Der Weg des Verpackungsmülls

Ann-Kathrin Bielang

Von Ann-Kathrin Bielang

Sa, 01. September 2018

Kreis Waldshut

Viel Kunststoff landet täglich im gelben Sack.

KREIS WALDSHUT. Alle vier Wochen prägt er das Straßenbild: der gelbe Sack. Von Alufolie bis Zahnpastatube landet alles darin, was als gebrauchte Verpackung eine Zukunft als recyceltes Material hat. Grundsätzlich gehören nur Leichtstoffverpackungen hinein, also Verpackungen aus Kunststoff, Aluminium, Weißblech oder Verbundstoffen.

Rund 5640 Tonnen von diesem Verpackungsmüll fallen laut Auskunft von Michael Schneider, Pressesprecher der Firma Remondis, im Landkreis Waldshut jedes Jahr an. Das Unternehmen mit Sitz in München ist im Kreis Waldshut für das Einsammeln der gelben Säcke zuständig "Das sind umgerechnet circa 34 Kilogramm pro Einwohner und Jahr, was einem guten bundesdeutschen Durchschnitt entspricht", so Schneider. Die Menge habe in den vergangenen Jahren jedoch konjunkturbedingt leicht zugenommen.

Immer mehr Verpackungen
Die Zunahme von Verpackungsmüll sieht auch das Umweltbundesamt (UBA). So habe sich der Verbrauch von Kunststoffverpackungen von 1995 bis 2014 fast verdoppelt. Als einen der Gründe nennt das UBA den Trend zu Convenience-Produkten, also Fertiggerichten, und den Trend zu kleineren Verpackungsgrößen. Ein weiterer Trend geht zu Vorverpackungen, wie das Ergebnis einer durch den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) 2015 in Auftrag gegebenen Studie zeigt. So sind 63 Prozent an Obst und Gemüse, das durch Privathaushalte im Einzelhandel oder auf Wochenmärkten einkauft wird, industriell verpackt. Der Anteil an Kunststoffbedarf für Vorverpackungen hat demnach zwischen 2000 und 2016 bei Obst um 94 Prozent und bei Gemüse um 186 Prozent zugenommen.

Warum sind Lebensmittel verpackt? Auf seiner Internetseite schreibt der Nabu, dass die Verpackungen für den Handel logistische Vorteile bieten. Das gilt für den Transport und das Stapeln der Ware wie auch an der Kasse, wo Obst oder Gemüse nicht mehr gewogen, sondern nur noch über das Band gezogen werden muss. "Darüber hinaus argumentiert der Handel mit Hygiene, Frische und Schutz der Produkte, was jedoch nur für wenige Produkte nachvollziehbar ist", schreibt der Nabu.

Wie wird Verpackungsmüll

recycelt?
Die Verpackungen aus dem gelben Sack müssen irgendwo hin. Der Abfall lande zunächst auf einem Umschlagplatz, sagt Michael Schneider von Remondis. Dort werde der Plastikabfall aus verschiedenen Gegenden durchmengt, da sich die Sortierqualität des Plastikmülls je nach Einsammlungsgebiet unterscheidet. Pauschalisieren könne man das nicht, jedoch sei die Fehlwurfquote beim Gelben Sack in manchen Gebieten deutlich geringer als in anderen. Bei der Durchmischung des Abfalls entstehe zunächst ein "heterogenes Gemisch mit einer durchschnittlichen Störquote", so Schneider. Anschließend geht es für den Abfall in die Sortieranlage. Mit bis zu drei Metern pro Sekunde durchlaufe der Abfall mehrere Stufen der Sortieranlage, vom Überbandmagneten bis zum Rotationssieb, mit dem etwa Plastiktüten aussortiert werden. Am Ende der Sortieranlage werden die Wertstoffe – für den Kunststoff sind das vor allem PE (Polyethylen), PP (Polypropylen) und PS (Polystyrol) – in Würfel gebunden und der Kunststoffproduktion zur Weiterverwertung übergeben.

60 Prozent Recyclingquote
Den Recyclingauftrag für den Verpackungsabfall aus dem Landkreis Waldshut hat die Firma Vogt Plastic in Rheinfelden. "In Rheinfelden landen 100 Prozent der gelben Säcke aus dem Landkreis Waldshut", sagt Michael Dietel, Leiter für Rohstoffbeschaffung und Abfallwirtschaft bei der Firma Vogt Plastic. Dort werden sie als Anteil von insgesamt 80 000 Tonnen Verpackungsmüll aus ganz Baden-Württemberg recycelt. 60 Prozent des gesamten Verpackungsabfalls, der in Rheinfelden landet, könnten werkstofflich recycelt und damit an die Industrie zurückgeführt werden, sagt Dietel. Die restlichen 40 Prozent, zumeist Fehlwürfe und Aufbereitungsverluste, werden zur Energiegewinnung genutzt.

Probleme beim Plastik-Recycling
Verpackungen, die besonders schlecht recycelt werden können, sind "Verpackungen aus Verbundstoffen", sagt Michael Schneider von der Firma Remondis. Dazu gehören auch Getränkekartons. "Früher war das eine gute Idee", so Schneider. Man habe mit der Einführung von Getränkekartons hauptsächlich das Abfallvolumen in den Deponien vor der Stadt verringern wollen. Seit 2005 gebe es solche Deponien jedoch nicht mehr. Heutzutage wolle man an die Rohstoffe in den Verpackungen und so seien Getränkekartons aus Verbundstoffen "eine schlechte Idee", sagt Schneider. Getränkekartons bestünden aus unterschiedlichen Materialien wie einer Aluminiumschicht, wasserfesten Lacken und Kartonagen, die miteinander verleimt sind, und daher "ganz schlecht zu recyceln" seien.

Auch PET ein Problem
Für die Käse- und Wursttheke gilt Ähnliches, wie Michael Dietel von der Firma Vogt Plastic ergänzt: "Die Verpackungsfolie besteht aus fünf bis sechs technischen Schichten, die die Produkte haltbar machen." Recycelt werden könnten solche Folien nicht. Auch PET sei ein Problem, sagt Dietel. Bei Flaschen eigne sich der Kunststoff zwar gut für den Recyclingprozess, aber als PET-Schale könne das Material nicht recycelt werden. Als Verbraucher sollte man daher darauf achten, Kunststoffschalen aus PP zu kaufen. Erkennen könne der Verbraucher den Unterschied durch die entsprechende Prägung PET oder PP auf dem Kunststoff, meist am Boden.

Ökodesign-Richtlinie
Wichtig ist es nach Auskunft von Michael Schneider von der Firma Remondis, Produkte bereits so zu gestalten, dass sie gut recycelt werden können. Daher plädiert die Firma Remondis für eine überarbeitete Ökodesign-Richtlinie. Diese Ökodesign-Richtlinie besteht als EU-weites Konzept bereits in der Kennzeichnung zum Energieverbrauch für zum Beispiel Kühl- oder Fernsehgeräte. Sinnvoll sei in Anlehnung an die EU-Energieverbrauchskennzeichnung daher auch "eine Skala, bei der ich als Verbraucher erkennen kann, die Verpackung besteht zu 70 Prozent aus recycelten Materialien", sagt Schneider.

Design vor Recyclingfreundlichkeit Recyclingfreundlich sei eine Verpackung immer dann, wenn sie nur aus einem Kunststoff besteht, sagt Michael Dietel. Der Trend gehe jedoch in eine andere Richtung. So seien beispielsweise um Joghurtbecher vermehrt Papierbanderolen gewickelt, die gut bedruckt werden können und zur Produktdarstellung dienen, für das Recycling jedoch "ein schlechtes Beispiel sind", so Dietel. Aufgrund seiner Ummantelung werde der Joghurtbecher als Papier erkannt und dementsprechend sortiert oder gelange mitsamt dem Papier in die Kunststoffverwertung. Verbraucher sollten beim Kauf daher nicht nur auf den Inhalt, sondern gezielt auch auf die Verpackung achten, so Michael Dietel.

Einmal Joghurtbecher

immer Joghurtbecher?
Bei Kunststoffen spreche man generell eher von Downcycling als von Recycling, sagt Schneider. Das bedeutet, dass aus einer Verpackung keine neue Verpackung entsteht, sondern ein Produkt in ein qualitativ minderwertiges Endprodukt umgewandelt wird. So entstehen aus dem Verpackungsmüll beispielsweise Dübel oder Staubsaugergehäuse und Mülltonnen. Der Kunststoff kann dabei bis zu fünfmal zu einem neuen Produkt aufgearbeitet werden, danach sei das Downcycling "nicht mehr sinnvoll", so Schneider. Was nach diesem Zyklus nicht mehr wiederverwertet werden kann, werde verbrannt und damit Strom erzeugt.