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19. Januar 2009

"Die Leute spielen mit ihrem Leben"

Moderne Aids-Therapien ermöglichen Infizierten ein fast normales Leben – im Gegenzug steigt die Rate der Neuinfektionen wieder.

  1. Werben für „Safer Sex“: Robert Sandermann und Fabian Degen (AIDS-Hilfe), Jonny Schuler und Sonja Summ (Rainbowstars). Foto: OUK

LÖRRACH (ouk). Obwohl moderne AIDS-Therapien den Betroffenen über viele Jahre ein fast normales Leben ermöglichen, ist die Immunschwächekrankheit noch immer eine Gefahr: Die Zahl der Menschen, die sich mit den HIV-Virus neu anstecken, nimmt seit 2002 wieder zu. Bundesweit leben derzeit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 63 500 Menschen mit dem Virus. Im Kreis Lörrach sind es schätzungsweise 160 Menschen. Das Gesundheitsamt, die AIDS-Hilfen in Basel und Freiburg, sowie der schwul-lesbische Verein Rainbowstars bieten Hilfe an.

Das Gesundheitsamt bietet HIV-Tests und auch Beratungen an – kostenlos und anonym. Rund 220 bis 230 vor allem jüngere Menschen kämen im Jahr zum Test, bei höchstens zwei oder drei Menschen falle das Ergebnis positiv aus, berichtet Ernst Wiche, Psychologe beim Gesundheitsamt. Häufig kommen Menschen, die sich nach wechselnden Sexualkontakten Gewissheit verschaffen wollten, ob sie sich mit HIV infiziert haben, so Wiches Erfahrung. Aber auch Frauen und Männer, die in langjährigen Beziehungen leben, lassen sich testen: Vor allem, wenn ein Partner vermutet, dass der andere fremdgeht.

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"Gefährlich ist es nur, wenn man Sex hat. Normale Sozialkontakte sind ungefährlich", sagt Ernst Wiche zum Übertragungsrisiko. Er erinnert an die Tatsache, dass das HIV-Virus nur durch Körperflüssigkeiten und Blut übertragen wird: vor allem also beim Geschlechtsverkehr oder durch unsauberes Spritzbesteck beim Drogengebrauch. Nicht aber beim Küssen oder wenn man gemeinsam Geschirr oder Toilette benutzt. Schwere Krankheiten, wie Pilzinfektionen oder Krebs, können die Folge einer HIV-Infektion sein.

Neben der medizinischen Behandlung bieten die AIDS-Hilfe in Freiburg und in Basel Betroffenen vielfältige Unterstützung und Beratung an. Es gibt Selbsthilfegruppen und Treffpunkte. Mit dem Projekt "Viva la Donna" wenden sich die AIDS-Hilfe und der Sozialdienst katholischer Frauen in Freiburg gezielt an Frauen mit HIV, vor allem an Migrantinnen und Schwangere. Die Frauen finden dort Unterstützung in medizinischen und Alltagsfragen, außerdem können sie Frauen in gleicher Lage treffen.

Die Beratung der AIDS-Hilfe Basel nehmen hin und wieder auch betroffene Grenzgänger aus Deutschland in Anspruch. Dabei gehe es häufig um Fragen zur Krankenversicherung oder um die Frage, ob der Betroffene den Schweizer Arbeitgeber über seine HIV-Infektion informieren muss, berichtet Carla Schuler.  "Wir raten davon ab, den Arbeitgeber zu informieren", sagt sie. Das sei allenfalls nötig, wenn eine Person häufig krank sei. Auch die "Happy Hour", einen monatlichen Treff zum Apéro bei der AIDS-Hilfe Basel, besuchen Frauen und Männer aus Südbaden. Die Einrichtung führt außerdem anonyme HIV-Tests durch, die aber 50 Franken kosten.  

Groß geschrieben ist beim Gesundheitsamt und den Vereinen der AIDS-Hilfe auch die Prävention. Mit den Projekten "GenteleMan" und HotBoys" wenden sich die AIDS-Hilfen Freiburg und Basel gezielt an Homosexuelle: Geschulte Leute, die sich in der schwulen Szene auskennen, besuchen Partys, Saunen und andere Treffpunkte. Sie verteilen Kondome und Infomaterial und stehen für anonyme Gespräche zur Verfügung. Sich gezielt an schwule Männer zu wenden, macht Sinn. Denn drei von vier Menschen, die  sich 2008 mit HIV neu infizierten, waren – zumindest in Deutschland – Männer, die mit Männern Sex haben (72 Prozent). Jeder fünfte (20 Prozent) infizierte sich beim Sex zwischen Mann und Frau.

Für Safer Sex werben auch die Rainbowstars. Jonny Schuler vom Vorstand berichtet, dass in Internetforen für homosexuelle Männer immer Kontaktangebote zum Sex "bare bag", also ohne Kondom, gebe. Schuler lehnt das ab: "Die Leute spielen mit ihrem Leben!" Bei den Rainbowstars treffen sich jede Woche homosexuelle Frauen, Männer und Jugendliche im Lörracher Nellie Nashorn zum Spielen und zum Reden. Häufig ginge es dabei um das eigene Coming out, manchmal auch um HIV und AIDS. Auch Betroffene hätten sich bei ihnen schon Unterstützung geholt, berichten Schuler und Vorstandskollegin Sonja Summ. Die Rainbowstars gehen mit dem Thema außerdem offensiv um: 2008 nahmen sie erstmals am Lörracher Fastnachtsumzug teil und verteilten Kondome am Straßenrand.

Kontaktadressen zu HIV/AIDS:

Kontaktadressen

zu HIV/AIDS:

Gesundheitsamt: HIV-Test und Beratung: Ernst Wiche, Tel. 07621/410-2148. HIV Test jeden Donnerstag 14 – 17 Uhr, Landratsamt Lörrach, Palmstraße 2, Haus 2. Anmeldung nicht erforderlich.

AIDS-Hilfe beider Basel: Clarastraße 4, Basel. Tel. 0041/61/6852500. Internet: http://www.ahbb.ch

AIDS-Hilfe Freiburg: Büggenreuterstraße 12, Freiburg. Tel. 0761/276924. Internet: http://www.aids-hilfe-freiburg.de

Rainbowstars: Internet: http://www.rainbowstars.de Mail: kontakt@)rainbowstars.de  

Autor: ouk

Autor: ouk