Cannabis löst Opiate ab

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Mi, 11. April 2018

Kreis Emmendingen

Die Drogenberatungsstelle Emma im Landkreis befasst sich mit mehr Kiffern, mehr Spielsüchtigen und mit mehr Männern als Frauen.

KREIS EMMENDINGEN. Kiffen statt spritzen. Die Drogenberatungsstelle Emma befasste sich 2017 in ihren Beratungsgesprächen häufiger mit Menschen, die Cannabis rauchen und nicht Opiate zu sich nehmen. In der Vorstellung der Jahresbilanz gaben die Verantwortlichen bekannt, dass sie mit 252 Personen mehr als einmal sprachen, 599 Menschen nahmen Kontakt zur Emma auf, 2268 Gespräche mit Klienten gab es insgesamt. Die Werte sind mit dem des Vorjahrs vergleichbar.

2016 hatten die Mitarbeiter 2260 Gespräche geführt, 592 Personen nahmen damals Kontakt zu Emma auf, 263 kamen mehr als einmal. Letztere erfasst die Statistik. Die Suchtberater gliedern sie nach der Hauptdiagnose. Wer säuft, kifft und spritzt, taucht in der Statistik nur bei einem auf. "Viele konsumieren das", sagt Einrichtungsleiter Marco Chiriatti, "was ihnen gerade so in die Quere kommt."

Cannabis führt erstmals die Tabelle an: 83 Mal lautete 2017 so die Hauptdiagnose, bei den Opiaten 79 Mal. "Das Thema treibt uns sehr um", sagt Chiriatti. Nicht alle kommen freiwillig: Mehr als die Hälfte schicke der Richter, der Arbeitgeber oder die Mutter zur Emma, schildert der Leiter. Er stimmt der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler zu, die vor einer Verharmlosung des Stoffs warnt. "Ich empfehle keine Legalisierung", sagt der Emma-Chef. Er plädiere für die Entkriminalisierung: Nötig sei eine Definition der Frage, was als geringe Menge und was als Eigenbedarf gilt. Zudem sollte über das Verhältnis Alkohol-Cannabis debattiert werden. "Das eine zu verteufeln und das andere gut zu heißen ist kein Allheilmittel", sagt Chiriatti.

Auch Spielsucht ist ein Thema

Nicht nur mit Drogen befassen sich die Suchtberater: In den Gesprächen geht es auch um pathologisches Spielen – 2016 einmal, 2017 siebenmal. Das Problem seien weniger die Spielhallen, sondern das Internet. Per Smartphone, Tablet oder Laptop könnten auch Minderjährige ohne großen Aufwand Geld verzocken, schildert Chiriatti. "Die Verlockung des schnellen Gewinns." Manchmal ist es nicht das eigene Geld und nicht die Spielsucht. Der Sozialpädagoge erzählt, wie sich ein Vater an die Einrichtung in der Liebensteinstraße wandte: "Der Sohn hat geträumt, er könnte Youtube-Star werden. Mit der Kreditkarte des Vaters hat er sich dann erst mal eine teure Kamera gekauft." Der Junge habe eine Kaufsucht gehabt.

Mit dem Wandel der Süchte, verändert sich auch die Arbeit: "Wir werden pädagogischer", sagt Marco Chiriatti. Sein Kollege Martin Fischer erklärt: Bei jüngeren Menschen könne man noch etwas bewegen. "Bei den Alten geht es eher ums Überleben."

Von den 252 Gesprächen führten die Emma-Leute 200 mit Männern oder Jungen, knapp vier Fünftel. Chiriatti geht davon aus, dass im Konsum das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht so weit auseinanderliegt. "Ich glaube, dass Männer eher auffallen." Denkbar sei, dass Frauen trotz ihrer Sucht ihr Leben besser im Griff haben. "Möglicherweise müssen wir für Frauen attraktiver werden", sagt der Emma-Chef.

Träger der Emma ist der AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation der. Die Außenstelle in Endingen wurde Anfang Januar geschlossen (die BZ berichtete). In Waldkirch gibt es weiterhin eine Außenstelle. In Emmendingen nahmen 2017 17 Menschen das sogenannte ambulant betreute Wohnen für Abstinente und Suchtmittelabhängige in Anspruch.

Weitere Informationen: http://www.drogenberatung-emma.de