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16. Juli 2014

Waldbrandübung: Brenzlige Bedingungen im Forst

Rund 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK und Bergwacht üben im Hochschwarzwald den Ernstfall Waldbrand.

  1. Große Holz- und Reisighaufen wurden in Brand gesetzt, um realistische Bedingungen für die Übung zu schaffen. Foto: Dieter Maurer

  2. Fachbereichsleiter Peter Meyer informierte die Beobachter der Übung, darunter Landrätin Dorothea Störr-Ritter. Foto: Dieter Maurer

HINTERZARTEN. Herber Brandgeruch durchzieht die klare Luft auf dem 1200 Meter hohen Rinkenplateau am Ostabhang des Feldbergmassivs. Gut ein Kilometer entfernt Richtung Rufenholzplatz steigen dicke Rauchsäulen auf und vor dem Gasthaus "Jägerheim" sind verschiedene Einsatzfahrzeuge postiert. Darin bedienen uniformierte Spezialisten modernste Geräte. Der Grund: Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald hatte die größte Waldbrandübung der vergangenen Jahre angesetzt. Beteiligt waren 292 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Rotem Kreuz und Bergwacht.

Ausgearbeitet hatte die Übung der Fachbereich Brand- und Katastrophenschutz des Landratsamts. Die Gesamtleitung oblag Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Der Ablauf war den Übungsteilnehmern nicht bekannt. "Da jedoch alles im Zeitraffer stattfinden musste, haben wir die Einheiten vor Beginn an verschiedenen Haltepunkten zusammengefasst", erklärte Widmeier. Um eine Art "Katastrophen-Tourismus" zu vermeiden, gab es im Vorfeld keine Hinweise auf die Übung. Die wenigen Wanderer und Mountainbiker wunderten sich denn auch über das Großaufgebot an Rettungskräften mitten in der Natur.

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Ausgangslage der Übung: Nach einer länger anhaltenden Hitzeperiode zieht ein schweres Gewitter über das Gebiet Zastler/Feldberg. Mehrere Blitzeinschläge verursachen Brände an sieben Stellen. Anwohner und Wanderer bemerken die Feuer und melden diese per Notruf der integrierten Leitstelle in Freiburg. Diese alarmiert um 9.15 Uhr die Feuerwehr Hinterzarten. Kommandant Erich Steiert und seine Truppe sind rasch vor Ort und entscheiden über den ersten operativen Einsatz. Sofort fordern sie Verstärkungen an. Im Bereich Zastler eilen die Wehren aus Kirchzarten, Oberried, Buchenbach, Stegen und Glottertal zur Hilfe. Im südlich gelegenen Sektor beim Rufenholzplatz kommen Kräfte aus Breitnau, Feldberg, Lenzkirch, Titisee-Neustadt, Schluchsee und der Zug "Löschwasserversorgung" zum Einsatz. Zudem werden Landwirte um Unterstützung gebeten. Diese füllen ihre bis zu 5000 Liter fassenden Fasswagen, transportieren das Wasser zu den Brandstellen und entleeren es in mit Plastikplanen ausgelegten Container oder auch in die Rinkenzisterne. Zudem werden viele Kilometer Schläuche verlegt.

Um die Übung möglichst realistisch erscheinen zu lassen, hatten Mitarbeiter der Forstverwaltung an mehreren Stellen riesige Holz- und Reisighaufen aufgeschichtet. Wegen der zunächst feucht-nassen Witterung mussten diese mit Hilfe von Gas entzündet werden. Die Wehrleute bekämpften die Flammen symbolisch mit Feuerpatschen und Wasser.

Zudem gab es eine weitere Aufgabe zu lösen: Während des Gewitters verirrte sich eine Gruppe von jugendlichen Wanderern im unwegsamen Bereich zwischen Hinterwaldkopf und Bankgallihöhe. Ein Jugendlicher meldet neun seiner Kameraden vermisst. Sofort starten Mitglieder der Ortsgruppen Hinterzarten, Altglashütten und Freiburg der Bergwacht Schwarzwald gemeinsam mit der DRK-Rettungshundestaffel eine groß angelegte und letztlich erfolgreiche Suche.

Zu den Übungszielen zählte auch die Orientierung im Gelände. Das weitläufige Wegenetz quer durch dichte Wälder und die vielen Kreuzungen können für ortsfremde Rettungskräfte verwirrend sein. So hat sich im Verlauf der Übung ein Einsatzwagen verfahren. Andere Stellen waren aufgrund eines umgestürzten Baums oder wegen Gegenverkehrs nicht passierbar. Da war das Wissen der ortskundigen Mitarbeiter der Forstverwaltung besonders gefragt.

Das Sicherstellen der Wasserversorgung war aufgrund der vorangegangenen Regenfälle relativ einfach, führten doch auch die kleinen Wasserläufe ausreichend Wasser. "Bei einer längeren Trockenperiode wäre dies bedeutend schwieriger gewesen", so Kreisbrandmeister Widmeier. Nach seiner ersten Einschätzung funktionierte das Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen, zu denen auch das Technische Hilfswerk und das Polizeirevier Titisee-Neustadt zählten, reibungslos. Der Aufbau gemeinsamer Führungs- und Kommunikationsstrukturen klappte nahezu perfekt. Zuweilen kam es aufgrund der Topographie mit hohen Bergrücken und tiefen Tälern zu kurzfristigen Verständigungsproblemen. Die Grundsicherung der Bevölkerung im Hochschwarzwald und Dreisamtal war, so n Widmaier "jederzeit gewährleistet."

Für Fragen der Gäste aus Frankreich, der Landesfeuerwehrschule und interessierte Kreisräte stand Fachbereichsleiter Peter Meyer vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz zur Verfügung. Zu den aufmerksamen Beobachtern vor Ort gehörten zudem Landrätin Dorothea Störr-Ritter und der Erste Landesbeamte Martin Barth, zugleich Leiter des Dezernats für Brand- und Katastrophenschutz. Um auf mögliche Brände vorbereitet zu sein, sei diese gemeinsame Übung wichtig, befand Störr-Ritter beim gemeinsamen Mittagessen. Beeindruckt habe sie neben den technischen Geräten und Hilfsmitteln vor allem "Man-Power" und Zusammenarbeit. Alle Helfer – ob erfahren oder noch jung – hätten eine hohe Kompetenz bewiesen: "Das gibt mir und der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit."

WALDBRANDÜBUNG

Mit 67 000 Hektar Waldfläche steht der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit an vorderster Stelle in Baden-Württemberg: 48 Prozent der Kreisfläche sind von Wäldern bedeckt, die Rheinebene weniger, der Hochschwarzwald hingegen umso mehr. Eigentlich war die Übung bereits für Oktober 2013 geplant, wurde aber wegen Schneefalls abgesagt. Die letzte Großübung hatte 2011 im Bereich Breisach-Kaiserstuhl stattgefunden, die letzte große Waldbrandübung 2001 in St. Peter. Die Ergebnisse werden jetzt analysiert und ausgewertet. Für den 21. Juli ist eine Abschlussbesprechung geplant.  

Autor: ma

Autor: Dieter Maurer