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11. Mai 2011 17:49 Uhr

Risse-Hilfe

Kunst-Auktion für Staufen: Ausstellung bietet Überblick

"Künstler für Staufen" heißt eine neue Hilfsaktion für die von Rissen geplagte Stadt im Breisgau. Bevor die 175 Arbeiten von regionalen Künstlern versteigert werden, sind sie im Landratsamt in Freiburg zu sehen.

Vor bald vier Jahren traten in Staufen die ersten Mauerrisse auf. Fatale Folge einer Erdwärmebohrung: Eine unterirdische Quellung hebt den Boden – noch immer. Der Schaden an der Bausubstanz ist immens. Und man will sich in Staufen nicht nur auf staatliche Hilfsgelder verlassen, auch selbst die Initiative ergreifen und Mittel einwerben zur Sanierung. 2010 wurde eine Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt gegründet, mit der Solidaritätskampagne "Staufen darf nicht zerbrechen" schon einiges Geld zusammengebracht. "Künstler für Staufen" ist in dem Rahmen die neuste Aktion, gemeinsam getragen von der betroffenen Stadt und dem Landkreis.

Künstlerinnen und Künstler der Region waren aufgerufen, Arbeiten zur Verfügung zu stellen für eine Benefiz-Auktion. Nicht weniger als 108 wollen sich an dem wohltätigen Akt beteiligen, mit 175 Arbeiten, die nun am 29. Mai unter den Hammer des versierten Auktionators Christoph Graf Douglas und des BZ-Verlegers Christian Hodeige kommen. Ölbild, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur ... Da Werke auch aus Nachlässen und privaten Sammlungen zugingen, sind nicht nur lebende und nicht nur Künstler aus dem Südwesten vertreten. Ein sehr ansehnlicher, großzügig gesponserter Katalog fasst einmal alles zusammen, bevor es sich wieder zerstreut. Im Landratsamt in Freiburg stehen die Originale zu Besichtigung. Geboten kann schon vorab werden.

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Etliche Altmeister der Szene sind mit im Boot

Zur Auswahl stehen Objekte unterschiedlicher Preisklassen. Einer Zeichnung vom feinsinnigen Heinrich Mutter traut man zu, dass sie das geforderte Mindestgebot von 100 Euro klar hinter sich lässt. Ein Spiegelobjekt von Reinhard Klessinger hat einen Reiz, der mit 300 Euro kaum angemessen bezahlt ist. Vorsichtig taxiert ist auch die Radierung von Jaroslav Kovar mit ihrem eindrücklich verdichteten Schwarz. Eine Tuschzeichnung von Tomi Ungerer – eine Groteske, die Weltekel mit bitterbösem Hochgenuss zur Geltung bringt – legt die Latte mit 8000 Euro hoch. Aber bietet damit auch die Chance, auf einen Schlag wirklich Geld in die Kasse zu spülen. Wie das Blatt von Julius Bissier: Für die Monotypie aus den späten 1940er Jahren, die exemplarisch dessen Suche nach Farbe jenseits aller "äußerlichen" Effekte zeigt, sind zumindest 5000 Euro gefordert.

Etliche Altmeister der Szene sind mit ihren Beiträgen im Boot. Werner Berges hat zwei Blätter dabei (180, bzw. 260 Euro). Jürgen Brodwolf eines, das seinen charakteristischen Torso malerisch und zeichnerisch paraphrasiert (2000 Euro). Franz Gutmann bringt Arbeiten aus weit auseinanderliegenden Werkphasen ein. Das kleine bronzene Relief einer Kuh zeigt noch Affinität zum großen Lehrer Ewald Mataré (300 Euro).

Kurt Lehmann, ein Ex-Staufener

Martin Wörn aus Staufen zeigt in Siebdrucken farbbestimmte Konkrete Kunst (140 Euro). Herbert Maier, der weltreisende Bildsucher, Radierungen und Aquarelle (280 bzw. 380 Euro). Versprengt hat es den britischen Pop-Art-Veteranen Allen Jones in diese Sammlung. Auch seine sexistisch gefärbte Motivik sollte Liebhaber finden, die sich im Bieten steigern (Mindestgebot für den Druck 900 Euro).

Kurt Lehmann, der lange Jahre in Staufen lebte – Teilnehmer, was man kaum noch weiß, an der Documenta I –, ist mit einem kleinen Bronzeguss jenes "Bacchus" vertreten, den wir groß am Fuß des Staufener Burgbergs sehen (3000 Euro). Hans-Martin Erhardt stellt gleich fünf Mal einen Linolschnitt zur Verfügung, der Zerstörung zum Thema hat: "Die Vergänglichkeit. Freiburg 27. Nov. 1947" (250 Euro). Den Titel "Die Vergänglichkeit" trägt auch sein schwermütiger Landschaftszyklus in Pastell. Dem mitten im Frieden von Spuren der Zerstörung gezeichneten Staufen sollte der nun einen Zuschlag von 8000 Euro bedeuten. Oder auch mehr.

Mehr zum Thema:
  • Vorbesichtigung im Landratsamt, Stadtstr. 2, Freiburg. Bis 25. Mai, Montag bis Freitag 8–17 Uhr.
  • Benefiz-Auktion: Sonntag, 29. Mai, Aula Faustgymnasium, Staufen, 14 Uhr.
  • Vorabgebote bis zum 27. Mai, 18 Uhr, beim Landratsamt oder der Stadtverwaltung Staufen.

Autor: Volker Bauermeister