"Die alten Heimatgeschichten sind ein reicher Schatz"

Andrea Strumberger

Von Andrea Strumberger

Mi, 12. April 2017

Kreis Emmendingen

Rosemarie Riesterer wandert mit Gästen durch die Region und erzählt ihnen dabei Sagen, die ihr einst ihre Großmutter erzählt hat / Nächste Tour am Karfreitag.

KREIS EMMENDINGEN. Vorbei an Bächen, Felsen und blühenden Wiesen: Rosemarie Riesterer, aufgewachsen in Heimeck am Fuß des Kandels, führt bei ihren "sagenhaften Wanderungen" durch die Natur und berichtet dabei über das Leben, Lieben und Leiden auf alten Bauernhöfen. In ihrem 20. Wanderjahr durchquert sie mit ihren Gästen unter anderem die Wälder des Kohlebachtals oder besucht die Ruine Schwarzenburg.

In ihrer Kindheit erzählte ihre Großmutter ihr alte Geschichten und Sagen, die sie nun auf ihren Touren weitergibt. Als Kind sei sie von den Geschichten fasziniert gewesen, insbesondere, da ihre Großmutter ihr erzählt habe, wo sich diese Geschichten abgespielt hätten: In ihrer Heimat, im Elztal, im Simonswäldertal, auf dem Kandel, dem Rohrhardsberg und auch im Glottertal. "Ich bezeichne mich als Ur-Elztälerin", sagt Rosemarie Riesterer.

Inzwischen erzähle sie kaum noch Sagen, sondern lege den Fokus auf Heimatgeschichten, aber auch Geheimnisse aus der Landschaft. Nicht alle Geschichten stammen von ihrer Großmutter. Viele hat Rosemarie Riesterer auch selbst zusammengetragen, aus Ortschroniken oder im Gespräch mit alten Bauersleuten. "Es gibt überall Geschichten", sagt die Gästeführerin. "Diese alten Heimatgeschichten sind ein ganz reicher Schatz". Allerdings, bedauert sie, gehe dieser mehr und mehr verloren, da die Menschen, die diese Geschichten erzählen könnten, nach und nach sterben. Deshalb wolle sie die Geschichten weitergeben.

Auf die Frage, ob sie schon immer gerne gewandert sei, antwortet Rosemarie Riesterer mit einem klaren "Nein". Als Kind habe sie jeden Tag zu Fuß von Heimeck bis nach Waldkirch in die Schule gehen müssen. Eine Stunde habe sie dafür gebraucht. Wenn sie Nachmittagsunterricht gehabt habe, sei sie in der Mittagspause nach Hause und später wieder zurück in die Schule gegangen – und damit insgesamt vier Stunden unterwegs gewesen. Mit zehn Jahren habe sie sich dann ein Fahrrad gekauft. Zu dem Zeitpunkt sei sie genug gelaufen, sagt sie. Ihre Eltern seien auch nicht gewandert, da sie sich am Sonntag von der Arbeitswoche ausgeruht haben, sagt sie. "Erst mit Mitte 40 habe ich zurückgefunden zu meinen Wurzeln", sagt die Ur-Elztälerin und sei so auf die Idee mit den sagenhaften Wanderungen gekommen, sagt sie. "Da habe ich meine Heimat erst richtig entdeckt".

Rosemarie Riesterer arbeitete als Auslandskorrespondentin und Übersetzerin. Nachdem ihre Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, wollte sie sich beruflich neu orientieren. Dabei wollte sie etwas draußen in der Natur und mit Menschen machen, sagt sie. So sei sie auf die Idee gekommen, Wanderungen an Originalschauplätze von Heimatgeschichten anzubieten. Ihre Wanderungen seien ihre Leidenschaft und ihre Berufung. Im Jahre 2002 habe sie dann die Ausbildung zur Gästeführerin im Naturpark Südschwarzwald gemacht.

"Ich wollte es nicht in der Stadt machen und ich wollte es nicht wie am Fließband machen, immer dasselbe abspulen", sagt sie. "Auch für mich selber muss es noch spannend bleiben". Deshalb vergehen oft Jahre, bis sie die gleiche Tour noch einmal mache, sagt sie. Außerdem wechsele auch die ein oder andere Geschichte in derselben Tour. Die Stimmung einer Wanderung sei im Hochsommer im kühlen Wald ganz anders als im Frühling bei blühenden Wiesen und Vogelgezwitscher. Im Herbst sei der Nebel sehr reizvoll. "Auch wenn die Wanderung die gleiche ist, ist sie dann von der Stimmung eine völlig andere." An ihrer "Berufung", wie sie es nennt, fasziniere sie besonders, dass sie ihre Geschichten und ihre Begeisterung teilen könne. "Die Begeisterung zu spüren und die leuchtenden Augen der Gäste zu sehen, macht es für mich interessant", sagt sie. Es sei eine kleine Zeitreise, fernab von Alltagsstress und Verkehrslärm.

Pro Jahr bietet Rosemarie Riesterer etwa sieben bis acht Rundwanderungen an. Insgesamt habe sie rund 25 Touren in ihrem Repertoire. "Es kommen lustige Sachen, Anekdoten, tragische Geschichten und manchmal etwas unheimliche Geschichten vor. Es ist eine bunte Mischung und ich denke, es ist für jeden etwas dabei."

Info: Die nächste Wanderung findet am Karfreitag, 14. April, im Kohlenbachtal bei Waldkirch statt. Die Tour beginnt um 10 Uhr, Ankunft ist zwischen 16 und 17 Uhr. Die reine Gehzeit beträgt rund drei Stunden. Die Strecke ist etwa zehn Kilometer lang. Eine Anmeldung ist notwendig. Infos und weitere Termine unter http://www.rosemaries-sagenhafte-wanderungen.de und unter Tel. 07666/3720.