Kreis Lörrach

Ausbau von schnellem Internet macht Fortschritte

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Fr, 16. Dezember 2016

Kreis Lörrach

Der Ausbau der Breitbandversorgung für schnelles Internet kommt voran / Bis alle profitieren, werden aber noch Jahre vergehen.

LÖRRACH. Bagger und Bauarbeiter, die Gräben ausheben und Kabel verlegen, sind vielerorts im Kreis zu sehen: Der Ausbau der Breitbandversorgung, die schnelles Internet ermöglicht, macht Fortschritte. "Wir haben einiges auf den Weg gebracht", sagt Paul Kempf, Geschäftsführer des Zweckverbandes Breitbandversorgung Kreis Lörrach (siehe Info), denn auch, fügt aber hinzu: "Wir stehen trotzdem erst am Anfang."

Hintergrund
Ohne schnelles Internet geht heutzutage kaum noch etwas. Das gilt für den privaten Bereich, aber erst recht für Wirtschaft und Verwaltung. In Ballungsräumen entsprechende Zugänge zu legen, ist für kommerzielle Anbieter lukrativ. Anders sieht es in dünner besiedelten Gebieten aus – mit langen Kabelstrecken für wenige Kunden. Entsprechend ist vor allem der ländliche Raum – auch im Kreis Lörrach mit Breitbanddiensten unterversorgt. Dieses Manko soll der 2015 gegründete Zweckverband beheben. Ziel ist eine möglichst flächendeckende Versorgung.

Aktueller Stand
2016 war ein Jahr der Planungen: Jene für das Backbone-Netz, also das überörtliche Kabelnetz, das allen 35 Kommunen Zugang zu großen Bandbreiten ermöglicht, steht seit September; das für die Ortsnetze sei ebenfalls im Zeitplan, sagt Kempf. Vier größere Projekte – Kleinkems/Schliengen, die Gewerbegebiete Schildgasse in Rheinfelden und Dreispitz sowie Höllstein/Hägelberg – wurden kürzlich in einer ersten Welle ausgeschrieben. In erheblichem Maß greift der Zweckverband bei Leerrohren und Glasfaser auf den Bestand zurück. Wo immer möglich baut er zudem mit, wenn andere Versorger Straßen aufreißen. Dabei geht es über Land üblicherweise schneller voran als in Ortslagen, wo Häusern gleich der Anschluss angeboten wird – für brutto gut 700 Euro bis zu einer Länge von 15 Metern.

Nächste Schritte
Neben größeren Bauprojekten wird die Wahl eines Netzbetreibers, der den Kunden entweder selbst schnelles Internet anbietet oder Dritten die Leitungen zur Verfügung stellt, ein nächster Meilenstein sein. Das mehrstufige Verfahren begann im Februar mit einem europaweiten Wettbewerb. Kempf geht davon aus, dass demnächst ein vorläufiger Zuschlag erteilt werden kann. Dann hat die Bundesnetzagentur zwei Monate Zeit, den Vertrag zu prüfen. Im ersten Quartal 2017 könnte die Verbandsversammlung definitiv entscheiden. Weitere drei Monate dürften vergehen, bis der Betreiber technisch so weit ist, so dass die Versorgung voraussichtlich Mitte 2017 beginnen kann. Dabei werde kein Schalter umgelegt, erläutert Kempf. Vielmehr werde schrittweise ein Gebiet nach dem anderen angebunden. Das hat auch damit zu tun, dass viele schon Verträge fürs Internet haben und nicht doppelt zahlen wollen. Kempf spricht daher von einem tröpfchenweisen Anschluss.

Allgemeine Resonanz
Die Großwetterlage schätzt Kempf als gut ein. Die Akzeptanz sei hoch, so der Geschäftsführer. Kaum einer, der angefragt wird, lehne ab. Statt der Frage, ob schnelles Internet notwendig sei, werde nur nach dem Wie gefragt. Und manch einem geht der Ausbau zu langsam voran. Dabei gibt Kempf zu bedenken, dass es sich um ein Bauprojekt handelt, das Zeit braucht.

Technische Entwicklung
Derzeit gilt eine Übertragungsrate von 50 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen als Grundversorgung. Diese ist etwa über Kabelverzweigerkästen zu erzielen, an denen jeweils viele Häuser über Telefonleitungen über Kupferkabel angebunden sind. Dann muss aber in einigen Jahren erneut gegraben werden. Denn der Bedarf wird weiter steigen, ist Kempf überzeugt – über 100 und 500 MBit bis zu 1GBit. Über kurz oder lang wird überall Glasfaserkabel bis ins Haus gelegt werden. Erst dann ist die Versorgung dauerhaft zukunftsfest. Denn eine schnellere Datenübertragung als mit Licht ist derzeit nicht auf dem Markt. Dessen Möglichkeiten seien noch lange nicht ausgereizt, erklärt Kempf. Die Grenzen setzt nicht die Leitung, sondern die Technik am Anfang und Ende des Übertragungsweges, die umso teurer wird, je schneller sie ist.

Finanzierung auf drei Säulen
Die Finanzierung des Ausbaus steht auf drei Pfeilern. Der wichtigste sind die Mittel des Landes mit einer Förderquote von 20 bis 90 Prozent, im Schnitt 40 bis 50 Prozent. Zweiter Pfeiler sind Darlehen, bei denen der Zweckverband derzeit von niedrigen Zinsen profitiert. Dritte Säule ist schließlich die Pacht, die der Netzbetreiber zahlen muss. Mittelfristig sollen aus den Pachteinnahmen die gesamten Netzkosten refinanziert werden. "Das wird einige Jahre dauern; früher oder später trägt sich das Netz, das jahrzehntelang genutzt werden kann, aber selbst", sagt Kempf. Für das überörtliche Backbone-Netz rechnet er mit Kosten von 65 bis 70 Millionen Euro; bis jedes Haus direkt an der Glasfaser hängt, mit 250 bis 300 Millionen Euro – was den Zahlen der Bundesregierung entspricht, die von 80 Milliarden Euro für ganz Deutschland ausgeht.