Jonas Hoffmann

SPD startet Wahlkampf im Wahlkreis Lörrach-Müllheim

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Do, 25. Mai 2017 um 14:51 Uhr

Kreis Lörrach

Mit einer sehr persönlichen Rede eröffnete der Bundestagskandidat Jonas Hoffmann am Mittwochabend den Wahlkampf der SPD. Unterstützung erhielt er von der Landesvorsitzenden Leni Breymaier.

"Bei euch in Lörrach ist es immer ein bisschen wärmer", rief Leni Breymaier den hiesigen Sozialdemokraten zu und meinte damit nicht nur das Klima, sondern auch den menschlichen Umgang. Die SPD habe ein Wechselbad der Gefühle hinter sich, stellte sie fest. Dass die Partei nach der Wahl von Martin Schulz mit einem Satz in den Umfragen um zehn Prozent nach oben ging, habe sie noch nie erlebt.

Dann drei Landtagswahlen, aus denen die SPD nicht als strahlender Sieger hervorging. Doch die Probleme dort seien landesspezifisch, meinte sie. "Wir haben nicht mehr diesen Hype, aber wir sind immer noch acht Prozent höher als vor Schulz und wir haben nach wie vor jede Menge Parteieintritte", stellte Breymaier fest und überreichte einem Neumitglied sein Parteibuch.

Wütend über Walter Riester

Die Landesvorsitzende sprach sich für Pressefreiheit und die Werte des Grundgesetzes aus und wies darauf hin, dass die SPD eine Programmpartei sei. Den Wohnungsmarkt dürfe man nicht Spekulanten überlassen, sondern müsse die Kommunen in die Lage versetzen, sozialen Wohnungsbau betreiben zu können.

Sie sprach sich für die Bürgerversicherung aus und für eine bessere Rente. "Ich ärgere mich maßlos über Walter Riester, weil er meine Rente teilprivatisiert hat", sagte sie über die Politik der einstigen rot-grünen Bundesregierung.

Zur Digitalisierung sagte sie: "Man muss sich etwas überlegen, wenn die Autos ohne Fahrer fahren und die Häuser aus dem 3-D-Drucker kommen." Die digitale Rendite müsse es für die ganze Gesellschaft geben, und man brauche eine permanente Weiterbildung, damit Menschen in Arbeit bleiben können. Reiche und Konzerne sollen deswegen mehr beitragen, um Bildung, Infrastruktur und innere Sicherheit zu finanzieren. "Wir werden einen Wahlkampf führen ohne Lügen, ohne Beleidigungen und ohne Hass", rief Leni Breymaier.

Jonas Hoffmann fordert kostenlose Bildung

"Gerade jetzt ist es wichtig, sich politisch zu engagieren für eine Gesellschaft, in der jeder frei leben und sein Leben so gestalten kann, wie er möchte", betonte Jonas Hoffmann. Der 31-jährige SPD-Kandidat für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim hielt eine Rede, in der er sich nicht am Parteiprogramm abarbeitete, sondern aus seinem Erleben seine Weltsicht und sein politisches Engagement herleitete.

Er lobte das deutsche Bildungssystem, das ihm eine kostenlose Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker ermöglichte. Alle Bildungswege müssen auch weiterhin kostenlos sein. "Die Investition in Köpfe bringt die beste Rendite", sagte er.

Nicht von der Angst leiten lassen

Mit der Digitalisierung werden sich Berufe verändern und vielleicht wegfallen. Bildung und soziale Sicherheit seien deswegen wichtig. Für die innere Sicherheit seien gut ausgebildete Beamte nötig, die auch über Landesgrenzen hinweg tätig sein können. Hoffmann war als Entwicklungshelfer in Afghanistan und hat dort neun Selbstmordattentate erlebt. Trotzdem oder deswegen fand er es wunderbar, dass Deutschland vor zwei Jahren als eines der wenigen Länder in Europa Hilfe angeboten hat.

Natürlich sei nicht alles gut gelaufen und die Hilfe sie auch ausgenutzt worden. Aber von Angst dürfe man sich nicht leiten lassen. Jonas Hoffmann zitierte eine Aussage, die sie sehr berührt hat, von einer polnischen Frau, die im Zweiten Weltkrieg jüdische Kinder versteckt hat: "Manchmal muss man Angst aushalten, um Mensch zu bleiben." Von den Hassern dürfe man sich nicht das Herz nehmen lassen, und er wolle im Wahlkampf eine positive Stimme sein und für Verständnis und Solidarität werben, versprach Hoffmann.

Der SPD-Kreisvorsitzende Philipp Schließer wies darauf hin, dass nach der Niederlage bei der Landtagswahl die Lörracher Kreis-SPD politische Ziele formuliert hat, von denen einige in den Leitantrag der Landes-SPD aufgenommen wurden und von dort hoffentlich den Weg ins Bundesprogramm finden.

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