sonne war, hat man gleich ein furchtbar schlechtes Gewissen", sagt eine Frau, die vor zehn Jahren mit damals 37 Jahren schwarzen Hautkrebs hatte. Vor einem Jahr wurde nun weißer Hautkrebs bei ihr diagnostiziert – der ist immerhin nicht lebensbedrohlich, aber ihre Verunsicherung und die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität bleiben.
Sie wünscht sich, "dass Patienten eigenmächtiger werden". Dabei kann eine Selbsthilfegruppe helfen: "Das bietet eine Möglichkeit, den eigenen Körper selbst in die Hand zu nehmen und ihn nicht den Medizinern zu überlassen."
Umso mehr, als manche Kranke die Unterstützung einer Gruppe brauchen, um selbstbewusster gegenüber sparwütigen Krankenkassen und nicht immer fehlerfrei arbeitenden Ärzten auftreten zu können, bilanziert Gaby Stünzi. Sie ist über die Vermittlung des Freiburger Selbsthilfebüros zur Gründung der neuen Selbsthilfegruppe eingeladen worden. Seit Jahren engagiert sie sich in der "Deutschen ILCO" – einer Gruppe für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs – in Müllheim und der Selbsthilfegruppe Blasenkrebs Südbaden. Ihre Tipps für die neuen Kollegen: Vorträge von Ärzten und Sozialarbeitern über medizinische, rechtliche und alltagsrelevante Themen, Ernährung und Sport sind genauso beliebt und wichtig wie die ganz persönliche Unterstützung untereinander – von der Begleitung zum Arzttermin bis zum Gießen der Zimmerpflanzen, wenn jemand in die Klinik muss.
Autor: Anja Bochtler
