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21. Juni 2017

Der Spranger-Schule fehlen Räume

Ausschussmitglieder stimmen für Erweiterungsabsicht am Standort in Emmendingen-Wasser / Die Planung läuft nun an.

  1. Raumnot zwingt zur Erweiterung. Deshalb soll in einem ersten Schritt der 2005 eingeweihte Anbau um etwa vier Klassenräume verlängert werden. Erste Kostenschätzung: eine Million Euro. Endgültige Entscheidungen sollen im Herbst 2017 gefällt werden. Foto: Marius Alexander

EMMENDINGEN-WASSER. Die Eduard-Spranger-Schule hat einen zusätzlichen Raumbedarf von 368 Quadratmetern. Das hat das Freiburger Regierungspräsidium im Mai ermittelt. Momentan verfügt die Schule über 1800 Quadratmeter. Am Montag gaben die Mitglieder des Verwaltungsausschusses des Kreistags grünes Licht für erste Planungsschritte zur Erweiterung des Erweiterungsbaus aus dem Jahr 2005. Die endgültige Entscheidung soll in den Haushaltsberatungen im Spätjahr gefällt werden. Grob geschätzt geht es um eine Investition von einer Million Euro.

"Die Nachfrage ist ungebrochen hoch", sagte Landrat Hanno Hurth zur Position des "Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums Förderschwerpunkt: geistige Entwicklung" in der Bildungslandschaft der Region. Das belegte Schulleiter Stephan Hiller mit Zahlen: Vom Schuljahr 2010/2011 stieg die Schülerzahl von damals 123 auf mittlerweile 144. Im kommenden Schuljahr werden es 153 sein. Das Ganztagsangebot im Schulzentrum in Wasser nehmen Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 18 Jahren wahr. Dazu kommen Kooperationen mit zwei Regelschulen (der Grundschule Glottertal und der Gemeinschaftsschule Gundelfingen) sowie der Berufsvorbereitung der GHSE in Emmendingen.

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Bis auf zwölf Schüler in der Stufe 10 bis 12 sind nach Hillers Worten die Klassen wegen des Raummangels aufgestockt worden. Doch im kommenden Schuljahr werde es statt 22 dann 24 Klassen geben. Neben dem dringenden Bedarf an Unterrichtsräumen seien zusätzliche sogenannte Differenzierungsräume notwendig. Der bestehende Mangel, so Hiller, habe bereits kritische Nachfragen von Eltern ausgelöst. Schließlich gelte, dass der von Regierungspräsidium ermittelte Zusatzbedarf sich an der derzeitigen und nicht an der künftigen Schülerzahl orientiere.

Als rasche Behelfsmöglichkeit ist, wie Hiller weiter erläuterte, die Auslagerung abgeklopft worden. Mit dem Ergebnis: "Keine Schule in erreichbarer Nähe hat freie Räume für uns." Großer Nachteil einer partiellen Auslagerung wäre überdies, dass damit Doppelstrukturen geschaffen werden müssten. Dem gegenüber biete eine Erweiterung den Vorteil, dass damit zumindest der Mindestbedarf gedeckt werden könnte. Deshalb plädiere die Schule für die Realisierung dieser Variante.

Alle weiteren Alternativen (Container oder Einzug in das geplante neue Schulgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Firma Südwest-Rohstoffe bei den GHSE und der Carl-Helbing-Schule) sind nach Einschätzung von Hiller viel zu teuer.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, weshalb sich die Schülerzahlen so entwickeln, wie sie es tun. Als eine Begründung nannte Hiller eine "Zunahme von komplexen Formen der Beeinträchtigung". Der medizinische Fortschritt, aber auch der Wandel der gesellschaftlichen Strukturen hätten dazu geführt, dass immer mehr Schüler mit einer Diagnose außerhalb der klassischen geistigen Behinderung die Spranger-Schule besuchten. Dennoch bräuchten sie das spezielle Angebot der Schule, was − trotz der Wahlfreiheit zwischen Regelschule und Förderschule − auch von immer mehr Eltern so gesehen werde.

Auf die Frage von Steffen Schmidt (SPD), wie denn die weitere Entwicklung der Schülerzahlen prognostiziert werde, antwortete Hiller, dass dies ganz schwierig einzuschätzen sei. Rückblickend sei Fakt, dass 30 Kinder mehr, fünf Klassen mehr bedeutet hätten. Außerdem gehe es nicht nur um Unterricht, sondern um die Befähigung, auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können. Immerhin ein Drittel der Schulabgänger schafften das. Und das sei eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Teilhabe in allen Bereichen des Lebens.

Nachdem die Ausschussmitglieder sich grundsätzlich für einen Anbau an den Erweiterungsbau auf dem Gelände des derzeitigen Kickplatzes ausgesprochen haben, wird sich der Ausschuss Mitte November mit der groben Planung beschäftigen, ehe der Kreistag im Rahmen der Haushaltsberatungen entscheiden wird.

Autor: Marius Alexander