Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Januar 2013

Zwei von drei nutzen Chance

Projekt der Handwerkskammer hilft alleinerziehenden Frauen ohne Berufsabschluss in Ausbildung.

LÖRRACH. Alleinerziehende Frauen ohne Ausbildung, die von Hartz IV leben, haben es besonders schwer, beruflich den Anschluss zu halten. Das Projekt "Teilzeitausbildung für Frauen mit Kindern" (TaF) der Fördergesellschaft der Handwerkskammer Freiburg soll den Wiedereinstieg erleichtern. 12 von 19 Frauen haben im ersten Jahr diese Chance genutzt. "Ein Superwert", findet Ninja Wildemann vom Jobcenter Landkreis Lörrach, das das Projekt mit dem EU-Sozialfonds finanziert. Üblicherweise liege die Erfolgsquote solcher Maßnahmen unter 50 Prozent.

Emine K. aus Rheinfelden hatte 300 bis 400 Bewerbungen geschrieben – und nur Absagen erhalten. TaF half der 28-jährigen Mutter von zwei Kindern, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Seit 1. September absolviert sie bei Pro Optik in Rheinfelden eine Ausbildung zur Optikerin in Teilzeit. Ihre Tochter (5) und ihr Sohn (3) haben von Zuhause nur ein paar Schritte zum Ganztageskindergarten.

Eine solche Lösung finden nicht alle. Nicht selten ist die Kinderbetreuung der Knackpunkt, weshalb aus einer Ausbildung doch nichts wird. Drei TaF-Teilnehmerinnen scheiterten an der Hürde. "Bei den Betreuungsplätzen muss der Landkreis Lörrach noch aufholen", findet denn auch Ninja Wildemann. Mehr als ein Kind, ein Wohnort im ländlichen Raum oder ein sozialer Beruf mit Schichtdienst sind Faktoren, die eine Betreuung erheblich erschwerten.

Werbung


Rund 1100 alleinerziehende Frauen im Kreis Lörrach beziehen derzeit über das Jobcenter Leistungen zum Lebensunterhalt. Rund 70 Prozent von ihnen haben keinen Berufsabschluss. 12 der 19 Frauen mit einem bis drei Kindern, die 2012 an TaF teilnahmen, haben einen Ausbildungsplatz als Optikerin, Bäckerei- und Fleischfachverkäuferin, Verkäuferin, Friseurin, Hauswirtschaftlerin und Altenpflegehelferin oder einen Arbeitsplatz gefunden. Ein zweiter TaF-Kurs, der kürzlich begonnen hat, ist fast ausgebucht.

TaF schult die Frauen im Umgang mit dem Computer, unterstützt bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und mit Förderunterricht für die Berufsschule, hilft bei der Organisation der Kinderbetreuung, beim Umgang mit Ämtern und Behörden sowie in der Bewerbungsphase, begleitet während der Ausbildung und berät bei Krisen im Betrieb und beim Bewältigen von Alltagsproblemen. "Alleinerziehende brauchen diese besondere Art der Betreuung vor und während der Ausbildung", erläutert Projektleiterin Ina Rosenthal. Betriebe, sofern sie ausreichend informiert sind, zeigten sich durchaus aufgeschlossen für eine Ausbildung in Teilzeit. Lediglich in der von Frauen begehrten Bürobranche bekam TaF bislang keinen Fuß in die Tür.

Teilzeit bedeutet übrigens nicht, dass die Frauen etwa nur vormittags arbeiten. Damit Handwerks- und Handelskammern die Abschlüsse anerkennen, sind mindestens 70 Prozent, also wöchentlich zirka 30 Stunden notwendig. Durch die reduzierte wöchentliche Arbeitszeit verringert sich allerdings auch die monatliche Ausbildungsvergütung. Das erleichtert kleinen Betrieben, einen Ausbildungsplatz zu schaffen. Ein wesentlicher Vorteil von TaF für die Firmen: Sie müssen nicht aus einer Vielzahl an Bewerberinnen die Passende heraussuchen; die Vorauswahl übernimmt das Projekt.

Emine K. ist begeistert von ihrem Ausbildungsbetrieb: Das Klima sei toll; die Arbeit macht ihr Freude. Und ihr Chef zeige sich sehr flexibel, wenn sie beispielsweise mal kurzfristig zu Haus bleiben muss, weil eines der Kinder krank ist. Lediglich mit der Sprache hat die junge Kurdin, die aus der Türkei stammt, aber sehr gut Deutsch spricht, bisweilen noch ihre Mühe – wenn Kunden ausgeprägt Alemannisch sprechen. Doch auch das dürfte sich mit der Zeit legen.

Ansprechpartnerin für Arbeitgeber und Alleinerziehende: Christiane Brögelmann, Tel.  07621/5838649, E-Mail: christiane.broegelmann@foege-hwk.de

Autor: Daniel Gramespacher