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21. Juli 2016

Die Rente ist ein Projekt für das ganze Leben

Die Regelungen müssten zukunftsfest umgestaltet werden, forderte Peter Weiß von den CDU-Sozialausschüssen in Schopfheim.

  1. Gleich drei Bundestagsabgeordnete waren an diesem Abend nach Schopfheim gekommen. Armin Schuster und Gabriele Schmidt (beide stehend) wollten die Gelegenheit nutzen,um die aktuellen Bewertungen des rentenpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion, Peter Weiß (sitzend), zu hören Foto: Rolf Reißmann

SCHOPFHEIM. Die Rente ist doch täglich präsent – ob im Freundeskreis, im Wartezimmer oder bei der Reise, nahezu überall werden die Altersbezüge schnell zum Gesprächsthema. Und dann das: Für Dienstagabend hatten die CDU-Sozialausschüsse zu einer öffentlichen Informationsrunde über Rentenpolitik und Rentenwicklung eingeladen. Doch nur gerade mal drei Interessenten kamen. Dabei war kein Geringerer als der rentenpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, der sachkundige Referent.

Dass heute mit Weitsicht und klugen Entscheidungen die Sicherheit der Rentenzahlungen für noch scheinbar ferne Jahre vorbereitet werden muss, war schon oft zu hören. Weiß erläuterte anschaulich den gesellschaftlichen Widerspruch. Bei der grundlegenden Entscheidung für unser Rentensystem vor rund 60 Jahren war das Umlageverfahren bestens geeignet. Denn der arbeitenden Bevölkerung stand eine wachsende Kinderzahl gegenüber, damit waren die Renten abgesichert. Und heute? Die Frauen und Männer aus den geburtenstarken 60er-Jahren klopfen in Kürze an die Tür der Rentenkassen. Die Jahrzehnte vorher üblichen starken Bevölkerungsverluste durch Kriege blieben aus, bessere Gesundheit führt zu höherer Lebenserwartung und damit zu längerer Lebenszeit, also länger andauernder Rentenzahlung. Nur folgte diesen Jahrgängen eine regelrechte Geburtsflaute, also weniger Beitragszahler fürs Umlagesystem. Deshalb haben wir ein jetzt beginnendes und künftig deutlich anwachsendes Problem.

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Weiß nannte drei Themenkreise, die relativ schnell von der Politik geklärt werden sollten: Flexirente steht für einen dynamischeren Übergang als derzeit. Wer nach dem offiziellen Rentenalter noch arbeiten möchte, sollte dies dürfen, aber mit geringerer Anrechnung des Zuverdienstes auf die im früheren Arbeitsleben erworbene Rente. Rente 4.0 steht für ein dynamischeres System für die in zehn und mehr Jahren nochmals deutlich veränderte Arbeitswelt. Schließlich sei die betriebliche Altersvorsorge zu reformieren. "Mehr denn je steht der Eintritt in die Rentenzeit auch mit dem Fachkräftemangel in Verbindung," meinte Experte Weiß. "Gerade Firmen mit wenig Beschäftigten können nicht schlagartig auf die Erfahrung der langjährigen Mitarbeiter verzichten. Also sollte der Staat deren angemessene Weiterbeschäftigung zulassen, ohne jeden Betrag, der über 450 Euro im Monat verdient wird, von der Rente abzuziehen." Wer länger als vorgesehen fleißig ist, sollte dafür nicht bestraft werden. Rente als Lebensprojekt sollte auch regelmäßig bedacht werden.

Gabriele Schmidt, ebenfalls CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, berichtete von ihren Erfahrungen. "Wenn junge Leute nach der Ausbildung in den Beruf einsteigen, informieren sie sich, schließen etwas ab und dann vergessen sie die Altersvorsorge mindestens bis sie 40 sind", meinte sie. Das sei zu nachlässig, denn die Jahre mit gutem Verdienst sollten auch die der höchsten Rücklagen sein.

In Baden-Württemberg ist die ausgezahlte Durchschnittsrente niedrig. Weiß erklärte dies damit, dass in früher vor allem Männer fürs Familieneinkommen sorgten und Frauen kaum berufstätig waren. Dennoch aber sind im Vergleich zu anderen Bundesländern die Einkommen der Rentnerfamilien recht hoch. Oft erhöhen Immobilienbesitz und andere Teilhaben die regelmäßigen Einkünfte. "In den östlichen Bundesländern fehlt dieses Vermögen; deshalb ist die Gefahr von Altersarmut dort deutlich höher," meinte Weiß. Auch der Anteil der Aufstocker, deren Rente unter dem Betrag der Grundsicherung liegt und die einen Ergänzungsbetrag erhalten, ist in Baden-Württemberg gering.

Autor: Rolf Reissmann