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22. August 2015

TIPP DES MONATS

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Weiblich und souverän

Katherine Heiny: Glücklich, vielleicht. Erzählungen. Aus dem Amerikanischen von Marion Hertle. Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 2015. 255 Seiten, 20 Euro.

Sie sind nicht alle verheiratet, aber sie haben, ob verheiratet oder nicht, gern Affären, jonglieren mit Liebhabern und Ehemännern, nicht immer den eigenen, und ihre Gefühle und Bedürfnisse buchstabieren sie von Mal zu Mal neu zusammen. Heinys Heldinnen nehmen sich die Männer, die sich brauchen, auch wenn sie nicht immer die kriegen, die sie wollen: Manchmal sind welche darunter, die nach dem Orgasmus denkwürdige Fakten absondern über Fruchtfliegen, Linkshänder oder dunkle Materie. Katherine Heiny kriegt das alles wunderbar gelassen hin, ihre Sätze sind wie zweckmäßige Schachteln, in denen unzählige Dinge aufbewahrt werden, ein klug angelegtes Ordnungssystem, das neben dem Nützlichen Überraschendes und Witziges birgt. Alt und frei

Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr.

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Roman. Aus dem Französischen von Sonja Finck. Insel Verlag, Berlin 2015.
192 Seiten, 19,95 Euro.

Sie sind alt und wollen frei über den Rest ihrer Tage verfügen: Und so hausen Charlie und Tom mit ihren Hunden fernab der Zivilisation in der Unwegsamkeit der nordkanadischen Wälder. Bis eine Fotografin zu ihnen vordringt, auf der Suche nach Boychuck, einem der letzten Überlebenden der Großen Brände: Den haben die beiden gerade begraben. Als dann noch Marie-Desneige bei ihnen abgeladen wird, eine 82jährige, die ihr Leben lang als Verrückte weggesperrt war, müssen die beiden Männer noch einmal neu über Unabhängigkeit und Tod nachdenken. Jocelyne Saucier erzählt davon in einem lockenden Singsang, dem man willig folgt: in die Versprechen der Wildnis, in die Schrecken der Vergangenheit, in die Möglichkeit einer Zukunft, in er sich die Spuren verlieren. Jung und unglücklich

Pamela Moore: Cocktails. Roman. Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels. Piper Verlag, München 2015. 301 Seiten, 20 Euro.

Sie war achtzehn, als sie diesen Roman 1956 veröffentlichte, und sechsundzwanzig, als sie sich – während der Arbeit an ihrem sechsten Buch – erschoss: Nicht immer lässt sich das Leben schreibend in den Griff kriegen.

   Pamela Moore hat ihrer 16jährigen Heldin Courtney viel von dem zugemutet, mit dem auch sie sich herumschlagen musste: die Scheidung der Eltern, die Trunksucht der Mutter, die schäbige Seite Hollywoods und das New York der hemmungslos Reichen, vor allem aber immer wieder das Gefühl, nicht dazuzugehören. Frühreif und hungrig nach Liebe und Geborgenheit, nimmt sie Zuflucht zu Männern, zu Selbstverstümmelungen und zum Alkohol. Und zum Schlaf. Warum soll es auch nicht schlafen, dieses verlorene Kind, "wenn es doch nichts hat, wofür sich das Wachsein lohnt?"

Autor: Ingrid Mylo