Projekt

Künstler "besetzen" leerstehende Bank in Denzlingen – mit Kunstausstellung zum Thema Geld

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Fr, 09. November 2018 um 17:56 Uhr

Denzlingen

Kurz vor dem Abriss wird die Raiffeisenbank in Denzlingen zu einem großen Kunstprojekt, bei dem sich alles um das Thema Geld dreht. Die Ausstellung wird am Samstag eröffnet.

Knallrot leuchtet nach der Dämmerung das Foyer des ehemaligen Raiffeisenbankgebäudes an der Hindenburgstraße. Ein bisschen verrucht wirkt die Farbgebung, erinnert an andere Etablissements und an die Farben eines Mitbewerbers. Immer wieder bleiben Passanten stehen, werfen einen Blick hinter die verschlossenen, gläsernen Eingangstüren, die sich an diesem Wochenende doch noch einmal öffnen. Statt Geld jedoch gibt es dort Kunst zu sehen.

Die Idee, leere Geschäftsräume mit Kunst zu füllen, ist bei den Aktiven des Denzlinger Kulturkreises nichts Neues. Unter dem Titel "Leergut" hatten sie im Oktober 2015 bereits leer stehende Läden für ihre Aktionen genutzt und auch damals schon Gastkünstler eingeladen. "Bei der Raiffeisenbank fanden wir offene Ohren, Ähnliches vor dem Abriss in dem geräumten Gebäude verwirklichen zu dürfen", so Bernhold Baumgartner.

Bei der Planung habe die Bank ihnen freie Hand gelassen, betont Baumgartner. Letztlich habe das einzige im Ort ansässige Geldinstitut die Aktion nicht nur ideell, sondern auch finanziell unterstützt. So jedenfalls ist es auch möglich, dass zur heutigen Vernissage um 12 Uhr Euro "vervespert" und am kommenden Samstag, beim Tag der offenen Tür, "Geld aus dem Fenster geworfen werden kann".

Zwei Aktionen, die verdeutlichen werden, was schon die künstlerische Bespielung der Räume offenbart. Eindimensional ist das Kunstverständnis der acht Beteiligten nicht. Gleich hinter dem blutroten Foyer stehen die Besucher am Schalter und einer großen Leinwand gegenüber. Bildsequenzen rund ums Geld, Eindrücke von den Arbeiten der Kollegen, sind mit Versatzstücken aus Vorträgen von Anlage-Coaches zu einer Bild-Ton-Collage arrangiert.

Ein Karussell, das sich rund ums Geld dreht

Rechts daneben wird die Milchglasstruktur des Diskretschalters für eine bewegte Lichtinstallation genutzt, links sind zwei raumfüllende Arbeiten. "Macht=Geld / # Me too" die eine, die andere das ehemalige Vorzimmer des Chefs ist mit geschredderten Akten bis in Hüfthöhe gefüllt, aus denen noch der Kaffeeautomat herausragt. Der Interpretation sind Tür und Tor geöffnet, was auch für die offenen Tresore gilt. Jetzt geben die Schließfächer ihre Geheimnisse preis, im anderen Stahlschrank erinnern Bäume und Gartenutensilien an die Anfänge des Genossenschaftswesens.

Sakrale Züge hat das goldglänzende Zimmer der Anbetung des Mammon, beim Eingang in den Tresorraum können die Hände in Unschuld gewaschen oder von den Spuren des schmutzigen Geldes befreit werden – Beispiele für eine Fülle von detailverliebten Arbeiten, die zum "bitte Anfassen" einladen, bis zur Gestaltung ganzer Räume. Gegenstände, Licht, Sprache, Musik, bis hin zur eher dokumentarisch anmutenden Arbeit über Notgeld, ergänzt durch aktuelles Denzlinger Notgeld, setzen sich so zu einem Karussell zusammen, das sich rund ums Geld dreht.

"Nach-T-Spiel" – Arbeiten von Bernhold Baumgartner, Barbara Dennig, Thomas Hammelmann, Lina Leonie, Barbara Nies, Ilse Reichinger, Dirk Schindelbeck, Axel Thömmes und Konrad Wallmeier in den Räumen der alten Raiffeisenbank. Samstag, 10., Sonntag, 11. und Samstag 17. November von 10 bis 18 Uhr. Freitag, 16. November von 14 bis 18 Uhr und Sonntag, 18. November, von 10 bis 16 Uhr.