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29. Oktober 2011

Wiederholungstäter?

Der frühere Ciba-Umweltchef vermisst bei der Industrie nachhaltige Lerneffekt aus Schweizerhalle.

  1. Peter Donath Foto: Ralf H. Dorweiler

Hat die Industrie ihre Hausaufgabe nach "Schweizerhalle" gemacht? Peter Donath, früherer Umweltchef der Ciba Spezialitätenchemie, und auch im Kreis mitunter als Experte gefragt, zuletzt in den Debatten um die Einlagerung schwach dioxinbelasteten Erdaushubs auf der Deponie Scheinberg, bewertet das skeptisch. Die Katastrophe habe auf die chemisch- pharmazeutische Industrie der Region Basel im Umweltbereich keine dauerhafte, nachhaltige Wirkung gehabt, lautet seine These, die er in einem Interview mit dem Geografen und Umweltschützer Martin Forter auf dessen Homepage vertritt.

Im Gegenteil: Seit Schweizerhalle hätten die Basler Konzerne viele Produktionen aus der Region nach Asien verlagert. Dafür wiederum seien nicht zuletzt die Verschärfungen der Umweltvorschriften in Folge von "Schweizerhalle" ein Motiv gewesen. Als er von 1983 bis 1990 bei Ciba-Geigy für Umwelt zuständig gewesen war, sei die End-of-pipe-Umweltinfrastruktur bei Ciba-Geigy – also Kläranlagen, Abfall und Abluftreinigungsanlagen – in der Schweiz und an europäischen Standorten allein 800 Millionen Franken wert gewesen. Im Zuge der Globalisierung aber hätten die Einkäufer schon damals nur auf den Preis und die Qualität geachtet – unabhängig unter was für Bedingungen Produkte in Asien hergestellt worden seien. In einem zweiten Schritt seien dann ganze Produktionen nach Asien verlagert worden.

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Da sich die Kosten der Produktion aus Infrastruktur-, Arbeits- und Materialkosten zusammensetzen, sparten die Konzerne mit Verlagerung nach Asien vor allem zwei Posten: Arbeits- und Umweltkosten. Schon bei Ciba-Geigy, aber auch bei Ciba Spezialitätenchemie, seien in den Standard-Kalkulationen faktisch Umweltkosten auf den Kilopreis eines Produkts herunter gebrochen worden. Dabei sei es zu seiner Zeit als Verantwortlicher "gar nicht so selten" vorgekommen, dass 15 bis 20 Prozent der Herstellungskosten umweltbedingt waren. "Wenn die wegfallen, ist das schon was", befindet Donath weiter.

Zwar seien die Kosten für "Schweizerhalle", die Sanierungen der Chemiemülldeponien wie der Hirschacker-Grube in Grenzach-Wyhlen oder die Folgen der Rheinverschmutzung in der Region Basel, inzwischen höher als die die mittels dieser Praktiken einst gesparten Ausgaben. Dennoch wiederhole die Industrie diesen Fehler mit der Verlagerung und dem Export der Probleme nun in China und Indien. Denn dort werde erneut ohne geeignete Umwelt-Infrastruktur produziert. So beteilige sich die Industrie nicht nur an der Zerstörung, sondern müsse langfristige auch dort mit Sanierungskosten rechnen. Dabei gebe es hier vor Ort noch immer eine gut entwickelte Umweltinfrastruktur. Angesichts der Tatsachen müsse man leider zum Schlusskommen, "dass ‘Schweizerhalle’ keine nachhaltige Wirkung hatte", fällt Donaths Bilanz an dem Punkt denn auch ernüchternd aus.

Mehr Informationen dazu unter http://www.martinforter.ch

Autor: alb