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14. Juli 2010 14:38 Uhr

Urban Audio

Künstler macht aus Straßenlärm Musik

Autos, Motorräder und Lastwagen – laut, stinkend und nervtötend? Klangvoll, originell und beruhigend! Der Nürnberger Künstler Florian Tuercke gewinnt dem Verkehrschaos in deutschen Städten mit seinen Installationen eine neue, melodische Seite ab.

  1. In diesem Transporter befindet sich das Aufnahmestudio. Foto: Privat

  2. Die droneUnits wandeln die Motorengeräusche in Musik um. Foto: Privat

"Urban Audio" heißt das aktuelle Projekt des 33-Jährigen. Allen 16 deutschen Landeshauptstädten stattet Tuercke dabei einen Besuch ab und stellt an vielbefahrenen Kreuzungen in den Innenstädten seine acht selbst gebauten Instrumente auf. Diese wandeln den Motorenlärm in Musik um.

Auf den ersten Blick sind die gelben Plastikkugeln, in denen Klaviersaiten aufgespannt sind, allerdings nicht als Instrumente zu erkennen. Tuercke nennt sie "droneUnits", was ihrem Aussehen gut entspricht. Der Name ist Mehrdeutig: to drone heißt auf Englisch brummen, was auf den Klang der Instrumente hinweist. Drone kann man aber auch mit Drohne übersetzen und auf ihrem Metallstativ sehen die Kugeln auf den ersten Blick eher nicht aus, wie ein Musikinstrument, sondern eher wie eine ferngesteuerte Drohne zur Erkundung unbekannter Gebiete.

Neue Klangwelten

Bei näherer Betrachtung des Kunstwerks ist der Unterschied zwischen Musikinstrument und Drohne allerdings gar nicht so groß. Denn auch Tuerckes Instrumente erkunden das Unbekannte – wenn auch nicht das Unvorher-Sehbare, sondern vielmehr das Unvorher-Hörbare. Also das, was vorher nicht zu hören ist, sondern was erst durch seine Installation zum Leben erweckt wird. Dadurch erschafft er vollkommen neue Klangwelten.

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Musiker sind dabei unwissentlich die Verkehrsteilnehmer, die mit einem Tritt aufs Gaspedal nicht nur ihr Fahrzeug in Schwung, sondern auch die Saiten ins Schwingen bringen. Über Funk werden die Vibrationen in einen Transporter mit mobilem Aufnahmestudio übertragen. Passanten können über Kopfhörer die Klänge live erleben, während Florian Tuercke die verschiedenen Tonspuren zu einer Symphonie verbindet.

"Ich versuche schon, alle Instrumente einzusetzen, wenn es geht", erklärt er seine Vorgehensweise. Allerdings sei dies, auf Grund der unterschiedlichen Platz- und Verkehrsverhältnisse nicht immer möglich, so stellte er in Stuttgart nur sechs seiner Instrumente auf. Technisch hat er außerdem die Möglichkeit, im Nachhinein auch Tonspuren wegzulassen. "Das versuche ich aber zu vermeiden," so Tuercke, er wolle die Stadt so klingen lassen, wie sie ist.



Keine Stadt klingt wie die andere

Dabei gibt es von Stadt zu Stadt durchaus Unterschiede, obwohl die acht Instrumente jeweils in D-Dur gestimmt sind. Jedes Instrument erhält dabei einen anderen Ton der Tonleiter zugeordnet. "Hamburg fand ich sehr interessant, da war ich auf einer sehr komplexen Kreuzung. Aber auch Städte mit weniger Verkehr, wie Wiesbaden, sind interessant", beschreibt Tuercke seine Erfahrungen. Aber er kann nicht nur Städte, sondern auch Länder vergleichen. 2008 war er mit einem ähnlichen Projekt in den USA unterwegs. Damals nahm er mit einem anderen Instrument die Sounds von 27 Städten auf. Die Klangkörper stimmte er in A-Dur,in Englisch "A-Major", also großes A, als Hommage an die USA. Analog dazu entschied er sich nun in Deutschland für D-Dur.



Aber nicht nur wegen der Tonart gebe es Unterschiede zwischen dem Stadt-Sound in den USA und dem in Deutschland. "In den USA fahren die Leute bedachter und ruhiger, als in Deutschland", so Tuercke. Die Dynamik, wenn jemand bei Dunkelgelb noch schnell über die Ampel husche, gebe es in den USA nicht. "Da ist wohl der Respekt vor der Verkehrspolizei zu groß", vermutet Tuercke. "In den USA gibt es dafür keinen TÜV, da fahren dann zum Teil extravagante Wagen oder Klapperkisten rum, die bei uns nicht auf die Straße dürften", erklärt er, welche anderen interessanten Klänge der Traffic Jam in den USA zum Ausgleich für deutsche Hektik bereit hält.

Das Ergebnis seiner Arbeit wird Tuercke in verschiedenen Ausstellungen präsentieren. Wobei er noch auf der Suche nach Geldgebern ist, die ihn bei seinem Projekt unterstützen möchten. Derzeit wird seine Arbeit von verschiedenen Stiftungen und Sponsoren finanziert.

Im Internet gibt es erste Hörproben seines Projekts. Vom 30. Juli bis zum 12. September wird er außerdem bei einer Ausstellung im Hafen 2 in Offenbach zum Thema Urbanität eine audiovisuelle Kostprobe seines Schaffens zeigen. Eine Sequenz aus Hamburg soll dort Lust auf mehr machen.

Autor: Felix Held