Die Grundel ist ein Problemfisch

Boris Burkhardt

Von Boris Burkhardt

Sa, 04. Februar 2017

Kreis Lörrach

Fischarten aus dem Schwarzen Meer bedrohen den heimischen Bestand im Rhein / Die Behörden sind ziemlich machtlos .

RHEINFELDEN. "Es ist ein Problem; und wir sind nicht froh darüber", stellt Gerhard Bartl klar: "Aber wir können nicht viel dagegen tun." Der Fischereireferent des Regierungspräsidiums spricht von den Schwarzmeergrundeln, deren Laich in den vergangenen Jahren an Booten die Donau hinauf und durch den Main-Donau-Kanal in die deutschen Flüssen gelangt ist. Heute befinden sich "viele Millionen" in Rhein, Mosel, Neckar und Main. In der Region tauchten sie zum ersten Mal nach 2012 auf und haben sich über die Fischpässe bis nach Rheinfelden verbreitet.

"Es gibt Stellen im Altrhein, da finden sich 30 bis 40 Exemplare auf einem Quadratmeter", hat Hans-Dieter Geugelin, Vorsitzender des Fischereiverbands IG Altrhein zwischen Breisach und Basel, herausgefunden. Zwar sind die Fische mit 20 bis 30 Zentimeter eher klein. Es gibt aber einiges, das noch kleiner ist als sie, das sie fressen können. Vor allem den Laich heimischer bodenlaichender Arten wie Forelle, Äsche, Barbe, Lachs – sogenannter Kieslaicher. Dazu kommt, dass die Schwarzmeergrundeln bis zu dreimal im Jahr laichen.

"Schwarzmeergrundeln sind für Topf oder Pfanne nicht ideal", erklärt Geugelin, warum er sich als Angler über die Neuankömmlinge ärgert. Im vergangenen Herbst hätten sie schon die Hälfte des Bestands im Altrhein ausgemacht: "Man hat fast keine Chance mehr, einen heimischen Fisch zu angeln." Doch es ist klar, dass die Eindringlinge auch eine Gefahr für die Artenvielfalt im Rhein darstellen, darunter auch für bedrohte Fischarten: Bartl geht davon aus, dass sie sich ungehindert bis in den Bodensee ausbreiten werden. Nebengewässer wie die Wiese seien aber abgesehen vom Mündungsbereich offensichtlich nicht betroffen.

Zwar gilt in Deutschland bereits Entnahmepflicht für die Schwarzmeergrundeln: Das heißt, dass gefangene Fische dieser Art nicht mehr ins Gewässer zurückgeworfen werden dürfen, sondern getötet werden müssen. Aber dies ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weiß auch Bartl: "Die Art zu dezimieren ist ein Kampf gegen Windmühlen."

Deshalb lässt das Regierungspräsidium den Dingen seinen Lauf. Bartl hofft auf einen natürlichen Ausgleich durch die Fressfeinde der Schwarzmeergrundeln: Hecht, Zander, Aal und Wels. Sie müssten sich durch das große Nahrungsangebot ebenfalls vermehren. Von der gezielten Aussetzung dieser Raubfische, wie Geugelin überlegt, hält Bartl aber nichts: "Das wäre mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden und könnte mehr schaden als nützen." Schließlich würden die Raubfische Forellen und Äschen genauso fressen wie Schwarzmeergrundeln.

Auch auf Schweizer Seite macht man sich Gedanken. "Die Situation ist nicht ganz unerheblich", erklärt Matthias Nabholz, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie Basel-Stadt. Die Umweltminister der Kantone hätten eine Arbeitsgruppe zu den Schwarzmeergrundeln eingerichtet, um die Ausbreitung in andere Gewässer wie den Rhein zu verhindern. Auch die Uni Basel erstellt laut Nabholz derzeit eine Studie. Eine Entnahmepflicht macht für Nabholz angesichts der Menge wenig Sinn; aber er könne sich eine Regelung vorstellen, dass Boote gründlich gereinigt werden müssen, bevor sie die Gewässer wechseln. Das sollte aber idealerweise in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden geschehen. Gut, dass Bartl bereits dieselbe Idee hat, wie er der BZ verrät.