Simulator in Bremgarten

Polizei zeigt Truckern an der A5, wie sich ein Laster-Überschlag anfühlt

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Di, 10. Juli 2018 um 17:43 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Prävention und Aufklärung waren Ziele einer Polizeiaktion auf der A5 für Brummifahrer. Um ihnen die Gefahren vor Augen zu führen, konnten sie in einem Unfall-Simulator einen LKW-Überschlag erleben.

Volle Autobahnen, volle Parkplätze und am besten eher heute als morgen am Ziel – etwa so lässt sich der Alltag der meisten Berufskraftfahrer zusammenfassen. Quer durch Europa fahren täglich abertausende von Brummis auch über deutsche Autobahnen – und nicht immer läuft alles nach Vorschrift. Ob Überladung oder Überschreitung der Lenkzeiten – wer von der Polizei erwischt wird, muss mit teils drakonischen Strafen rechnen. Die Fahrer standen nun im Mittelpunkt bei einem Trucker-Treff in Bremgarten.

In kaum einer halben Stunde ist er bereits der Vierte. Er fährt einen Müllwagen, also nicht Langstrecke, und sei auch eben erst eingestiegen, beteuert der Brummi-Fahrer in der gelben Warnweste. Aber Polizeihauptkommissar Peter Veeser kennt keine Gnade und nahezu sämtliche Ausreden. Der Mann wird "abgeführt" – und zwar zum Überschlagssimulator. Das Monstrum, eine um 360 Grad drehbare Lkw-Kabine, hat die Berufsgenossenschaft Verkehr auf den Parkplatz des Autohofs Bremgarten gestellt, wo zum 18. Mal der Trucker-Treff stattfindet. Der Gurtmuffel darf einsteigen und sich – selbstredend angeschnallt – davon überzeugen, wie es sich anfühlen würde, wenn der Lkw einen Unfall hat und dabei einen Salto macht. Zudem wird in dem Gerät erfahrbar, welche Folgen ein Unfall haben kann, wenn man als Lastwagenpilot die Fahrerkabine in eine Mischung aus Wohnstube und Küche verwandelt. "Ob Notebook oder Kaffeemaschine – ungesichert sind das Geschosse", warnt Veeser.

"Es geht um Prävention und Aufklärung." Polizeihauptkommissar Peter Veeser


Er ist es auch, der den Trucker Treff im Jahre 2000 ins Leben gerufen hat. "Es geht um Prävention und Aufklärung", erläutert der erfahrene Polizeibeamte die Idee hinter der Idee. Es geht aber auch darum, dass Polizeibeamte mit den Brummi-Fahrern ins Gespräch kommen und dabei als Freund und Helfer anstatt als Widersacher wahrgenommen werden. Damit das auch klappt, werden am Trucker-Treff-Tag zwar die Verkehrssünder unter den Lasterfahrern von den Kollegen der Bereitschaftspolizei von der Autobahn gefischt und auf den Rastplatz geleitet, aber nicht bestraft, sondern nur aufgeklärt, sofern es sich um die an diesem Tage thematisierten Hauptverstöße Gurtmuffelei und Handy-Nutzung handelt. Das geschieht im Gespräch und mit drastischen Mitteln wie dem Überschlagssimulator oder einer Postkarte mit klarer Botschaft: An ein Kreuz ist ein Handy geklebt, darunter steht warnend "offline".

Bis zum frühen Nachmittag sind rund 40 Trucker mehr oder weniger freiwillig zum Treff gekommen. Einer ist ohne Führerschein unterwegs, da bleibt es dann nicht beim Miteinanderreden. Ansonsten zeigen sich alle Gurt- und Handysünder einsichtig. Nebenan am Stand der Gewerkschaft gibt es eine Entspannungsmassage. Bei der Berufsgenossenschaft kann ein Sehtest absolviert werden.

Hauptsächlich fehlen Parkplätze

Was sich verändert hat, seit dem ersten Trucker-Treff? "Stark angestiegen ist die Ablenkung durch elektronische Geräte", sagt Peter Veeser über Smartphone und Co.: "Das ist teils schon fast eine Abhängigkeit. Immer wenn es piept, meint man, rangehen zu müssen." Dazu kämen die Klassiker wie Überladung, Abstandsunter- oder Lenkzeitüberschreitung. Letztere sei teils durchaus dem Druck in der Branche geschuldet, weiß der Polizist.

"Aber Parkplätze, das ist das Hauptproblem", sagt er zur Not der Lkw-Fahrer, für die vorgeschriebenen Lenkpausen auch einen Ort zu finden, an dem sie ihr Fahrzeug abstellen können und dürfen. "Die A 5 wurde Anfang der 60er Jahre gebaut. Aus dieser Zeit stammen die Parkplätze. Nur dass es damals deutlich weniger Lastwagen gab und diese auch kleiner waren", erläutert Veeser als erfahrener Verkehrspolizist das Infrastrukturproblem entlang vieler Hauptverkehrsadern. Hier lautet Veesers Tipp an die Trucker: vorausschauende Pausenplanung und rechtzeitiges Anfahren der Parkplätze.

Ohnehin spielt das Thema Gesundheit eine Rolle beim Trucker-Treff. Beispielsweise werden Flyer von "Doc Stop" verteilt, einem EU-weiten Netzwerk, das sich um die medizinische Unterwegsversorgung von Berufskraftfahrern kümmert. Im Schlepptau eines Polizeimotorrades rollt gerade wieder ein Brummi auf den Autohof. "Gurtverstoß" wird Peter Veeser vom Kollegen informiert – und der Überschlagssimulator wartet schon.