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15. August 2016

Ohne Bienen gibt es keinen Obstbau

Gespräch zu Bienengesundheit mit Imkern, Landwirtschaftsverband, Landratsamt und MdB Schuster.

  1. Gertraud Lohrmann, Albert Zimmermann, Verena Christen, Rainer Eiche, Norbert Uttner, Klaus Nasilowski und Armin Schuster (von links) Foto: ZVG

STEINEN-HÖLLSTEIN (BZ). Die Gesundheit von Bienen hängt von vielen Faktoren ab: Neben Pflanzenschutzmitteln können Umwelteinflüsse sowie der Befall mit der Varroamilbe negative Auswirkungen haben. Auf Initiative des CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster kamen in Steinen-Höllstein Vertreter der Kreisimkerschaft, des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) und des Landratsamtes Lörrach zusammen, um sich über die Bienengesundheit im Kreis auszutauschen, teilte der Abgeordnete der Presse mit.

Verena Christen forscht an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Bereich Ökotoxikologie über die molekularbiologischen Auswirkungen von Spritzmitteln auf Bienen. Ein Zwischenergebnis ihrer Feldstudie sei, dass sich Orientierung, Gedächtnis und Immunsystem der Bienen nach Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln zunächst spürbar verschlechterten. Nach sieben Tagen habe sich der Zustand der Bienen wieder normalisiert. Allerdings sei eine Schwächung des Immunsystems der Bienen zu beobachten, selbst wenn Mittel weit unterhalb der zulässigen Grenzwerte angewendet würden. Die Gründe seien noch nicht abschließend erforscht. Vermutlich spiele auch der Klimawandel eine Rolle. Die Winter seien nicht mehr kalt genug.

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Nobert Uttner, Kreisvorsitzender der Imker, beobachtet starke Schwankungen im Zustand seiner Bienenvölker, die nicht eindeutig zu erklären seien. Dieses Jahr sei es um die Gesundheit gut bestellt. Imker müssten selbst einen Beitrag leisten und ihre Bienenvölker vorsorglich behandeln (zum Beispiel mit Ameisensäure und Oxalsäure), um sie vor Ansteckungsgefahren zu schützen, sagte Imker Rainer Eiche. Imker seien heute überwiegend Amateure, während Landwirte in der Regel von ihrer Arbeit leben müssten. Umso wichtiger sei es, die jeweiligen Positionen zu verstehen.

BLHV-Regionalgeschäftsführer Albert Zimmermann stellte klar, dass Landwirte nur mit entsprechendem Sachkundenachweis tätig werden dürften. Daher sei ihm lieber, über konkrete Fälle von Fehlverhalten zu diskutieren als zu verallgemeinern. Obstbauern wüssten, dass es ohne Bienen keine Äpfel gibt. Der Pflanzenschutz sei viel ausgefeilter als noch vor 50 Jahren. Auch Hobbygärtner sollten umfassend beraten werden, um zur richtigen Zeit die passenden Mengen auszutragen. Oft sei der Einsatz einer Harke im heimischen Garten völlig ausreichend.

Kreisobstbauberater Klaus Nasilowski verwies bei dem Fachgespräch auf das umfassende, freiwillige Fortbildungsangebot für Obstbauern, wie man Schäden für Bienen vermeiden könne. Ein Problem seien allerdings häufig wechselnde Auflagen. Daher seien die Betriebe auf eine kontinuierliche Beratung angewiesen. Das Landratsamt nutze verschiedene Kanäle. Tagesaktuelle Empfehlungen würden per Fax versendet, gegenwärtig gehe es zum Beispiel um die Walnussfruchtfliege. Imker könnten Schäden an ihren Bienen melden. Erster Ansprechpartner sei der Bienensachverständige im Ortsverein. Dann könne man sich an das Landratsamt wenden, das Proben für weitere Untersuchungen nehme.

Imker-Verband, BLHV und Landratsamt wollen den Austausch in Zukunft intensivieren. Der einmal jährlich unter der Ägide des Landratsamtes tagende Bienenschutzausschuss könne das geeignete Diskussionsforum sein, befand Gertraud Lohrmann, Leiterin des Fachbereichs Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt. Dort kämen Fachleute, Verbandsvertreter und interessierte Landwirte und Imker zusammen. Um einen breiteren Kreis von Landwirten zu erreichen, schlug Schuster vor, dass Bienenfachleute in BLHV-Bezirksversammlungen das Thema Bienengesundheit vorstellen. Uttner lud seinerseits den BLHV zu den Imker-Versammlungen ein, um auch dort beide Sichtweisen zu diskutieren.

Autor: bz