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22. Juni 2010 14:55 Uhr

Landwirtschaft

Wettlauf mit dem Regen: Wetter bringt Bauern in Bedrängnis

Die Landwirte atmen auf: Endlich ist Wetter zum Heuen. Das anhaltende Regenwetter hat die Heuernte bislang erschwert und für einige Betriebe sogar unmöglich gemacht. Auf vielen Wiesen steht noch immer der erste Wuchs.

  1. Dieses Gras auf einer Wiese bei Bollschweil wirkt fast wie reifes Getreide, braungelb sind die Stengel, Rispen und Ähren. Heu von derart überständigem Gras hat nur noch einen geringen Futterwert. Foto: Silvia Faller

LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Das überständige Futtergras dagegen ist braun, strohig und verblüht. Es enthält viel Rohfaser, aber nur noch wenig Eiweiß und Energie, was die Kühe brauchen, um Milch zu erzeugen, und die Jungrinder, um zu wachsen. Abgesehen davon fressen die Wiederkäuer das harte, spröde Futter ungern.

Die Landwirte beurteilen die Lage jedoch sehr unterschiedlich, je nachdem, wie ihre Betriebe ausgerichtet sind und welchen Anteil ihres Einkommens sie mit der Rinderhaltung erwirtschaften. So haben Landwirte, die intensiv Milcherzeugung betreiben, gar nicht auf anhaltend gutes Wetter gewartet, um Heu machen zu können, sondern sie haben schon Anfang Juni, als es einige schöne Tage gab, den ersten Aufwuchs siliert. Das heißt, sie machen das Gras durch die natürliche Milchsäuregärung unter Luftabschluss haltbar, wofür nur zwei Tage Sonnenschein nötig sind; um Heu zu machen, braucht man mindestens drei sonnige Tage.

Landwirte wie Isolde und Alois Herr vom Melcherhof in Buchenbach brauchen jedoch hochwertiges Heu. Denn sie bereiten aus der Milch ihrer 22 Kühe Käse. Und für die Käseherstellung ist es nötig, dass die Tiere Heu fressen. Siliertes Futter verändert die Inhaltstoffe der Milch, so dass kein guter Käse entsteht. In der zweiten Juniwoche hatten die Herrs erst einen kleinen Teil des Aufwuchses ihrer insgesamt 40 Hektar umfassenden Wiesenfläche einbringen können. "Und das im Wettlauf mit dem Regenwetter", sagt Isolde Herr. Im Vertrauen auf die Wettervorhersage für diese Woche legen sie nun los und hoffen, die Hauptflächen abernten zu können. "Wir gehen in die Vollen", sagt Isolde Herr.

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Nur auf den Schwarzwaldhöhen ist das Gras noch von guter Qualität

Die günstige Prognose hat auch Gerhard Zipfel, der in Buchenbach-Himmelreich eine Pensionspferdehaltung mit 45 Tieren betreibt, bewogen, am Montag mit der Mahd seiner gesamten Wiesenfläche von 18 Hektar zu beginnen. "Als Pferdefutter ist das überständige Gras zwar noch gut, denn Pferde benötigen gerade rohfaserreiches Heu. Aber verregnen sollte es das Futter auch nicht", sagt er.

Auch Mutterkuhhalter wie Martin Ganz vom Häuslemaierhof in Buchenbach, die ihre Tiere kalben lassen und die jungen Rinder mit der Milch aufziehen, machen in der Regel auf dem Hauptteil ihrer Wiesen Heu. Martin Ganz ist dennoch gelassen. "In den unteren Lagen ist das Gras zwar überständig, aber wir brauchen nicht gar so energiereiches Futter wie die Milcherzeuger. In den höheren Lagen, wo das Wachstum langsamer ist, geht es noch. Dort lässt sich noch gutes Futter gewinnen, das ich für Jungrinder benötige, die ich im Auftrag anderer Landwirte füttere", erzählt er.

Auf rund 800 Meter in St. Märgen bewirtschaften Wendelin und Margarete Schwär ihre Wiesen. Aufgrund der niedrigen Temperaturen sei das Wachstum bislang derart verhalten gewesen, dass das Wiesengras noch in einem guten Zustand sei. Die Schwärs hoffen jedoch ebenso wie die Landwirte im Dreisamtal, ihr Winterfutter in den kommenden Tagen einbringen zu können. "Schlimmer wirkt sich das kalte Sommerwetter auf die Vermietung unserer Ferienwohnungen aus", sagt Margarete Schwär. "Die Gäste kommen später oder reisen früher ab."

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Autor: Silvia Faller