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11. März 2009

Mannheim ohne Loch

Die Installation soll aus der Kunsthalle verschwinden.

Die Pläne für die Sanierung der Mannheimer Kunsthalle sind zwar noch nicht fertig. Doch schon jetzt ist absehbar, dass das umstrittene "Mannheimer Loch" den Umbau nicht überstehen wird. Das Loch in der Kunsthalle war in der Vergangenheit für manche Schlagzeile gut. Allerdings ging es in den Diskussionen so gut wie nie um Fragen der Kunst oder der künstlerischen Qualität, sondern fast immer um die Themen Brandschutz, Sicherheit und Bewachungskosten. Denn das "Loch" zieht sich – mit einem Durchmesser von bis zu 90 Zentimetern – vom Dach bis zum Keller senkrecht mitten durchs Haus.

Die aus Stuttgart stammende Künstlerin Nathalie Braun Barends, die eine Vorliebe für Wörter mit einem großen H am Anfang hegt, hatte das "HHole (for Mannheim)" 2006 als "Artist in Residenz" kreiert. Ohne die Baubehörde zu konsultieren oder auch nur zu informieren, wurden die Decken des Museums am Übergang zwischen Alt- und Neubau kreisrund aufgebohrt. Im Gegensatz zu den optimistischen Erwartungen des damaligen Museumschefs Rolf Lauter, der begeistert war von dieser "neuen Form der Kunst" und der "weltweit einmaligen Rauminstallation", entwickelte sich das Loch zu keinem großen Renner in der Kunstwelt; stattdessen erregte es eher als Kuriosum und Kostenfaktor die Gemüter. Die schwersten Einwände kamen von der Feuerwehr, die feststellte, dass durch die durchlöcherten Decken im Brandfall die einzelnen Abschnitte des Museums nicht mehr geschlossen werden könnten und sich der Rauch rasch über alle Etagen ausbreite.

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Das Loch ist kein Bild

Etwa 40 000 Euro verschlang die Bewachung des Lochs, bis man im Rathaus 2007 entschied, die Öffnungen mit teurem Spezialglas zu verschließen. Mit der geplanten Sanierung der Kunsthalle soll die Installation nun vollends verschwinden; dies hat vor kurzem deren neue Direktorin Ulrike Lorenz angekündigt. Das habe nichts mit dem Werk an sich zu tun, versicherte sie. Doch befinde es sich an einem zentralen Punkt zwischen Alt- und Neubau – und der spiele auch beim Umbau eine zentrale Rolle. Vorgesehen seien dort zwei große Ausstellungssäle, und zwar "ohne Loch", erklärte Lorenz.

Man wolle mit der Künstlerin über die Pläne sprechen und hoffe auf deren Verständnis für die Probleme. Die Generalsanierung der Kunsthalle sei eine große Aufgabe, die man ohne Entkernung und Rückbauten nicht lösen könne, sagte die Museumschefin. Anders als ein Bild müsse eine Installation mit dem Bau leben, in der sie eingerichtet wurde. "Da liegt es auf der Hand, dass auch das Werk betroffen ist, wenn dieser sich ändert", erklärte Lorenz.

Autor: Johanna Eberhardt