Geschichte

Der den Reichstag in den Breisgau berief

Peter Kalchthaler

Von Peter Kalchthaler

Fr, 11. Januar 2019 um 19:38 Uhr

Kultur

Vor 500 Jahren starb Kaiser Maximilian I. von Habsburg – mit Freiburg war er eng verbunden.

Am 12. Januar 1519 starb auf Burg Wels in Oberösterreich Kaiser Maximilian I. Am Totenbett anwesend war sein Beichtvater Gregor Reisch, der Prior der Freiburger Kartause St. Johannisberg, der eigens angereist war, um den Monarchen beim Sterben zu begleiten. Mit Freiburg hatte der Kaiser schon als Heranwachsender Berührung. Der 14-jährige Erzherzog war 1473 in Begleitung seines Vaters, Kaiser Friedrichs III., durch die Erblande am Oberrhein gereist und hatte in der Stadt Station gemacht. In seinem autobiographischen Gedicht "Theuerdank" beschrieb Maximilian später den Besuch in einer Freiburger Edelsteinschleifmühle, wo er mit seinem Schnabelschuh unter ein Polierrad geriet, das ihm die Spitze des modischen Schuhwerks abriss.

Maximilian wurde von seinem Vater systematisch als Nachfolger aufgebaut. Durch die Heirat mit der Tochter und Erbin Herzog Karls des Kühnen von Burgund, Maria, sollte sich das Haus Habsburg mit einem der mächtigsten Reiche jener Zeit verbinden. Die Ehe wurde nach dem Tod des Brautvaters 1477 geschlossen, und Maximilian regierte nun im Namen seiner Frau als Herzog von Burgund über ein nicht unumstrittenes Erbe. Im Streit um dieses Erbe liegt der Ursprung des Jahrhunderte langen Konfliktes zwischen Habsburg und Frankreich, der Freiburg vor allem im 17. und 18. Jahrhundert stark betreffen sollte. Mit dem Tod Marias durch einen Jagdunfall fiel das Burgundische Erbe 1482 an den gemeinsamen Sohn Philipp (den Schönen).

1486 wurde Maximilian noch zu Lebzeiten seines kaiserlichen Vaters zum römisch-deutschen König gekrönt, 1490 übernahm er nach dem Verzicht seines Verwandten Sigismund des Münzreichen auf sein Herzogtum persönlich die Herrschaft über Tirol und die Vorlande, zu denen auch Freiburg mit dem Breisgau gehörte, wo er persönlich die Huldigung als neuer Landesfürst entgegennahm.

Den stärksten Eindruck in der Stadt hinterließ sicher der Reichstag, den der König – den Titel "Erwählter Römischer Kaiser" nahm Maximilian erst 1508 an – 1497/98 nach Freiburg berief. Hier trafen sich die Reichsfürsten und ihre Vertreter und verhandelten wichtige Themen. Der König selbst kam mit seiner dritten Frau Bianca Maria Sforza im Mai 1498 nach Freiburg. Die Sitzungen fanden im Ratssaal, in der heutigen Gerichtslaube statt, da das eigentlich auch für diesen Zweck errichtete Kornhaus nicht rechtzeitig fertig geworden war.

Maximilian hatte die Stadt schon vor dem Reichstag und auch später durch Bestätigung ihrer Privilegien und Rechte gefördert und stiftete einen weiteren Jahrmarkt zu den beiden schon vorhandenen Messen. Für den im Bau befindlichen Chor des Münsters machte der Kaiser bedeutende Fensterstiftungen, die allerdings erst unter seinem Enkel Ferdinand ausgeführt und bezahlt wurden. In der nördlichen Kaiserkapelle ist er selbst mit seinem Lieblingsheiligen Georg dargestellt, der – dies ist allerdings ein Zufall – auch der Freiburger Stadtpatron ist (Original im Augustinermuseum).

Mit Freiburg war der Landesherr auch durch zahlreiche persönliche Kontakte verbunden. Der Jurist Konrad Stürtzel war sein Hofkanzler, der Großkaufmann Jakob Villinger sein Grand Trésorier (Großschatzmeister); beide bauten sich repräsentative Residenzen in der Stadt, Stürtzel den heutigen Basler Hof und Villinger das Haus "Zum Walfisch", das heute zum Sparkassenkomplex gehört. Letzteres geriet mit seinem aufwändigen Erker so prächtig, dass bald das Gerücht kursierte, das Haus sei als Altersresidenz des Kaisers erbaut worden. Zu den Freiburgern im engsten Umkreis des Kaisers gehörten auch sein Hofgeschichtsschreiber Jakob Mennel und eben sein Beichtvater Gregor Reisch, die wie viele von Maximilians Freiburger Beratern der hiesigen Universität verbunden waren und zum Kreis der Humanisten zählten; ebenso Ulrich Zasius, Jurist, Freiburger Ratsschreiber und Verfasser des neuen Stadtrechts von 1520. Er verfasste und hielt nach dem Tod des Kaisers die offizielle Trauerrede im Freiburger Münster.

Zum größten Zeichen der Verbundenheit Freiburgs mit Maximilian wurde das Kaufhaus am Münsterplatz – erst nach seinem Tod begonnen. An der Fassade führt der "letzte Ritter" eine Habsburgerreihe an: Auf ihn folgt sein Sohn, Philipp der Schöne, darauf die Enkelsöhne: Maximilians Nachfolger Kaiser Karl V. und König Ferdinand I., der seinem Bruder als Kaiser nachfolgte. Bis heute ist es Denkmal für die Habsburger in einer für Freiburg ganz wichtigen Blütezeit, die Maximilian zu danken ist.