Kurz, knapp, kreativ

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

So, 11. Februar 2018

Müllheim

Der Sonntag Ausstellung über die Entwicklung der Plakatkunst in der Schweiz.

Kurz, knapp, kreativ – das sind die Kriterien, die einen knalligen Werbeträger ausmachen. Im Markgräfler Museum in Müllheim wird derzeit eine Ausstellung gezeigt, die unter dem Thema "Plakat Format F4 – Schweizer Plakate im Weltformat" die Entwicklung der Plakatkunst der Schweiz zum Gegenstand hat.

Der Privatsammler Dieter Tschudin aus Riehen präsentiert 38 Plakate aus den Jahren 1948 bis 2017, die von Schweizer Grafikern für bekannte Unternehmen, Produkte oder auch für Veranstaltungen wie die Luzerner Festwochen oder Ausstellungen in großen Museen gestaltet wurden. Die in den 1950er-Jahren von Schweizer Grafikern entwickelte grafische Sprache wird bis heute für ihre formale Disziplin geschätzt.

Die Sammelleidenschaft für Plakate hatte sich bei Dieter Tschudin bereits als Schüler entzündet. Zum Thema Wintersport sollten geeignete Plakate aufgestöbert werden. Dabei machte er die Entdeckung, dass die Suche nach Plakaten sich für ihn gewissermaßen als Türöffner erwies, um in bedeutenden Unternehmen vorstellig werden zu können.

Mit detektivischem Spürsinn und der Hartnäckigkeit eines leidenschaftlichen Forschers baute sich Tschudin in einem Zeitraum von sechzig Jahren eine Sammlung von mehreren hundert Plakaten auf, die in verdichteter Form nicht nur großartige Grafik repräsentieren, sondern auch die gesellschaftlichen Veränderungen und den Wertewandel über mehrere Generationen widerspiegeln.

"Stand zu Anfang noch die Werbung für bestimmte Produkte und Unternehmen im Vordergrund, so ist mit der Zeit eine Entwicklung hin zu kulturellen oder touristischen Veranstaltungen in der Gestaltung der Plakate festzustellen", wie Dieter Tschudin aus Erfahrung weiß. Besonders begeistern den Sammler solche Plakate, die mit wenigen elementaren grafischen Mitteln größtmögliche Wirkung erzeugen. So wie das Plakat von Stephan Bundi zu einem Konzert von John Lurie, das aus grafisch raffiniert komponierten Notenköpfen das Porträt des bekannten Jazzmusikers und Komponisten zeichnet.

Parodie durch Paroxie

Oder das Plakat mit einem aus fünf weißen Quadraten zusammengesetzten Schweizer Kreuz auf rotem Grund, dessen schlichte Botschaft "eine offene Schweiz, s.v.p.!" lautet. Hierzu sollte man als Nicht-Schweizer wissen, dass die Buchstabenkombination s.v.p. nicht nur für das Französische "bitte" (s'il vous plaît) steht, sondern ebenso auch die Initialen der rechtspopulistischen Schweizerischen Volks-Partei sind. Parodie durch Paradoxie gekonnt auf den Punkt gebracht.

Anhand von Plakatwerbung lässt sich auch der gesellschaftliche Wertewandel nachvollziehen, wie ein Blick in die in einer Vitrine ausgestellte Literatur zum Thema zeigt. Was in den 70er- und 80er-Jahren noch als freizügig durchging, gilt heute als durch und durch sexistisch. Oder die kalkulierten Tabubrüche mit makabren Motiven in den berüchtigten Benetton-Kampagnen von Oliviero Toscani, der Aids-Kranke im Sterbebett oder die blutüberströmte Leiche eines Mafia-Opfers als zynisches Vehikel zur Profitmaximierung missbrauchte. Geradezu idyllisch erscheinen dagegen die frühen 60er-Jahre, in denen der aufgestellte Stehkragen eines Politikers genügte, um dessen Wiederwahl zu torpedieren.
Eine weitere Vitrine widmet sich dem grafischen Werk des Schweizer Grafikers Celestino Piatti, der mit seinen Covern den Taschenbüchern des dtv-Verlages ein unverwechselbares Erscheinungsbild verliehen hatte.
Die Ausstellung "Schweizer Plakate im Weltformat – Format F4" läuft bis zum 27. Mai im Markgräfler Museum Müllheim. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr. Weitere Informationen, auch zu Führungen und Fachgesprächen, unter http://www.markgraefler-museum.de