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19. Februar 2013

Frühzeitig ans Alter denken

Wohnen im Alter: Diskussionsrunde der Senioren-Union im Dreiländermuseum Lörrach.

  1. Architekt Michael Balint, Landrat a.D. Alois Rübsamen, Silke Apel von der KfW, Bundestagsabgeordneter Armin Schuster, Kreishandwerksmeister Michael Schwab, Willi Brunen von der Wohnbau Lörrach (von links) Foto: Reiser

LÖRRACH. Immer mehr Menschen wollen auch im Alter in den eigenen vier Wänden leben. Dies beinhaltet jedoch eine Menge Herausforderungen, nicht nur an die Senioren selbst, sondern auch an Wohn- und Lebensraum. Unter dem Titel "Wohnen im Alter" lud nun der Lörracher Kreisverband der Senioren-Union zu einer Diskussionsrunde über den altersgerechten Umbau bewohnter Räume.

Grund für die Diskussion sei die demografische Entwicklung im Land, erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster in seinem Grußwort. Nicht nur steigt die durchschnittliche Lebenserwartung, es entscheiden sich auch immer mehr alte und pflegebedürftige Menschen für ein Leben in der eigenen Wohnung. Von den 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland 2011 wurden, laut Angaben des Statistischen Bundesamtes, 70 Prozent zuhause versorgt. Dadurch sei bereits in den vergangenen Jahrzehnten ein großer Bedarf an altersgerechtem Wohnraum entstanden, der in Zukunft noch weiter steigen dürfte. Diese Entwicklung, so Schuster, hätten sämtliche Bundesregierungen der vergangenen 20 Jahre verschlafen.

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Entsprechend groß sieht man daher bei der Senioren-Union den politischen Handlungsbedarf. So bedürfe es etwa einer genauen Erhebung in den Städten und Gemeinden im Landkreis, um festzustellen, wie groß die Nachfrage nach seniorengerechtem Wohnraum genau ist und in Zukunft sein wird, sagte der frühere Landrat Alois Rübsamen. Genaue Zahlen, wie viele barrierefreie Wohnungen neu- oder umgebaut werden müssten, gäbe es nämlich nicht.

Generell entschieden sich aber immer mehr Menschen, auch im Alter in den eigenen vier Wänden zu leben, stellte Willi Brunen von der Wohnbau Lörrach fest. Gerade im Alter sei man verwachsen mit Wohnung, Nachbarn und Umgebung, weswegen nicht nur einzelne Wohnungen, sondern ganze Wohnquartiere barrierefrei gemacht werden müssten. Die Wohnbau verfolge dieses Ziel, indem Treffpunkte geschaffen werden und auf eine gemischte Bewohnerstruktur innerhalb eines Quartieres geachtet werde, so dass sich Jung und Alt gegenseitig helfen. Man wolle keine "Seniorenghettos", so Brunen.

Ein Schwerpunkt der Diskussion im Lörracher Dreiländermuseum war die Finanzierung des Neu- und Umbaus seniorengerechter Wohnräume. Zu diesem Thema hatte die Senioren-Union Silke Apel, Prokuristin bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), eingeladen. Apel stellte detailliert die verschiedenen Fördermöglichkeiten der KfW für altersgerechtes Bauen vor und betonte, dass es für eine Förderung keine Altersbeschränkung gäbe. Somit könnten gerade auch ältere Menschen bei notwendigen Umbauarbeiten unterstützt werden.

Oft seien es kleine Veränderungen, sagte Apel weiter, die eine große Wirkung hätten, wie etwa das Anbringen von Griffen in Dusche und Badewanne. Überhaupt ist der Sanitärbereich einer der Knackpunkte bei der altersgerechten Wohnraumgestaltung: Vom rollstuhlgerechten Waschbecken über die ebenerdige Dusche bis hin zu ausreichend breiten Türen müsse hier vieles beachtet werden, ergänzte der Architekt Michael Balint, der unter anderem die Räumlichkeiten für "Leben und Wohnen" mitgebaut hat. Heutzutage sei es wichtig, all diese Details bereits beim Neubau eines Gebäudes zu beachten, um später teure Umbauarbeiten zu vermeiden, so Balint.

Im Hinblick speziell auf den Landkreis Lörrach müsse das Informationsangebot bezüglich seniorengerechtem Wohnen stark verbessert werden, stellten die Anwesenden einstimmig fest. Viele ältere Menschen wüssten nicht, welche Umbauarbeiten zu Verbesserung ihrer Lebensqualität vorgenommen werden können und an wen sie sich dafür wenden müssen. Der Kreisvorsitzende der Senioren-Union, Diether Lützelschwab, sprach sich für die Gründung einer kostenlosen Beratungsstelle aus, wie es sie auch in anderen Landkreisen gibt. Diese Einrichtungen beraten ältere Menschen vor Ort über sinnvolle Umbaumaßnahmen in ihrem Zuhause. In Lörrach betreibt zwar die Fritz-Berger-Stiftung eine Informationsstelle für ältere Menschen, aufgrund fehlender personeller Ressourcen kann diese aber keine Hausbesuche anbieten.

Autor: Matthias Reiser