Wegbereiter moderner Kunst

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 24. Dezember 2017

Kunst

Der Sonntag Ausstellung: Der Maler und Theoretiker Adolf Hölzel und seine Schüler gehörten zur deutschen Avantgarde.

Im September 1916 schriebt Freiburg mit einer Ausstellung ein Stück Kunstgeschichte: Der Pionier Adolf Hölzel und seine Schüler stellten im neuen Kunsteverein aus. Im Augustinermuseum wird diesen Wegbereitern der Moderne nun gedacht.

"Wer sich für Impressionismus, die Brücke und den Blauen Reiter interessiert, wird hier neue Facetten kennenlernen", sagt Kuratorin Verena Faber über die Ausstellung "Hölzel und sein Kreis", die bis zum 18. März 2018 als Schau des Museums für Neue Kunst im Freiburger Augustinermuseum zu sehen ist. Fabers Cottbusser Kollege Ulrich Röthke hatte das zwei Jahre dauernde Projekt mit einem Vorschlag ins Rollen gebracht: "Er hat sich viel mit Hölzel beschäftigt und wusste auch, dass es im Jahr 1916 in Freiburg eine erste Werkschau gab", erzählt Faber.

Experimentierfreudige Künstler mitten im Ersten Weltkrieg zu Gast im Badischen, im Neubau des Kunstvereins, der bis zu seiner kompletten Zerstörung 1944 auf einer Fläche zwischen Ring- und Friedrichstraße lag: Es sei ein Aufsehen erregendes, aber leider weitgehend in Vergessenheit geratenes Ereignis gewesen, an das man jetzt, 100 Jahre danach, mit einer erneuten Schau erinnern wolle. Die letzte gleichnamige Ausstellung fand 1961 in Stuttgart statt, woher einige der nun in Freiburg zu sehenden Werke stammen. Leihgaben kommen von der Stuttgarter Staatsgalerie, aus Galerien und dem Fundus von Privatsammlern. Einige Arbeiten wurden noch nie gezeigt.

"Vierzehn Werke, die wir hier zeigen, waren auch 1916 dabei, darunter Bilder von Johannes Itten, Oskar Schlemmer und Hermann Stenner", skizziert Faber die Bandbreite der Schau, die Überraschungen bietet: Drei eigens für die Schau aus dem Sitzungssaal der Firma Bahlsen in Hannover ausgebaute Glasfenster zeigen die künstlerische Vielseitigkeit des Freigeistes Hölzel und nicht zuletzt seine intensive Auseinandersetzung mit Formen und Farben. Ausgehend von Goethes Farblehre entwickelte er seine eigene: Sieben Farbkonstraste und Farbkreise, die beim Malen zu harmonischen Zusammenstellungen von Farben führen sollen.

Bereits beim Betreten der in drei Räume mit unterschiedlichen Themen aufgeteilten Ausstellung wandelt man auf Hölzels Farben: Ein farbiger Fußboden lässt die korrespondierenden Farben der Bilder erstrahlen. Mit der Linie arbeiten und mit Collagen experimentieren, sich von der Dreidimensionalität lösen und dennoch Bildaufbau und Kolorit von den alten Meistern lernen: Das forderte der beliebte Pädagoge nicht zuletzt mit eigenen Unterrichtsmaterialien und auf Schriftblättern. Skizzen von Studierenden gehören ebenso zu den Schätzen der Ausstellung, auf der auch zahlreiche Bilder der weiblichen Hölzel-Schüler zu sehen sind.

Erst 1919 war es Frauen erlaubt, sich an Akademien einzuschreiben. Bei Hölzel waren Luise Deicher, Getrud Höflinger, Maria Foell, Lily Hildbrandt und Ida Kerkovius fester, gleichwertiger Bestandteil der Gruppe von Studierenden.
Hölzel und sein Kreis – Im Laboratorium der Moderne, Ausstellung des Museums für Neue Kunst im Augustinermuseum Freiburg: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, bis 18. März 2018.