Raus aus dem Niemandsland

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Mo, 14. Oktober 2013

Kultur

"ILLUeins" ist der erste große Freiburger Veranstaltungsblock zum Thema der Illustration.

Vom Werbeplakat über den Zeitungscartoon bis zum Computerspiel – wir leben in einer Bilderwelt, sind tagtäglich mit Illustrationen jeder Façon konfrontiert. Die Wahrnehmung dafür ist freilich dürftig, die Macher dahinter agieren bis auf wenige Berühmtheiten im Niemandsland. Ihre Arbeit nicht nur als Beiwerk, sondern als Zentrales zu präsentieren, das ist eines der Ziele des neugegründeten Freiburger Forums "ILLUeins", das jetzt in Kooperation mit Carl-Schurz-Haus, Centre Culturel Français, Kommunalem Kino und Slow Club erstmals zu einem prallen Programm einlädt. Bis zum 19. Oktober gibt es rund um das Thema Illustration Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Filme.

Er sei anfangs skeptisch gewesen, gibt Kulturamtsleiter Achim Könneke bei der Eröffnungsveranstaltung freimütig zu. Allein, schon die Publikumsresonanz ist überwältigend: So viele Menschen sind zur Doppelausstellung in die Räume der Freiburger Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik (hKDM) gekommen, dass die Organisatoren Jens Galler, Dirk Görtler, Steffen Rümpler und Rolf Störtzer schon von einer "ILLUzwei" träumen.

Ausgesprochen dynamisch war auch der Prozess dahinter: So plante man ursprünglich nur eine große Illustrationsausstellung, um der Öffentlichkeit ein möglichst großes Schaffensspektrum vorzustellen. Dabei wurde allerdings schnell klar, dass in Freiburg nicht nur interessante Illustratorinnen und Illustratoren tätig sind, sondern in der Szene auch ein großer Bedarf an Vernetzung herrscht. Das Feedback war jedenfalls gewaltig, die Idee einer regionalen Portfolio-Schau samt Veranstaltungsreihe nahm immer mehr Raum ein. Eine tolle Chance auch für die Studierenden der hKDM, die hier die ganze Bandbreite ihres zukünftigen Berufs hautnah erleben: von praktizierenden Profis bis zu potentiellen Auftraggebern.

Deutschland hat noch aufzuholen

So gibt es nicht nur die historisch angelegte Ausstellung "The New Yorker, Kontinuität durch Illustration" zu sehen, sondern unter dem Titel "regioillustriert" auch eine facettenreiche Präsentation regionaler Illustratorinnen und Illustratoren, die eine Brücke zum Jetzt und Hier schlägt. Mit einer zehnminütigen Zeitreise am Beamer sensibilisiert Dirk Görtler dann auch für die Geschichte der Illustration: von der ersten Höhlenmalerei bis zu urbanen Graffiti, vom Struwwelpeter bis zu Robert Crumbs Underground-Comics, vom Coca-Cola-Weihnachtsmann über die Mohammed-Karikaturen bis zum Trickfilm. Ein Fazit des USA-affinen Dozenten: Im Vergleich zur hohen Wertschätzung der angelsächsischen Länder für die Bilderkunst hat Deutschland noch einiges aufzuholen.

Ein Anfang ist in Freiburg auf jeden Fall gemacht, findet sich in den Arbeiten der 19 regionalen Illustratoren doch ein ungeheures Spektrum an Stilen, Techniken und Materialien, deren Endprodukte vom CD-Cover über Leporello-Märchen bis zum Dokumentar-Clip reichen. Da gibt es überdimensionierte Plakate in Papp-Collagentechnik, in schmale Panels gedrängte Schwarz-Weiß-Comics, altmeisterlich gemalte Kinderbuchhelden oder klar strukturierte Schaubilder, die das Immunsystem erklären. Besonders faszinierend auch die auf Staffeleien ausgestellten Hochschularbeiten, die alle Kenneth Grahames Kinderbuchklassiker "Der Wind in den Weiden" in Szene setzten. Doch wie unterschiedlich sind hier Ausdruck und Erzählstrategien!

Als historischer Zeitzeuge fungiert das US-amerikanische Kulturmagazin "The New Yorker", das sein Titelbild seit 1925 konsequent berühmten Illustratoren überlässt. Die 138 ausgestellten Original-Covers von 1987 bis 2013 spiegeln so nicht nur Entwicklungen über die Jahrzehnte hinweg, sondern auch Selbstdefinition im Wechselspiel mit Politik und Gesellschaft.
– ILLUeins bis 19. Oktober.
– Ausstellung: hKDM, Haslacherstr. 15, Freiburg. Mo bis Fr 13–19, Sa 14–20 Uhr.
– Stammtisch für Illustratoren. Kontakt: Heike Treiber. E-Mail: heike@illustration-treiber.de Tel. 07661/912363.

Weitere Informationen:      http://www.illueins.hkdm.de