Tourismustag

Mit Geschichten Touristen in den Kreis Lörrach locken

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Do, 26. Januar 2017 um 16:58 Uhr

Kreis Lörrach

Marketingstrategien, digitale Bettwäsche und Storytelling: Der achte Tourismustag des Landkreises Lörrach befasste sich vor allem mit Visionen statt mit praktischen Tipps.

Marketingstrategien, digitale Bettwäsche und Storytelling: Der achte Tourismustag des Landkreises befasste sich Am Mittwoch vor allem mit Visionen für den Tourismus, die im Schwarzwald auch irgendwann kommen sollen. Handfesteres gab es beim zugehörigen "Markt der Möglichkeiten".

Als Professor Valentin Weislämle von den Schlafanzügen und der Bettwäsche berichtet, die – ausgestattet mit Sensoren – von ganz alleine Bescheid geben, wann sie gewaschen werden wollen, gibt es Gelächter in der Wiesentalhalle in Höllstein. Der Studiengangsleiter Tourismus an der Dualen Hochschule (DHBW) Lörrach referiert beim Tourismustag des Landkreises unter anderem über das Projekt Future Hotel des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart.

In dieser Hotelvision ersetzt das Smartphone Check-in und Zimmerschlüssel, aus dem Fenster wird ein Monitor, die Beleuchtung kann der Gast individuell steuern, das Bad ist Wellnessoase, das Bett fängt auf Kommando an zu schaukeln und ein Roboter ersetzt diskret den menschlichen Zimmerservice. "Sie können sich ausrechnen, wann das hier im Landkreis ankommen wird", sagt Valentin Weislämle.



Es dürfte noch eine Weile dauern. Gerade Vermieter von Unterkünften im ländlichen Raum haben nicht zuletzt aufgrund der mäßigen Internetverbindung Probleme, digitale Angebote zu machen, die für den Gast heute schon Standard sind, etwa eine direkte Buchungsmöglichkeit über die Homepage. Mobile internetfähige Geräte sind der wichtigste Urlaubsbegleiter, erklärt Weislämle – und zwar von der Buchung bis zur anschließenden Bewertung des Hotels auf dem Onlineportal oder im Sozialen Netzwerk: "Es ist einfacher, einen Fleck auf dem Teppich zu posten, als sich an der Rezeption zu beschweren."
"Es ist einfacher, einen Fleck auf dem Teppich zu posten, als sich an der Rezeption zu beschweren."Valentin Weislämle
Weislämle spricht auch über den Masterplan Tourismus des Landkreises, über die Aufgaben des Destinationsmanagements (Gemeinden und Tourismusverbände) und wie sie der Kreis unterstützt. Leitbilder und Strategien zum Beispiel müssen die Destinationen selbst erarbeiten, sie werden aber in den Masterplan Tourismus des Kreises eingebunden. Dessen Funktion liegt eher darin, Projekte wie den Premiumwanderweg zu initiieren und zu begleiten.

Gäste, die Geld mitbringen sollen

Für die rund 200 Zuhörer ist es ein informativer Nachmittag – wenngleich er wenig direkt praktisch umsetzbare Tipps für die Gemeindevertreter, Gastronomen und Vermieter bereithält. So stellt Heide Glasstetter, Bereichsleiterin Innenmarketing der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG), das aktuelle Marketingkonzept der STG vor. Es setzt auf Qualität und die Zielgruppen wohlhabende Familien, anspruchsvolle Singles und Paare mittleren Alters, wohlhabende Best Ager sowie junge Leute ohne Kinder. Das entspreche laut Glasstetter 45 Prozent des Gästepotenzials.

Locken will man sie mit den Themen Natur, Kultur, Wandern, Rad, Wellness/Thermen/Gesundheit, Familienurlaub und Wintererlebnis. So weit, so bekannt. Wertiger wäre es vielleicht gewesen, die am Ende nur kurz angerissenen Themen wie die Touristische Ortsberatung durch die STG, die neue EU-Pauschalreise-Richtlinie oder das Thema Sharing Economy im Tourismus – zum Beispiel Airbnb – zu erörtern.

Traumhafter Kuchen und handfeste Informationen

Mit traumhaftem Backwerk der Landfrauen vom Bezirk Oberes Wiesental und handfesten Informationen von den Ständen des "Markts der Möglichkeiten" versorgen sich die Teilnehmer in der Pause. Ferienregionen wie Südwärts, der Belchen oder der Hochschwarzwald informieren, ebenso die DHBW und die STG. Auf einem Monitor läuft ein Video des Wiesentäler Textilmuseums in Endlosschleife: Und ewig klappert der Webstuhl. Jenes Video hat es Bruno Leiminger angetan. Der smarte junge Österreicher mit dem ausgeprägten Bewegungsdrang ist Seniorberater bei der "Hotel und Tourismus Consulting Kohl & Partner".

Er läuft durch den Saal und bringt den Zuhörern das "Storydelling" näher – was so viel heißt wie Storytelling im Wiener Slang. Die Geschichte rund um die Erfindung des Schnellschützen, einem speziellen Webschiffchen, die ihm der Vertreter des Museums erzählt hat, habe ihn "überraschend berührt".



Beim Storytelling gehe es darum "die Geschichte zu finden, die mich von anderen differenziert". Er nennt die vier wichtigsten Kernbotschaften für Geschichten, mit denen man Urlauber locken kann: klare Hauptdarsteller, einen Konflikt, einen gut gewählten Schauplatz und eine Auflösung.

Als Beispiel zeigt er unter anderem ein Werbevideo, in dem glücklich erholte Urlauber barfuß über Almwiesen spazieren und lachen, als ihnen das Smartphone in den Bergbach fällt. Offenbar haben sie nicht im Future Hotel eingecheckt.

Mehr zum Thema: