"Das ist doch ein schwarzer Nazi"

Stefan Brändle

Von Stefan Brändle

Di, 07. Januar 2014

Kultur

Dieudonné Mbala Mbala, Frankreichs umstrittenster Humorist, soll Auftrittsverbot erhalten.

Dieudonné, zu Deutsch der "Gottgegebene", ist kein Künstlername: Frankreichs umstrittenster Humorist heißt wirklich so. Und er macht wieder einmal Schlagzeilen – Negativschlagzeilen. Zum Beispiel, indem er einen so genannten Quenelle-Gruss verbreitet. Der richtet sich gegen das System oder – je nach Anschauung – gegen die Juden.

Früher war Dieudonné Mbala Mbala, der Sohn eines kamerunesischen Buchhalters und einer bretonischen Soziologin, das pure Gegenteil gewesen. Bekannt wurde er im Duo mit dem jüdischen Komikerkollegen Elie Semoun. Ihre schrägste Einlage von 1995 hieß "Cohen und Bokassa". Da ging es um Palästina und die Pariser Banlieue, um Beschneidungen und Schimpansen, und zum Schluss flogen die Fetzen und die Fäuste.

Bloß holte die Realität den Sketch bald selber ein: Semoun und Dieudonné überwarfen und trennten sich. Dieudonné versuchte es in der Politik: Als Kämpfer für die Sache der Schwarzen kandidierte er in der Front-National-Hochburg Dreux gegen die Rechtsextremen. Mit seinem Arbeitsbeschaffungsprogramm für Jugendliche erzielte er acht Prozent der Stimmen und damit einen Achtungserfolg.

Dann kam Dieudonné aber zur Sache – seiner Sache. Bei einer Pressekonferenz in Algier geißelte der bullige Komiker nach dem 60. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung die vermeintliche "Pornographie des Gedenkens". Die jüdischen Verbände Frankreichs reichten Klage ein und erwirkten eine Verurteilung. Es sollte nicht die Letzte sein. Die französischen Fernsehsender haben Dieudonné nach und nach aus dem Programm gestrichen. Dieudonné spielt seine Einlagen auch schon auf dem Trottoir. Er brachte den Verkehr zum Erliegen, Hunderte Anhänger skandierten "Dieudo président" oder "das schwarze Volk ist aufgestanden". Der 47-jährige Sarkastiker bezeichnet sich als Rassismusopfer, das vom Establishment ausgeschlossen werde.

In Wahrheit ist Diedonné selber zum Rassisten geworden. Gestandene Antisemiten vom Front National und aus der linksextremen Ecke haben sich ihm angeschlossen, Islamexegeten wie Tariq Ramadan ergreifen Partei für ihn. Seine jüngste politische Aktion beziehungsweise Provokation war die Bildung einer "antizionistischen Wahlliste". Schon mehrfach wegen antijüdischer Einlagen verurteilt, droht ihm eine neue Klage: Ende des Jahres in einem Auftritt in seinem Pariser Privattheater La Main d’Or assoziierte er coram publico den bekannten Radiomann Patrice Cohen mit Gaskammern und fügte an: "Schade".

Zur Debatte steht auch die Schließung seines Theaters

Jetzt hat die Regierung genug: Wie ihre Sprecherin Najat Vallaud-Belkacem am Montag erklärte, sollen die Präfekte (Polizeichefs) in den Departements die Möglichkeit erhalten, Dieudonnés Auftritte zu untersagen. Am Donnerstag startet der Humorist seine neue – dem Vernehmen nach bereits ausverkaufte – Tournee durch Frankreich. Zur Debatte steht auch die Schließung des Theaters La Main d’Or. Mehrere Kandidaten der anstehenden Kommunalwahlen in Paris sprachen sich am Wochenende dafür aus.

Vallaud-Belkacem räumt ein, dass ein solches Saalverbot juristisch nicht einfach durchzusetzen sei. Dieudonné spielt bewusst mit der Gesetzesüberschreitung. So etwa, als er sich in einem früheren Programm in die Haut seiner Kritiker versetzte. "Das ist doch ein schwarzer Nazi, der Typ trieft vor Hass. Der brockt sich noch was ein mit seinen Negergeschichten", frotzelte er mit seinem dämonischen Grinsen. "Hoffentlich sind die Mikros abgeschaltet! Ich muss aufpassen, was ich sage, ich wurde schon mit Hitler verglichen, das ist nun wirklich nicht lustig. Wirklich nicht!"